ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank. Der Independent warnt vor dem Exodus britischer Firmen. Laut Techcrunch war der MySpace-Gründer ein FBI-gesuchter Hacker. Für die Gulf Times ist die Nominierung von Sarah Heath Palin als mögliche Vizepräsidentin von John McCain rätselhaft. Fundstück: Der Schlüssel zum Unglück.
Das Manager Magazin begrüßt, dass Deutschland durch die Zehn-Milliarden-Euro-Übernahme der Dresdner Bank einen zweiten „nationalen Champion“ im Finanzgeschäft neben der Deutschen Bank bekomme: eine starke Mittelstandsbank, die der Exportnation Deutschland und seinen Unternehmen mit Krediten bei der Expansion und der Globalisierung helfe und sich nicht wie Josef Ackermanns Deutsche Bank primär als globale aus London geführte Investmentbank „ohne Herz für die heimische Wirtschaft“ geriere. Dass Gewerkschaften und Betriebsrat für eine Allianz mit dem zweiten Bieter, der China Development Bank (CDB), votiert hätten, zeige, wie marode das Haus sei, in dem sich deren Arbeitnehmer kritiklos in die Arme der Chinesen flüchten wollten.
Das Wall Street Journal fordert mehr Wettbewerb in der deutschen Bankenlandschaft. Zwar sei die Zahl der Banken, die an die Bundesbank berichteten, in den vergangenen fünf Jahren um 250 gefallen. Gleichwohl gehörten immer noch über 2000 Banken zum Drei-Säulen-Modell aus privaten, öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Banken. Dabei könnten nur weniger, dafür stärkere Institute für mehr Wettbewerb sorgen. Das zentrale Hindernis dabei sei jedoch das Management, das in kleineren Instituten oft schlecht arbeite – das der Dresdner sei jämmerlich, das der Commerzbank habe sich kaum von der ärmlichen Umsetzung der Übernahme der Immobilienfinanzierungsbank Eurohypo erholt. Insofern sei der Commerz-Dresdner-Deal ein entscheidender Management-Test.
Der Standard aus Wien zweifelt an den Synergieeffekten bei der Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank. Dass die Ergebnisse solcher Zusammenschlüsse den Ansprüchen meist nicht gerecht würden, wisse die Dresdner Bank am besten. Seit der Übernahme durch die Allianz 2001 sei das Geldhaus kleiner und ertragsschwächer geworden, auch die Versicherung habe nicht von der vermeintlich verheißungsvollen Kombination von Assekuranz und Bank profitieren können. Grundsätzlich sei massives Wachstum über Fusionen ein riskantes Spiel. „Interne Widerstände und Konflikte bei der Zusammenführung unterschiedlicher Unternehmenskulturen lassen die Einsparungsträume bald platzen. Außer Spesen in Form gigantischer Kaufpreise ist dann nichts gewesen.“
Die Welt analysiert das „gigantische Risiko“, das der Chef der neuen Bank, Martin Blessing, schultern müsse. „Tausendfacher Arbeitsplatzabbau, Medienschelte, die Gefahr des Scheiterns: Mit dem gestrigen Tag wird das Gesicht des schlanken Mannes mit dem lichten kurzen Haar und der langen Narbe auf dem Kopf auf allen Fernsehkanälen flackern und womöglich immer wieder auf den ersten Seiten der Boulevard-Zeitungen prangen.“ Möglichst viele der 9000 Stellen per natürlicher Fluktuation abzubauen, traut die Zeitung Blessing durchaus zu. Schon mehrfach habe er bewiesen, dass er Geschäfte „relativ lautlos und erfolgreich drehen“ könne – das Filialgeschäft der Commerzbank habe er innerhalb weniger Quartale in die schwarzen Zahlen gewendet. Zugute komme ihm in der Situation, dass die deutschen Banken seit der Krise kurz nach der Jahrtausendwende eine radikale Rosskur hinter sich hätten. Fazit: Gelinge es nun dem Management, Commerzbank und Dresdner Bank schnell zusammen zu führen, könne das neue Geldhaus zur „Andockstelle für Landesbanken und Sparkassen“ – und schließlich zur führenden europäischen Großbank werden.
Deutschland: Piëch sägt an Wiedekings Stuhl
Der Spiegel berichtet über den anhaltenden Machtkampf bei VW und Porsche. Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch arbeite weiter daran, Wendelin Wiedeking als Chef der Porsche Automobil Holding abzulösen. Hintergrund: Wiedeking habe seit dem Einstieg Porsches beim VW-Konzern aus den befreundeten Unternehmen fast schon Feinde gemacht. Neben den Betriebsräten stritten auch die VW- und Audi-Manager, weil Wiedeking Modelle wie den Phaeton und Marken wie Seat in Frage gestellt habe: Laut Spiegel hintertreiben Audi-Manager die Zusammenarbeit mit den Stuttgartern, indem sie überhöhte Preise für Technik forderten, die Porsche bei ihnen einkaufen will. Ablösen könne Piëch den Porsche-Boss aber nur mit Zustimmung der übrigen Mitglieder des Porsche-Piëch-Clans – die stünden aber fest zu Wiedeking.
Frankreich: Börsen-Hausse trotz neuer Steuer
Das Journal des Finances kommentiert die Resonanz auf die Pläne der französischen Regierung, eine neue Steuer auf Kapitaleinkünfte zu erheben, mit der ein Solidaritätseinkommen finanziert werden soll. Dass die Börse am Tag der Ankündigung durch Nicolas Sarkozy um zwei Prozent zugelegt habe, sei möglicherweise ein „Zeichen der Verachtung“ durch die Börsianer, die den Schritt als „stupide“ erachteten. Wahrscheinlicher sei jedoch der Hintergrund, dass Paris als Sitz der Börse schon längst nicht mehr in französischer Hand sei. Mehr als die Hälfte der 40 führenden französischen Aktiengesellschaften stammten aus dem Ausland. Unabhängig von der Reaktion der Börse bleibe der Schritt der Regierung „dumm“, meint die Finanzzeitung. Sie gebe pro Jahr über 1000 Milliarden Euro aus, und zwar teilweise auf skrupulöse Art und Weise – daher sei es kaum vorstellbar, dass keine andere Quelle zur Finanzierung des Solidaritätseinkommens gefunden werden könnte.
Großbritannien: Firmen wandern ab
Der Independent kommentiert den Exodus britischer Firmen. In der vergangenen Woche hätten die Fondsgesellschaft Henderson Global Investors, der weltweit größte Anbieter im Bereich Büro-Outsourcing Regus sowie die weltweit größte Werbefirma WPP angekündigt, wegen der hohen Unternehmenssteuern England den Rücken zu kehren; in Dublin werde Henderson künftig mit nur 12,5 statt 28 Prozent besteuert. Diese Firmen seien womöglich nur die Spitze des Eisbergs, warnt das britische Blatt. Für den „belagerten“ Schatzkanzler Alistair Darling kämen die Nachrichten zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. „Brown und seine Kumpanen in Downing Street Nummer elf haben, wie ich, gedacht, dass die Gefahr der Abwanderung von Firmen gering ist. Die jüngsten Ankündigungen haben das Gegenteil gezeigt. Bleibt zu hoffen, dass die Regierung schnell aufwacht, bevor noch mehr ins Ausland abwandern und unsere maroden Finanzen noch schlimmer werden,“ warnt das Blatt.
Spanien: Privat- und Familienleben unvereinbar?
„Vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt betrachtet ist die Versöhnung von Familie und Beruf durchaus möglich“, schreibt die Gaceta de los Negocios. Die europäischen Nachbarn zeigten das deutlich. Allerdings müsse man die Angelegenheit ernstnehmen und aufhören, nach Kleingruppenmanier nur an die eigenen Interessen zu denken. Der Einzug der Frauen in Politik und Wirtschaft sei eine irreversible Tatsache. Das müsse nun auch in den Köpfen der Spanier ankommen. Die neue Situation fordere einen hohen Preis: die Auflösung von Familienstrukturen und die doppelte Arbeitsbelastung der Frauen im Beruf und Zuhause. Von der Regierung vorgenommene Versöhnungsversuche zwischen dem Familien- und Arbeitsleben dienten dazu, gerade diese unliebsamen Nebenwirkungen zu verhindern. Funktionieren könnten diese Reformen aber nur durch ein Umdenken der gesamten Bevölkerung, an dem es bisher erheblich mangele. Davon abgesehen seien viele der Maßnahmen wie Elternzeit und flexible Arbeitsstunden nur durch höhere Produktivität bezahlbar. Eben diese sei aber in Gefahr, je familienfreundlicher Unternehmen würden, befürchtet das Blatt.
USA: MySpace-Gründer war ein Hacker
Techcrunch hinterfragt den Mythos um den populärsten Menschen im Internet. Nachdem das Blog im vergangenen Jahr aufgedeckt hatte, dass MySpace-Gründer Tom Anderson, der in der Community über 240 Millionen „Freunde“ verzeichne, in Wirklichkeit fünf Jahre älter ist als von ihm selbst angegeben, gräbt es nun tiefer in der Andersonschen Vita: 1985 sei der damals 14-Jährige ins Zentrum von FBI-Ermittlungen geraten, nachdem dieser als Hacker „Lord Flathead“ den Computer der Chase Manhattan Bank geknackt und die Sicherheitslücke seinen Freunden gezeigt habe. Weil Anderson damals minderjährig gewesen sei, habe man ihn nicht verhaftet. Anderson habe mehrere Passwörter verändert, sodass sich die Bankangestellten nicht mehr einloggen konnten, und fiktive Konten eröffnet. Das FBI habe daraufhin die Wohnungen von Anderson und Freunden durchsucht und 25 Computer konfisziert.
USA: McCain will Hillary-Fans ködern
Die Gulf Times aus Katar hinterfragt die Nominierung von Sarah Heath Palin als mögliche Vizepräsidentin an der Seite von John McCain. Barack Obama wisse zwar, wie er sich die Rückendeckung von großen Hollywood-Namen sichern könne, McCain gelinge es jedoch, Obama die Show zu stehlen. Mit der früheren Miss Alaska-Bewerberin wolle McCain sicherlich Hillary-Fans im Obama-Lager abwerben. Vor dem Hintergrund, dass der Hauptvorwurf von McCain gegenüber Obama darin liege, dieser habe zu wenig politische Erfahrung für hohe Ämter im Staat, sei die Nominierung indes rätselhaft. Der große Test erwarte Palin am 2. Oktober, wenn sie mit Obamas Kandidaten für den Vizeposten Joseph Biden in den Ring steige. „Das Aufeinandertreffen wird aufschlussreich werden – und zeigen, ob Palin daraus als clevere politische Gegnerin oder McCains Augenschmaus hervorgeht.“
Fundstück: Der Schlüssel zum Unglück
Dass der Schlüssel für einen schrottreifen Ferrari bei einer Ebay-Auktion 385 Euro einbringt, ist schon kurios. Die Geschichte, die dahinter steckt, ist jedoch urkomisch. Der Verkäufer schildert die Hintergründe des Schlüssels zu einem Sportwagen, der von der „bescheuerten Ex-Frau“ geschrottet worden sei. Penibel listet der Verkäufer auf, was die „Olle“ ihn in vier Ehejahren gekostet habe: „Schuhe: 50.000 Euro. Anziehsachen: 200.000 Euro. Ferrari: 185.000 Euro (Neupreis). Versicherung: 12.000 Euro. Sprit: 30.000 Euro. Schmuck: 200.000 Euro. Möbel, etc.: 250.000 Euro. Friseur, Wellness und der ganze Scheiß: 30.000 Euro. Schönheits-Operationen: 70.000 Euro (es waren viele nötig!)“ In den Kommentaren zur Auktion legt der Verkäufer nach: Er habe von Ebay-Nutzern inzwischen Heiratsanträge und Drohungen bekommen. Und einen Verein zur Bekämpfung dämlicher Ehefrauen gegründet…
Mitarbeit: Florian Käfer.



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