Wirtschaftswache: Folgen der Falschentlöhnung

Die Geschichte der US-Finanzkrise ist schon jetzt erstaunlich reich an Kuriositäten. Die derzeit bemerkenswerteste ist das Vorleben von US-Finanzminister und Zockerretter Henry Paulson: Schließlich hat er früher an der Spitze jener Firma, die maßgeblich zum Entstehen der Kreditkrise beigetragen hat, über 16 Mio Dollar per anno verdient (siehe den Beitrag von The Nation in der ecolot.de-Presseschau). Eine weitere kuriose Episode hat sich in Zürich abgespielt – sie ist nicht ganz so spektakulär, aber aufschlussreich.

Die Pressestelle der Universität Zürich fing sich neulich einen Rüffel der Neuen Zürcher Zeitung ein. Grund: Sie habe im Kontext der Finanzkrise eine “neue Studie” der Wirtschaftswissenschaftlerinnen Prof. Margit Osterloh und Katja Rost präsentiert, obwohl die bereits vor einem Jahr in einer Fachpublikation erschienen sei. “Universitäten stehen unter einem wachsenden Druck, sich gut zu vermarkten”, ursachenforschte die NZZ, deshalb habe die Hochschule wohl den Eindruck größter Aktualität erwecken wollen.

Tatsächlich hätte man ohne den Hinweis der NZZ kaum bemerkt, dass die Studie schon ein Jährchen auf dem Buckel hat. “Profitbasierte Entlöhnungen für Manager sind kontraproduktiv”, titelte die Pressestelle in ihrer Mitteilung (hier nachzulesen auf Swiss-Press.com), und wenn man sich ausreichend über den schönen Schweizer Ausdruck “Entlöhnung” gefreut hat, wird man neugierig – schließlich werden die fetten Boni der US-Bankmanager mitverantwortlich gemacht für die Entstehung der Finanzmarktblase, von deren lautem Platzen jetzt der ganzen Welt die Ohren klingeln.

Durch die Auswertung von 76 Studien mit Daten zu 123 767 Unternehmen haben Osterloh und Rost herausgefunden, dass Manager-Boni nicht zu besseren Unternehmensresultaten führen. Vollends auf der Höhe der Aktualität befindet man sich, wenn man die Ursachen vernimmt, vor allem die, dass Boni Manager verleiten, Risiken zu verschleiern (siehe hier den Bericht des Internet-Portals Cash.ch).

Womit wir wieder bei Paulson und Consorten wären. Und bei der Frage, welche Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen sind. Nehmen wir den kleinen Taschenspielertrick der Uni-Pressestelle also einfach amüsiert zur Kenntnis – und hoffen, dass die auf diese Weise wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückte Studie in der jetzt anstehenden Aufarbeitung der Finanzkrise gebührende Aufmerksamkeit findet.

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