Wirtschaftswache: Jedes Bisschen hilft

Ganz Deutschland fragt sich ungläubig, warum die halbstaatliche KfW der insolventen Investmentbank Lehman Brothers über 300 Mio Euro hinterhergeworfen hat. Dabei ist die Sache doch sonnenklar: Die KfW-Mäuse waren Deutschlands bescheidener Solidaritätsbeitrag zur Rettung der US-Finanzbranche – eine Art der wirtschaftspolitischen Scheckbuch-Diplomatie sozusagen.

Die zur Schau getragene Erregung von Politikern (hier) und Kommentatoren über diese Spende hat ihre Wurzel deshalb in Wirklichkeit wohl in der Erkenntnis, dass die Millionen der KfW nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Und nur ein Klacks im Vergleich zu den rund 700 Mrd Dollar, die die US-Regierung in die Rettung der Zockerbranche investiert (hier noch ein Bericht von Spiegel Online mit weiteren Hintergründen). Dabei sollten wir nicht mäkeln: Jedes Bisschen hilft.

Die Differenz zwischen den deutschen Mios und den amerikanischen Mrds illustriert übrigens auch sehr schön das Gewicht, das Forderungen wie die von Angela Merkel nach einer schärferen Kontrolle der Finanzmärkte haben dürften. Trotzdem dürfen wir die Appelle natürlich als Fortschritt verbuchen, nachdem es jahrelang die größte Sorge unserer Wirtschaftspolitiker war, Deutschland zu einem möglichst attraktiven Spielplatz für eben jene Finanzjongleure zu machen, deren Verantwortungslosigkeit sie jetzt so wortreich zu beklagen wissen.

Helmut Schmidt hat zwar neulich durch den Zigarettennebel geknarzt, dass er einer europäischen Initiative für eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte durchaus Erfolgsaussichten zutraut. Aber Skepsis ist nicht nur angebracht, weil er das u.a. ausgerechnet in Bild meinte tun zu müssen, in der er dieser Tage auch allerlei wirres Geschwurbel über Oskar Lafontaine, Hitler und Le Pen loswerden zu müssen meinte. Aber das nur am Rande.

Nein, machen wir uns nichts vor, die KfW-Spende ändert natürlich nichts daran, dass unsere Politiker und Wirtschaftsführer wenig Einfluss auf die Gestaltung der Regeln für die internationalen Finanzmärkte haben – von Leitartiklern und Altkanzlern ganz zu schweigen. Aber es ist natürlich trotzdem schön, wenn insbesondere unsere Wirtschaftspolitiker endlich einmal vernünftige Dinge sagen. Auch in dieser Hinsicht gilt schließlich: Jedes Bisschen hilft.

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