andreAnsicht: Die Männerbünde der Zukunft (Kleiner Nachtragshaushalt)

Ein Spielplatz, elf Uhr morgens, etwa 2023. An der Wall Street in New York erinnert nur noch ein kleines, liebevoll von einem alten Mütterchen gepflegtes Museum an die Zeit des weltumspannenden Kapitalismus, in Bayern bangt die CSU um die Fünfprozenthürde, die österreichische Regierung ist im Rahmen eines Rettungspakets von einem Konsortium aus Berlusconi und Le Pen aufgekauft worden, in Moskau sind kleine Phiolen mit wenigen Millilitern Erdöl als Halsschmuck der neueste Schrei für die Superreichen, der Besitz auf Papier gedruckter Zeitungen wird wegen der Verschwendung nachwachsender Rohstoffe streng bestraft, und nur noch eine Handvoll Ultrarechter kämpft gegen die Übernahme chinesischer Begriffe in die deutsche Sprache.

Die (von belinea erträumte) 50%-Hausmannquote ist längst erreicht, und während Frauen dank einschlägiger Beratung gelernt haben, professionell in Führungssituationen zu kommunizieren, haben die Männer neben Kinderchen und Schäufelchen auch ihre Kommunikationsformen mit an den Sandkasten genommen:

Er1: Hi
Er2: Hm
Er3: Hm
Er1:
Er2:
Er3: Hm
Er1: Jetzt stell Dich nich so an, Jan-Phillipp, der Kevin rutscht schon ganz alleine, und der ist auch erst zwei.
Er2: (stöhnt)
Er3: Hm
Er1: Jan-Phillipp, jetzt mach schon. Was heulste denn jetzt, was solln denn da die Mädels denken, hm? (guckt sich feixend zur Seite um) Normalerweise stellt der sich ja nicht so an, neulich im Park, da ist er auch ganz alleine auf sone Bank geklettert, also, die war mindestens soo hoch, also, da war ich schon überrascht. Aber er is ja auch sonst so clever, neulich hat er zu der Alten da vorne am Kiosk, also, da sagt der Kurze zu ihr: „Da!“ Ganz deutlich! „Da!“
Er2: Oh Mann, ich bin immer noch völlig alle.
Er1: Was haste denn? Trockner wieder kaputt oder was, höhö.
Er2: Nee, Mann, fuffzich Blusen, kannste Dir das vorstellen, ich weiß nicht, wozu das Weib soviele Blusen hat, und ich sach noch, so mit Falten, is doch auch schön, aber sie hat gleich angefangen zu keifen, das macht Ihre Chefin nicht mit, es könnten sich schließlich nicht alle leisten, den ganzen Tag im Jogginganzug rumzuhängen und blabla, und ich: Dann bügel Deine Blusen doch selber, und sie: Als ob ich für sowas Zeit hätte, das ist doch Dein Job, und überhaupt: Was hast Du eigentlich den ganzen Tag gemacht? Echt ey. Ich also dann die ganzen Blusen gebügelt, das waren mindestens hundert, mir tut echt der Rücken weh, das glaubste nich.
Er3: Hm
Er1: Kenn ich! Aber ich sach Dir, nich mit mir! Ich leg die Blusen jetzt immer unter die Matratze, so 10 passen locker gestapelt dadrunter, und am nächsten Morgen, alles platt!
Er2: Geil, das funktioniert echt?
Er1: Na klar. Jan-Philipp, jetzt sei doch nicht so eine Memme, wenn der Kevin Dir den Laster wegnimmt, gib ihm halt eins auf die Nuss.
Er3: Hm
Er2: Matratze, ich schmeiß mich weg (gluckst noch immer) Scheiße, mein Rücken tut weh.
Er1: Jaja, die Weiber.
Er2: Nochn Bier?
Er3:
Hm

(Ich habe hier mal ideal-stereotypisch drei Charaktere angelegt, aber viele Männer schaffen es mühelos, den Angeber, den Jammerlappen und den Wortkargen in einer einzigen Person zu vereinen, was eindeutig gegen die These spricht, Männer seien nicht multitaskingfähig.)

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