John schreibt mir nicht mehr. Wahrscheinlich hat er gemerkt, dass die Mail-Adresse gar nicht dem treuen Republikaner aus Duluth (Georgia) gehört, sondern einem deutschen Namensvetter, der freche Kolumnen schreibt. “Damn, Germany ist nicht einmal ein fucking swing state!”, hat er gedacht und mich aus der Mailing-Liste geworfen. Aber es gibt ja genug in den Medien zu lesen. Heute zum Beispiel hier auf Spiegel Online, dass John McCain jetzt “Freiheit statt Sozialismus” als Wahlkampfthema entdeckt hat. Teufel noch eins!, was für ein Schachzug!
Auf den ersten Blick beschleicht den Beobachter zwar dieses mittlerweile sprichwörtliche Sarah-Palin-Gefühl, das wir noch von der Vorstellung seiner Vize-Kandidatin kennen und das seinen Ausdruck in hochgezogene Augenbrauen findet. Und in der Frage: “Hat der noch alle?” Aber, Teufel noch zwei!, das ist natürlich viel zu kurz gedacht.
Als alter Wirtschaftsfachmann weiß McCain, dass man antizyklisch handeln muss. Sein Vorbild ist dabei wahrscheinlich ein anderes politisches Genie, und zwar eines aus Deutschland: Friedrich Merz, den man nicht nur wegen des gleichen Anfangsbuchstabens und trotz des zumindest äußerlichen Altersunterschieds durchaus als den “John McCain des Sauerlandes” bezeichnen kann.
Der deutsche Mr. M hat ja vor ein paar Tagen ein Buch mit dem Titel “Mehr Kapitalismus wagen” auf den Wochenmarkt geworfen – und auch da blickte man irritiert auf die Wirtschaftsnachrichten und hatte spontan so eine Art sauerländisches Sarah-Palin-Gefühl. Aber sehet und staunet: Freddy M. hat mit diesem Buch sofort den Sprung auf die “Spiegel”-Bestsellerliste geschafft (hier nachzulesen auf buchreport.de).
Das ist doch ein schöner Erfolg, wird der amerikanische Mr. M gedacht haben. Im Moment scheint dessen Strategie zwar eher geeignet zu sein, ihm einen ähnlichen Platz im Kandidatenfeld zu verschaffen wie der deutsche M. ihn auf der Bestsellerliste ergattert hat (Rang 12).
Aber, Teufel noch drei!, M steht nicht nur für Merz, Meschede (Sauerland) und “Mehr Kapitalismus wagen”, sondern auch für McCain, Maverick und Machtinstinkt. Und ich habe natürlich keine Ahnung, wie die Wähler in Duluth (Georgia) und den anderen schönen Städten Amerikas ticken. Ich bin ja nur der Namensvetter aus Germany, der sogar aus der Mailing-Liste rausgeflogen ist.



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