ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse ergründet Ursachen und Folgen des Bebens an den Devisenmärkten. Die International Herald Tribune wünscht den USA einen neuen Kapitalismus. Die Gulf Times zweifelt an Kubas gigantischen Ölvorkommen. Fundstück: Sklavenaufstand in Schottland.
Einen Tsunami sieht der Daily Telegraph derzeit über die Devisenmärkte hereinbrechen. “Dieser Sturm wird alles wegwaschen, und wir werden keine andere Wahl haben, als abzuwarten, bis sich die Wellen zurückgezogen haben, um zu sehen, was noch übrig ist”, zitiert die britische Zeitung die düstere Einschätzung eines Insiders. Ursache sei die verstärkte Liquidation von Anlagewerten durch Hedgefonds in den Schwelleländern. “Sie legen die Gewinne nicht an, sondern behalten vorerst das Geld.” Und weil die meisten Hedgefonds den US-Dollar als Leitwährung nutzten, würde dieser derzeit aufgewertet. “Das ist kein Vertrauensbeweis in die US-Wirtschaft, sondern ein rein technischer Vorgang”, meint das Blatt. Englands Notenbank gerate nun gehörig unter Druck. Die Wirtschaft der Insel sehe sich nun ernsthaft mit einer Rezession konfrontiert.
Ein neuer Kapitalismus für Amerika
Die prahlerische Behauptung von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der Kapitalismus nach amerikanischem Stil sei vorbei, könne man leicht abtun. Tatsächlich aber solle man sie ernst nehmen, so die International Herald Tribune. Die Finanzwelt – die Lebensader des Kapitalismus – sei zu einem großen Teil verstaatlicht, und selbst Alan Greenspan habe eingeräumt, dass sein unbedingter Glaube an die Selbstregulierung der Märkte falsch sei. Amerika stehe vor der Frage, welche Richtung der neue Kapitalismus nehmen soll, und dies sei Chance und Herausforderung zugleich für den neuen US-Präsidenten. Zu allererst brauche die Finanzwelt bessere, stärkere Regeln. Danach müsse kräftig in Gesundheitssystem, Bildung und Infrastruktur investiert werden, meint das Blatt. “Der Gesellschaftsvertrag und die Rolle der Regierung dabei müssen überdacht werden.” All dies sei eine große Aufgabe, vor der die USA nun stehe.
Die Chance am Abgrund
Mitten im finanziellen Tsunami, der die Erde heimsuche, sei es sehr schwierig, mit Optimismus in die Zukunft zu schauen, ist Cinco Días aus Spanien überzeugt. Allerdings konzentriere laut des Zentrums für Europäische Reformen nichts so den Verstand wie die Vision vom Abgrund. Die Weltwirtschaft nähere sich einer bodenlosen Grube, die sie dazu verpflichte, einen Schritt zurückzutreten und nachzudenken. Die gewagten Wetten im Bankwesen würden verschwinden – jahrzehntelange Werkzeuge für Geschäfte im Wert von vielen Milliarden Euro. Nicht zuletzt sei durch die Notwendigkeit staatlicher Rettungsmaßnahmen die Anfälligkeit der Kontrollmechanismen deutlich geworden, bekräftigt Cinco Días. Die große Welle fordere aber auch andere Opfer, wie die Budgetstabilität der Länder, Investitionen in den Umweltschutz oder Entwicklungshilfe. Unumgänglich sei es deshalb, dass die Lenker auf der ganzen Welt die Krise nun als einmalige Chance erkennen, um das Wirtschaftssystem zu rationalisieren.
Osteuropäische Wirtschaft in katastrophalem Zustand
Vor sechs Monaten habe alles noch so gut ausgesehen: Die osteuropäischen Länder schienen ihre Wirtschaftsreformen mit Bravour bewältigt und den Kollaps des Kommunismus mithilfe von Privatisierungen, Deregulation und Stabilisierung abgewendet zu haben. Doch nun, so die Einschätzung des britischen Economist , biete sich ein anderes Bild: “Ein giftiger Cocktail aus Schulden, privaten Darlehen in fremden Währungen, massiven Kontoüberziehungen, zu laxen Ausgabenkontrollen und wackeligen Regierungen hat dazu geführt, dass nun der letztmögliche Retter angerufen wird: der Internationale Währungsfond (IWF).” Besonders die ungarische und die ukrainische Wirtschaft seien in katastrophalem Zustand, doch ob die vorgeschlagenen Finanzspritzen des IWF helfen, sei fraglich. “In Ungarn sollen zu allererst die öffentlichen Finanzen saniert werden, doch der Spielraum dafür ist eng. Das Wachstum dümpelt bei mageren zwei Prozent, die Steuern wurden bereits angehoben, die Ausgaben gedrosselt. Noch mehr solcher Maßnahmen würden das Risiko einer Rezession erhöhen.” Der Ukraine fehle es dagegen an einer handlungsfähigen Regierung: “Um hier harte Maßnahmen zur Rettung der Wirtschaft durchsetzen zu können, bräuchte es erst einmal Vertrauen in die politische Führung.”
Zweifel an Kubas gigantischen Ölvorkommen
Die Gulf Times aus Katar hinterfragt die Behauptung Kubas, auf riesige Ölverkommen gestoßen zu sein. 20 Milliarden Barrel Öl schlummerten in einem Ölgürtel nördlich der Insel, so die Aussage eines Produktionsmanagers des staatlichen Ölkonzerns Cubapetroleo. “Diese Aussage hat jedoch bei ausländischen Ölexperten Fragen aufgeworfen: Die genannte Menge sei schwer zu glauben, wenn auch nicht unmöglich.” Der Kritikpunkt: Kuba gehe bei seinen Schätzungen von Vergleichen mit anderen geologischen Formationen aus, nicht aber von der tatsächlich nachgewiesenen Existenz von Ölquellen. Zudem seien die kubanischen Ölexperten zwar renommiert, doch sei unsicher, wie sie zu ihren Ergebnissen gekommen seien: “Die Methodik liegt im Unklaren.” Derzeit fördere der Inselstaat 60.000 Barrel Öl pro Tag, mithilfe von ausländischen Kooperationspartnern. Ölvorkommen im genannten Ausmaß würden Kuba in die Spitzenliga der Öl produzierenden Länder katapultieren und zu neuem Wohlstand verhelfen.
Inder entdecken das einfache Leben
Es sei eigentlich nur Bill Gates, der ein Lächeln über die finanziellen Verluste des vergangenen Monats erübrigen könne, vermutet die Economic Times aus Indien. Trotz verlorener 1,5 Milliarden US-Dollar blieben ihm immerhin noch 55 Milliarden, während der Durchschnittsamerikaner durch das Schrumpfen seiner Aktieninvestitionen in eine missliche Lage geraten sei. Ähnliches sei auch aus Indien zu vermelden. Die internationale Finanzkrise habe daher nicht nur zu Veränderungen in der Wirtschaft, sondern auch zu Änderungen beim Verhalten geführt. So sei Festgeld im Moment in Indien der “Renner” bei denen, die einst in Aktien investierten – 10,5% Rendite bei solchen Anlagen erschienen plötzlich attraktiv. Und Investoren, die gerade noch unablässig damit beschäftigt waren, Geld zu machen, hätten jetzt genügend Zeit für ihre Familien. “Sie könnten sogar endlich einmal auf ihre Großmütter hören, die ihnen immer erzählt haben, dass der beste Platz für Geld unter der Matratze ist.” Und wahrscheinlich werde es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Bollywood den neuen Trend erkenne und Leinwandhelden schaffe, die an ein einfaches Leben und moralische Integrität glauben.
Fundstück: Sklavenaufstand in Schottland
Jahrzehntlang haben sie für “ihre” Männer am Samstagabend das Essen gekocht, nun reicht es den Damen im Broughty Castle Bowling Club. Betty Baxter, Präsidentin der Damensektion des 1867 gegründeten Clubs in der Nähe des schottischen Dundee, hat eine Revolte angezettelt: “Die Männer denken, der Platz einer Frau ist in der Küche – so sagen sie es uns. Wir sind Sklaven für sie”, zitiert sie der Scotsman. Es sei ungerecht, dass die Ladies nur zu bestimmten Zeiten der Körperbetätigung nachgehen dürften, die Männer dagegen jederzeit. Zudem fühlten sie sich mit ihren 70 bis 80 Jahren zu alt, um die Clubherren weiter zu bedienen. Diese waren not amused – und drohten damit, den Jahresbeitrag der Frauen von 46 auf 87 Pfund anzuheben. Die Männer selbst zahlen 115 Pfund pro Jahr. Ob die Ladies sich beugen werden, sei unklar. Immerhin wolle die Regierung im Frühjahr ein neues Gleichberechtigungsgesetz zur Abstimmung vorlegen, das auch helfen könne, die Bowling Clubs zu modernisieren.



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