Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hat mal wieder eine muntere Diskussion ausgelöst: Ist seine Ankündigung, auf Bonus-Millionen zu verzichten, ein “peinlicher Vorgang und reine Schauveranstaltung” (SPD-Fraktionschef Peter Struck) oder ein “erfreuliches Zeichen” (Wirtschaftsminister Michael Glos)? Hier eine gute Nachricht für alle, die sich noch keine Meinung gebildet haben: Das muss man auch nicht. Ob Ackermann ein paar Mios mehr oder weniger einsteckt, ist völlig egal. Wichtig ist, dass die Unsitte der Manager-Boni ganz abgeschafft wird.
Die Bezahlung der Manager war immer schon für einen Aufreger gut, wenn ihnen im Falle erwiesener Erfolglosigkeit hohe Summen hinterhergeworfen wurden. Aber die Finanzkrise hat gezeigt, dass die leistungsbezogenen Vergütungsbestandteile viel größeren Schaden angerichtet haben, indem sie die Zocker der Finanzmärkte zu immer größeren “Erfolgen” auf der Jagd nach Top-Renditen anstachelten.
Deshalb hat die Bundesregierung absolut Recht, wenn sie den Verzicht auf Vorstands-Boni zur Bedingung für die Inanspruchnahme der staatlichen Bankenhilfen macht. Ob es auf Dauer sinnvoll ist, gleichzeitig eine Begrenzung der Gehälter auf eine absolute Höhe von 500.000 Euro festzulegen, mag dahinstehen. Aber geschenkt. Im Moment werden die zahlreichen Herren und wenigen Damen aus den Vorstandsetagen wankender Banken ohnehin nicht gerade von Headhuntern gejagt. Und der Sozialkasse werden sie trotz dieser Salär-Deckelung auch nicht so schnell zur Last fallen.
Ackermann verdient weniger Kritik für sein “Schauveranstaltung”, als vielmehr dafür, dass er offenbar den Schuss nicht gehört hat. In einem BamS-Interview sagt er zur Deckelung der Banker-Bezüge: “(…) die besten Kräfte, die gerade in schwierigen Zeiten gebraucht werden, suchen sich woanders einen Job. Ich empfehle daher, mit Augenmaß vorzugehen (…) Die Besten bekommen Sie dafür (500.000 Euro, d. Red.) nicht.”
“Die Besten”? Nach Ackermanns Logik müssten die Banken in den vergangenen Jahren alles getan haben, um mit hohen Gehältern und fetten Boni “die Besten” anzulocken. Beim Blick auf deren “Erfolge” möchte man nicht ausschließen, dass die Banken und wir alle mit den Zweit- und Drittbesten besser fahren.
Der große Philosoph Karl Popper hat einmal für die Politik den Grundsatz formuliert, es sei gar nicht so wichtig, für Machtpositionen die vermeintlich Besten auszuwählen. Viel wichtiger sei, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass schlechte Entscheidungsträger möglichst wenig Schaden anrichten können. Die Ereignisse der letzten Wochen zeigen, dass dieser Grundsatz auch für die Führungsetagen der Banken gilt.



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