ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Als Lehre aus den VW-Kurskapriolen und mit Blick auf den Weltfinanzgipfel im November fordert die internationale Wirtschaftspresse den raschen Aufbau eines globalen Systems der Regulierung. Die Washington Post reitet eine Attacke gegen die Alpha-Manager. Die russische Prawda sieht die Dollar-Welt am Ende. Der Corriere träumt von einem Italien ohne Steuersünder. Fundstück: Big Mac mit Buffett.
Der britische Independent reitet eine Attacke gegen die Hedgefonds-Manager, die, nachdem sie in Deutschland den rasanten Höhenflug der VW-Aktie ausgelöst hätten, jetzt „Foul“ riefen und sich über die mangelnde Transparenz des deutschen Aktienmarktes beschwerten. „Diese Heuchelei ist immens. Kein Akteur auf den Finanzmärkten agiert weniger transparent als Hedgefonds, die niemals ihre Holdings offenbaren und beinahe mit religiösem Eifer gegen stärkere Regulierung Front machen.“ Das eigentliche Problem sei jedoch die „massive Kontraktion des Schatten-Bankensystems“ und seine Risiken für das weltweite Finanzsystem. Hedgefonds seien inzwischen so mächtig, dass sie im Alleingang ganze Märkte antreiben und die Währungen in Schwellenländern destabilisieren könnten. „Wir können nicht noch einmal zulassen, dass ein unbeaufsichtigtes und inhärent unstabiles Schatten-Bankensystem die Gesundheit der globalen Wirtschaft aufs Spiel setzt. Bessere Regulierung und genauere Prüfung sind unverzichtbar“, mahnt die Zeitung.
Der Indian Express moniert, dass es in den vergangenen Wochen zwar etliche Treffen von Staatenlenkern gegeben habe, die auch begriffen hätten, dass dies keine „Nullachtfünfzehn-Krise“ sei, sondern ein konzertiertes internationales Vorgehen erfordere. Gleichwohl sei der beispielsweise von Gordon Brown vorgeschlagene internationale regulatorische Rahmen noch nicht ansatzweise konzipiert worden. Vor diesem Hintergrund müsse sich der Weltfinanzgipfel am 15. November in Washington dringend von den bisherigen „Talk-Shows“ unterscheiden. Dass die Bush-Regierung, wie angekündigt, dort jedoch nur über „Prinzipien“ diskutieren wolle – vermutlich, weil Bush zum Abschluss seiner Amtszeit nicht die Eigenständigkeit des Landes beschränken wolle –, sei inakzeptabel. Es sei die Pflicht der teilnehmenden Länder sicherzustellen, dass die internationale Krisen-Agenda nicht als „Geisel der Innenpolitik“ genommen werde, sondern stattdessen am Ende ein Entwurf für die angestrebte Reform vorliege. „Indien sitzt jetzt mit am hohen Tisch. Es muss Details verlangen“, fordert das Blatt.
Anders als der Independent glaubt Les Echos aus Frankreich nicht, dass die aktuelle Phase der Krise primär auf ein Scheitern bei der Regulierung von Hedgefonds, Private Equity oder Derivate-Händlern zurückgeht. Gescheitert sei die Regulierung des von allen Wirtschaftssektoren ohnehin schon am stärksten kontrollierten Bereichs: der Banken – weshalb jetzt eine „Regulierung der Banken-Regulierer“ erforderlich sei. Diese hätten es mangels Kompetenz versäumt, die Risiken des Schatten-Bankings außerhalb der Banken-Bilanzen zu erkennen. Außerdem habe die „Balkanisierung“ der Regulierung – in den europäischen Ländern gebe es jeweils Regulierer für Banken, Finanzmärkte und Versicherungen – zur Schwächung der Kontrolle geführt. Fazit: Beim Weltfinanzgipfel müssten die Regierungschefs schnellstmöglich eine paneuropäische gemeinsame Regulierung für den Finanzmarkt und die Banken beschließen; diese müsse an die Europäische Zentralbank angedockt werden, damit diese Zugang zur Liquidität habe.
Attacke auf die Alphas
Die Washington Post kritisiert das elitäre Denken in der Finanzwelt. Das Erfolgsrezept der Hedgefonds-Industrie habe darin bestanden, dass diese „außergewöhnlichen Menschen“, die stets klügeren „Alpha-Manager“, so agiert hätten, als hätten sie eine Welt ohne Schwerkraft erfunden, ein „ewiges Gratis-Bankett“. Die Vorstellung von sehr hohen Erträgen bei sehr geringem Risiko sei auch bei Banken und anderen Finanzinstituten zur Obsession geworden. Im Zuge der Finanzkrise habe die Panik die Gier abgelöst, und was das finanzielle Desaster nun beschleunige, sei die Suche der Reichen und Mächtigen nach „Alpha-Sicherheit“: Die Superreichen seien verzweifelt um den Erhalt ihres Reichtums bemüht und misstrauten dabei jedem Institut, das sich auch nur im Geringsten angesteckt haben könnte. Sie kauften Safes, um ihr Geld zu Hause zu horten – viele Millionen, die so dem System entzogen würden, um auf den endgültigen Zusammenbruch vorbereitet zu sein. „Der Alpha-Geist ist im Horten zurückgekehrt, immer von der gleichen Annahme ausgehend: Ich bin etwas Besonderes. Der Rest der Welt kann vor die Hunde gehen.“
Dollar-Welt am Ende
Die russische Prawda geht davon aus, dass die Dollar-zentrierte Welt bald am Ende ist und ein neues, auf Gold basierendes Währungssystem an ihre Stelle tritt – erste Pläne seien gerüchteweise bereits ausgearbeitet worden. Zwar hätten sich in der Vergangenheit mechanistische Currency Board-Systeme wie in Hong Kong oder Estland als gut erwiesen. Informelle Ad-Hoc Wechselkursanbindungen wie in Thailand oder Malaysia seien mehrfach in die Luft geflogen. Daher müsse eine auf Gold basierte Währung wie ein „Currency Board mit Gold“ operieren, mit allen Verlässlichkeiten und automatischen Funktionalitäten heutiger Currency Boards – die einzig dem Prinzip von Angebot und Nachfrage folgten und ohne eine Zentralbanken-Verwaltung oder Geldmarktpolitik auskämen.
Amerikaner ohne Shopping-Lust
„Das Undenkbare ist eingetreten“, leitet der Economist einen Artikel über die Krise des US-Einzelhandels ein: Die Amerikaner hätten ihren „Einkaufs-Drang“ verloren und gäben weniger Geld aus – sei es, weil sie „zur Vernunft verängstigt“ worden seien oder keine Kredite mehr bekämen, von denen sie lange abhängig gewesen seien. Während viele Einzelhändler vor dem Bankrott stünden, profitierten die Großen der Großen: die Aktie von Wal-Mart sei so teuer wie noch nie in den vergangenen zwei Jahren; demgegenüber liege der Börsenwert von Sears nur bei einem Viertel des Wertes vom April 2007. „Die Gefahr besteht jetzt darin, dass die Einzelhändler bei den Arbeitskosten sparen und der Kundenservice leidet. Das wäre fatal in einer Zeit, in der die Händler um jeden Kunden kämpfen müssen“, kommentiert der Economist. Auch überzogene Preissenkungen seien falsch, da die Verbraucher dann darauf spekulierten, dass die Waren noch günstiger werden.
Italien: Europameister in der Steuerhinterziehung
Der italienische Corriere betrachtet den blinden Fleck des Steuersystems: Nach Schätzungen des Wirtschaftsministeriums gingen dem Fiskus durch Steuerhinterziehung jährlich 100 Milliarden Euro durch die Lappen; die gesamte Schattenwirtschaft entspreche 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (280 Milliarden Euro). Der Schaden durch Steuerhinterziehung sei in Italien doppelt so hoch wie der europäische Durchschnitt. Wenn es Italien gelingen würde, auch nur die Hälfte der an Steuern hinterzogenen 100 Milliarden Euro einzusammeln, argumentiert das Blatt, könnten die Ausgaben für Forschung (die niedriger seien als in jedem anderen industrialisierten Land) verdoppelt oder die Bezüge von Rentnern um 45 Prozent erhöht werden. Doch dies seien nur fromme Wünsche, denn einerseits sei das Steuersystem mangel- und lückenhaft – Beispiel: Matratzen würden im Kombipack mit einer Zeitschrift für insgesamt 2000 Euro verkauft, um nur den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 statt 20 Prozent zu zahlen. Andererseits fehle es den Bürgern an Unrechtsbewusstsein – Steuern zu hinterziehen, sei nicht mit einem sozialen Stigma verbunden.
Fundstück: Big Mac mit Buffett
Die Bild-Zeitung widmet sich dem „bizarren Leben“ des reichsten Mannes der Welt: Warren Buffett. Im Stakkato-Stil listet das Boulevard-Blatt die „Geheimnisse“ des 62 Milliarden Dollar schweren US-Investors auf: Er habe kein Handy, keinen Computer im Büro, keinen Chauffeur – sogar Konzernchefs hole er selbst vom Flughafen ab und lade sie danach oft zu McDonald’s ein; seine Frau habe ihn 1977 verlassen, nicht jedoch, ohne ihm eine mögliche Nachfolgerin vorzustellen; vor Hauptversammlungen mache er Diät (1000 Kalorien pro Tag); er könne nicht über Krankheiten sprechen, nicht mal über eine Erkältung; 85 Prozent seines Vermögens habe er bereits an Stiftungen verschenkt; und seinen Nachfolger habe er schon ausgesucht und den Namen in einem Umschlag hinterlegt.



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