ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse sucht nach Motiven für den Einstieg von Warren Buffett bei Goldman Sachs. Die Japan Times und Nesawissimaja Gazeta verfolgen die Tragödie der russischen Wirtschaft. Challenges sieht in der Übernahme von British Energy die erste Verstaatlichung eines ausländischen Unternehmens. Fundstück: in wenigen Schritten zum SMS-Millionär.
Der Multimilliardär Warren Buffett steigt mit mindestens fünf Milliarden Dollar bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs ein. Nach Einschätzung der Neuen Zürcher Zeitung sei es zwar erstaunlich, dass Buffett nach der „albtraumhaften Episode“ mit dem Wertschriftenhaus Salomon Brothers in den frühen neunziger Jahren einmal mehr einen Fuß an die Wall Street setze. Gleichwohl erfülle das Engagement bei Goldman Buffetts Investitionskriterien: Goldman Sachs sei noch immer ein Markenname mit globalem Glanz, die Bank verfüge über ein ausgewiesen gutes Management und könne auf Jahre überdurchschnittlicher Performance hinweisen; außerdem stimmten die Konditionen: Mit zehn Prozent erhalte Buffett eine großzügige und gesicherte Verzinsung des Vorzugskapitals.
Der Business Spectator aus Australien erkennt in Buffetts Entscheidung ein Vertrauensbekenntnis gegenüber Goldman sowie ein Zeichen für Buffetts Annahme, dass sich die Balance im US-Finanzsystem von „Risiko“ zu „Gelegenheit“ verlagere. Außerdem passe das Investment zu Buffetts Motto, man sollte gierig werden, wenn andere ängstlich sind, müsse aber Angst haben, wenn andere gierig werden. „Das zu stabilisieren, was von der Wall Street übrig geblieben ist, ist ein kleiner, aber notweniger Schritt, um Angst und Abscheu im US-System zu verringern“, begrüßen die Australier Buffetts Schachzug. Dieser werde private Anleger dazu ermutigen, weniger ängstlich, aber gieriger zu werden.
Der US-Wirtschaftsdienst The Motley Fool interpretiert Buffetts Engagement als „klare Botschaft“ an die Weltmärkte: „Ich bin nicht panisch. Ich glaube nicht, dass die Welt am Ende ist. Ich finde Schnäppchen, die ihr auch finden solltet.“ Das Signal des US-Investors könne – viel stärker als Ben Bernanke und Hank Paulson zusammengenommen – die Märkte beruhigen, die von Angst belagert würden. Gleichwohl dürfe sich das Gros der Banken jetzt nicht wieder bei Finanzwerten engagieren: Man solle nicht vergessen, dass Buffett in einer eigenen Liga spiele und bei diesem Deal Konditionen erzielt habe, die von anderen kaum zu erreichen seien. Dennoch: Dies sei Buffetts erster großer Deal seit Ausbruch der Finanzkrise. „Wenn es ein besseres Anzeichen geben sollte, dass die Dinge eine Talsohle erreicht haben, dann wüsste ich nicht welches.“
Finanzkrise erreicht Indien
Outlook India untersucht die Auswirkungen der „Fall Street“ auf das Wirtschaftswachstum Indiens. Zwar seien die kurzfristigen Folgen der Finanzkrise gering, da sich indische Banken kaum bei den komplexen Derivate-Instrumenten engagiert hätten. Dennoch seien die „indirekten Folgen“ bedrohlich: Da Investoren ihr Geld bei Turbulenzen meist aus den vermeintlich riskanten Wachstumsländern abzögen und in „sichere Häfen“ verfrachteten, drohe dem indischen Aktienmarkt eine Erschütterung; Mittelfristig drohten Importe teurer zu werden, sollte die Rupie gegenüber dem Dollar an Wert verlieren; hinzu komme, dass es für indische Firmen schwieriger werden könnte, Investitionskapital im Ausland zu akquirieren.
Finanzmarktkrise nicht schuld an deutscher Rezession
Die Frankfurter Rundschau deutet das jüngste Ergebnis des Ifo-Geschäftsklimaindexes als Beleg dafür, dass die Rezession in den Köpfen der deutschen Unternehmer angekommen sei. Der Aufschwung sei nicht stark genug gewesen, um die „geballte Ladung aus Lasten im In- und Ausland“ zu verkraften: Darunter seien insbesondere die Preissprünge bei Energie und anderen Rohstoffen sowie die nachlassende Dynamik bei den wichtigsten Antreibern der Weltwirtschaft, den Schwellenländern und vor allem den USA, was zu einem Export-Tief geführt habe. Schuld an der Misere sei nicht die Finanzmarktkrise, denn die reale Wirtschaft sei schon gestrauchelt, als Lehman Brothers noch eifrig Geschäfte gemacht und der US-Präsident Regulierung und staatliche Eingriffe für Kommunismus gehalten hätten.
Tragödie der russischen Wirtschaft
Die Japan Times verfolgt die „Tragödie“ der russischen Wirtschaft. Der Aktienmarkt sei seit 19. Mai um 60 Prozent eingebrochen, was einem Verlust von 900 Milliarden Dollar entspreche. Der „Sturz“ werde sich fortsetzen, weshalb das Wirtschaftswachstum voraussichtlich scharf und plötzlich ausgebremst werde. Ein Problem sei die „außergewöhnliche Ungeschicklichkeit“ der russischen Regierung nach einer langen Periode der fiskalpolitischen Besonnenheit – eine „Tragödie in fünf Akten“: Seit dem Steuerflucht-Vorwurf von Premier Wladimir Putin gegenüber dem Stahlgiganten Mechel und dem Angriff auf Georgien herrsche Chaos auf dem russischen Aktienmarkt, während ausländische Investoren abgeschreckt ihr Kapital abzögen. Akt drei der Krise seien die sich abzeichnenden Probleme mittelständischer Banken, die unter den Turbulenzen an der Börse litten; anschließend drohten die Immobilienblase zu platzen und das Investitionsvolumen „abgeklemmt“ zu werden. Der Schurke in diesem Drama sei Putin. „Wie lange kann sich Russland solch einen teuren Premierminister leisten“, fragt das Blatt abschließend.
Die Nesawissimaja Gazeta zeichnet ein düsteres Bild für kleine und mittlere Unternehmen in Russland. Rund einem Drittel drohe die Pleite, falls der Staat die Krise auf den Finanzmärkten nicht dauerhaft beseitigen könne. Hintergrund: Kredite seien für viele Firmen in Russland wegen der steigenden Zinsen zu teuer geworden; gleichzeitig akzeptierten immer weniger Banken Aktien als Sicherheit für Kredite; und falls doch, rechneten die Banken den möglichen weiteren Kursverfall mit ein, sodass die mögliche Kreditsumme deutlich kleiner ausfalle. „Unter diesen Bedingungen halten sich große Unternehmen zurück, für kleinere Unternehmen geht es aber schon ums Überleben“, kommentiert die Zeitung. Hinzu komme, dass einige Firmen große Probleme bei der Umschuldung älterer Kredite hätten, da sie schlichtweg keine neuen Kredite bekämen.
British Energy: erste Verstaatlichung eines ausländischen Unternehmens
„Das ist die Revanche von Napoleon“, frohlockt das französische Wirtschaftsmagazin Challenges nach der Übernahme von British Energy durch den Atomenergie-Riesen Electricite de France (EDF). Für EDF-Chef Pierre Gadonneix sei die Übernahme ein großer Sieg, da es ihm gelungen sei, sich das Prunkstück der britischen Nuklearenergie zu sichern. Die Realität sei gleichwohl „brutaler“: Der französische Staat werde British Energy verstaatlichen – die erste Verstaatlichung eines ausländischen Unternehmens in der Wirtschaftsgeschichte. EDF wage ein Investment, das der britische Staat selbst nicht getan habe. Dies zeige einerseits, dass der Staat trotz der Globalisierung der Motor langfristiger strategischer Investments bleibe, andererseits, dass sich Großbritannien, indem es die Verantwortlichkeit für British Energy an ein Nachbarland abgegeben habe, als liberalstes Land Europas erwiesen habe.
USA im Windenergie-Rausch
The Atlantic betrachtet den Rausch der Windenergie in den USA, der besonders durch das Engagement von T. Boone Pickens entfacht werde: Der frühere Ölbaron baue den größten Windpark der Welt in Texas, mit einem Volume von zehn Milliarden Dollar. Außerdem hätten sich 28 Bundesstaaten bereit erklärt, auf erneuerbare Energien zu setzen – viele hätten ihre Elektrizitätswerke dazu verpflichtet, zwischen 2015 und 2025 mindestens 20 Prozent ihres Angebots durch Windenergie einzuspeisen. Die Leistung der Windenergie sei allein im vergangenen Jahr um 45 Prozent gesteigert worden; mehrere Windenergie-Firmen seien zuletzt in Multimilliarden-Dollar-Deals aufgekauft worden. Bei aller Euphorie erinnere die Stimmung an den Ethanol-Boom, der ebenfalls durch staatliche Förderungen entstanden sei, heute aber als Desaster gelte. Zwar könne Windenergie wohl keine weltweite Nahrungsmittelkrise auslösen, so die Zeitschrift. Ihre Hauptprobleme – die teure Übertragung der Energie über große Strecken sowie die Unbeständigkeit des Windes – blieben jedoch gravierend.
Fundstück: ruckzuck SMS-Millionär
Vier Milliarden Euro werden durch das Geschäft mit „Premium SMS“ pro Jahr in Spanien umgesetzt, berichtet die Gaceta de los Negocios. Wer sich beeile, könne in wenigen Schritten selbst zum SMS-Millionär werden, verspricht das Blatt. Die Technologie könne kostenlos übernommen werden, während bis zu 50 Cent Gewinn pro SMS heraussprängen – ein kinderleichtes Geschäft: Einen passenden Softwareanbieter habe man über eine eine kurze Google-Suche ruckzuck gefunden, und nach der kostenlosen Registrierung stünde den ersten SMS-Millionen nichts mehr im Weg. Für das Bild eines saftigen spanischen Schinkens oder eine kurze Melodie zum SMS-Download bekomme erhalte man vom Provider eine Telefonnummer, an die Interessenten zum Herunterladen der Datei ein bestimmtes Schlüsselwort schicken müssten – fertig sei das Geschäft. Kein Wunder, dass es selbst in renommierten spanischen Tageszeitungen nur so von Anzeigen zu SMS-Angeboten wimmele, resümiert die Gaceta de los Negocios.
Mitarbeit: Florian Käfer, Maxim Kireev.



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