ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse ist ebenso gespalten über den Rettungsplan von US-Finanzminister Henry Paulson wie der US-Senat. Cinco Días zeigt, wie Santander der Bankenkrise trotzt. Die Novye Izvestija warnt vor der steigenden Inflation in Russland. Fundstück: Juristen auf den Hund gekommen.
The Nation geißelt den Rettungsplan von US-Finanzminister Henry Paulson als „historische Täuschung“ der US-amerikanischen Öffentlichkeit, bei der den „Schurken“ der Wall Street Honig ums Maul geschmiert werde, während die Opfer Schmerzen und Schaden davontrügen. Skandalös sei nicht, dass die Regierung handele, sondern dass sie dies nicht entschieden genug tue, indem sie eine volle Kontrolle über das Finanzsystem ausübte und für Ordnung bei Banken, Firmen und auf dem Markt sorgte. Die bisherigen Schritt-für-Schritt-Rettungen durch Fed und Finanzministerium hätten Investoren und Banken nicht daran gehindert, in zweifelhaften Zeiten Geld zu verleihen oder zu investieren. Diese Krise habe das Potenzial, eine oder gleich beide politischen Volksparteien in den USA zu Fall zu bringen und soziale Unruhen zu schüren, warnt The Nation. Als Ausweg aus der Krise schlägt die älteste Wochenzeitschrift der USA vor, eine neue zentrale Autorität zur Kontrolle des Finanzsystems einzurichten. Sollten die Akteure des Marktes die Maßnahmen der Regierung nicht unterstützen, müssten sie sich selbst überlassen werden, abgeschnitten von staatlichen Hilfen.
Der US-Steuerzahler habe allen Grund, sauer zu sein, schreibt das Wall Street Journal. Die Akteure aus der Politik und der Finanzbranche hätten dieses Chaos angerichtet, und nun werde der Steuerzahler gebeten, die Situation zu retten. Gleichwohl gebe es keine Alternative, denn der Preis des Nichtstuns wäre weitaus höher für die Steuerzahler sowie für die Zukunft des freien Marktes, stellt sich das Blatt auf die Seite der US-Regierung. Der Notfallplan habe bessere Chancen, als es Paulson mit seiner mürrischen Art vor dem US-Kongress dargestellt habe. „Was die Amerikaner zu hören verdienen, ist, dass unsere robuste Wirtschaft trotz 13 Monaten Kreditkrise noch steht; und dass diese 700 Milliarden Dollar die beste Summe sind, die der Kongress in diesem Jahr verwendet, sollte sie eine Rezession und einen Crash verhindern.“
Die Washington Post glaubt nicht, dass ein grünes Licht im US-Kongress für den Banken-Notfallplan die Finanzkrise beenden würde. Dies sei „Wunschdenken“: „Die Amerikaner täuschen sich oft damit, dass alle Probleme gelöst werden können, falls die Regierung mutig agiert. Dies könnte ein weiterer Beleg sein.“ Zwar könne Paulsons Plan dazu führen, dass Investoren ihre unattraktiven Papiere loswürden, nicht jedoch automatisch auch das Finanzsystem revitalisieren. In dieser Situation sei mehr Zeit gefragt – der Rettungsplan sei hastig konstruiert worden und enthalte einige „brüchige Vorkehrungen“: zu viel Macht für den Finanzminister sowie für Insolvenzrichter, die über Hypotheken entscheiden könnten. Fazit: Sollte der Kongress „trödeln“, würde er die Panik heraufbeschwören, vor der Paulson gewarnt habe; sollte er jedoch zu schnell handeln, könnte er ein „Monster“ ins Leben rufen, dessen Folgen erst allmählich zum Vorschein kämen.
Henry Paulson, wichtigster Mann der Nation
Newsweek porträtiert den Protagonisten der US-Finanzkrise, US-Finanzminister Henry Paulson, der zum mächtigsten Mann der Nation aufgestiegen sei, während Präsident George W. Bush bereits „ausgecheckt“ habe. Dem 62-Jährigen sei es gelungen, gemeinsam mit Fed-Chef Ben Bernanke und dem Chef der Börsenaufsicht (SEC), Christopher Cox, das Verhältnis zwischen Washington und der Wall Street fundamental zu verändern, bis fast zu dem Punkt, da der Regierungssitz zur Weltfinanzhauptstadt avanciert sei. Paulson sei in vieler Hinsicht der ideale Mann fürs Amt: In 32 Jahren bei Goldman habe er das ehrwürdige Unternehmen, die „Elite der Elite“, an die Börse gebracht und von 1998 bis 2006 als CEO geführt. Auch heute halte Paulson am Goldman-Ethos fest: enorm viel Geld verdienen, sich aber nicht so verhalten (Paulsons Anteil an der Firma sei 2006 rund 500 Millionen Dollar wert gewesen, dennoch trage er eine digitale Trainings-Uhr statt einer Rolex); sich sozial engagieren; und die Rolle des unternehmerischen Staatsmannes ausüben.
Santander trotzt der Bankenkrise
Trotz der weltweiten Bankenkrise zeige Santander „keine Falten“ – diesen Eindruck habe Emilio Botín, Chef der spanischen Bankengruppe, auf der außerordentlichen Hauptversammlung hinterlassen, lobt die Wirtschaftszeitung Cinco Días. Botín habe betont, dass das hochgesteckte Ziel von zehn Milliarden Euro Gewinn für 2008 weiterhin im Visier sei. Und auch um die Liquidität von Santander sei es bestens bestellt. Damit sei Santander wohl die einzige Bank auf dem neuen und dem alten Kontinent, die in der aktuellen Situation in der Lage sei, auf Banken-Einkaufstour zu gehen, mutmaßt Cinco Días. Das Institut habe nicht etwa seine Unternehmensstrategie verändert, sondern profitiere von der Schwäche seiner Konkurrenten, analysiert das Blatt.
IG-Metall-Forderung gerechtfertigt
„Ein spürbares Lohnplus ist drin“, schreibt demgegenüber die Bild-Zeitung – den Erfolg der boomenden „Vorzeigebranche“ hätten die 3,6 Millionen Beschäftigen erst möglich gemacht; sie müssten jetzt die hohe Inflation schultern und erwarteten mehr Geld. Zwar sei eine Acht vor dem Komma übertrieben, da sich eine deutliche Abkühlung der Konjunktur schon klar abzeichne. „Nicht mehr alle Tassen im Schrank hat die Gewerkschaft deswegen aber nicht“, kritisiert das Blatt die Reaktion der Arbeitgeber auf die Forderung der Gewerkschaft.
Rewe: Mercedes gegen Gemüse?
Die Presse aus Wien beobachtet die zunehmende Konzentration auf dem österreichischen Lebensmittelmarkt. Aufhänger ist die Insolvenz eines Gemüsehändlers in Niederösterreich, die ein juristisches Nachspiel habe: Die Wettbewerbsbehörde habe beim Kartellgericht einen Antrag auf Verhängung von Geldbußen gegenüber dem deutschen Rewe-Konzern eingebracht. Die Deutschen, die im Alpenland einen Marktanteil von rund 35 Prozent besäßen, seien jahrelang von der Firma beliefert worden, bevor die Geschäftsbeziehung 2006 ein jähes Ende gefunden habe. Vorwurf des Kreditschutzverbandes: Ein Rewe-Einkäufer soll vom Gemüsehändler 2005 dessen Mercedes „als Geschenk“ verlangt haben; im Folgejahr habe Rewe „Rabatt-Zahlungen“ in Höhe von 300.000 Euro nachgefordert, die dem Händler wirtschaftlich das Genick gebrochen hätten.
Russland von Inflation geplagt
Die Russen könnten mit Neid auf die Preise für Lebensmittel in Europa schauen, schreibt die Zeitung Novye Izvestija mit Blick auf die steigende Inflation im Land. Laut der gestern veröffentlichten amtlichen Statistik sind die Lebensmittelpreise seit Jahresanfang um 12,4 Prozent in die Höhe geschnellt, in der EU dagegen nur um 2,3 Prozent; selbst für Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Karotten, Reis oder Huhn zahlten die Moskauer mehr als die Berliner. Während in der deutschen Hauptstadt ein Kilo Kartoffeln 47 Cent koste, müsse ein Moskauer 97 Cent berappen, zitiert das Blatt aus einer eigenen Studie. Experten sähen keine Voraussetzungen für eine Entschärfung der Inflation. Im Gegenteil, die staatlichen Finanzspritzen für das Bankenwesen und den Aktienmarkt könnten die Inflation „anpeitschen“.
Fundstück: Juristen auf den Hund gekommen
Der New Yorker hinterfragt die „leise Revolution“ der reichen Hundebesitzer in der Welt der Gesetze. Tierliebhaber wie die 2007 gestorbene New Yorker Hotelunternehmerin Leona Helmsley, die ihrem Hund „Trouble“ Millionen Dollar vermacht habe, hätten den juristischen Grundsatz ausgehebelt, dass nur Menschen Geld erben und ausgeben dürfen. Inzwischen sei es für Hunde zur Routine geworden, dass sie Geld und Immobilien durch Treuhand-Modelle zugesprochen bekämen, und es gebe mindestens eine große Stiftung, die es sich zum Zweck gemacht habe, Hunden zu helfen. Angetrieben worden sei diese Revolution durch ein Netzwerk von Juristen und Tierschutz-Aktivisten, die weitestgehend ohne Widerstand hätten vorgehen können. Hotelunternehmerin Helmsley habe in ihrem Testament übrigens nicht nur verfügt, dass ihre Enkel mit einem Erbe von rund 400 Dollar abgespeist werden, außerdem solle „Trouble“ nach seinem Ableben an ihrer Seite im „Helmsley Mausoleum“ beerdigt werden.
Mitarbeit: Florian Käfer, Maxim Kireev.



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