Der Ball der scheinheiligen Banker

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse führt eine kontroverse Debatte über die Quartalszahlen und die neuen Bilanzierungsregeln der Deutschen Bank. Der Nouvel Observateur berichtet von einer möglichen neuen Affäre à la Jérôme Kerviel. Fundstück: Dancing with the Bush.

„Warum sind wir auf diese Idee nicht gekommen“, kommentiert Portfolio den Schachzug der Deutschen Bank, neue Bilanzierungsregeln zugrunde zu legen. In den USA haben sich nach Angaben des Wirtschaftsmagazins ebenfalls viele dafür ausgesprochen, die Bilanzierungsregeln zu ändern: Sowohl Blackstone-Chef Steve Schwarzman als auch Mitglieder des US-Kongresses hätten das Mark to market-Modell, das Finanzinstitute zwingt, zur Verbesserung der Transparenz bei der Bewertung von Aktiva Marktpreise einzusetzen, für die Turbulenzen auf den Kreditmärkten verantwortlich gemacht.

„Die Eröffnung des Balls der scheinheiligen Banker passt besser aufs Frankfurter Börsenparkett als auf die Straßen von Neapel“, spottet Les Echos aus Frankreich. Mit ein paar Kniffen habe das Institut einen Riesenverlust in einen Gewinn verwandelt und dafür gesorgt, dass die Börse applaudiere. Der Ball passe zu Frankfurt, weil dort zuletzt der Autobauer Porsche, mit einer größeren Selbstsicherheit als die von der politischen Klasse gescholtenen Heuschrecken, mehrere Milliarden Euro straffrei auf dem Rücken der Arbitrageure „abgemäht“ habe.

Marketwatch.com nimmt die Deutsche Bank zunächst in Schutz: Indem sie neue Bilanzierungsstandards zugrunde gelegt habe, nutze sie kein Schlupfloch – die Regeln seien absichtlich dahingehend verändert worden, dass Banken ihre Assets verschieben können. Das Institut habe sogar bei der Präsentation der Quartalszahlen das Volumen der Assets offengelegt, das umgeschichtet worden seien. Gleichwohl werde die neue Methode der Deutschen Bank, die bald von anderen Instituten wohl kopiert werde, dazu führen, dass das letzte Vertrauen hinsichtlich der Bilanzierungsregeln auf dem Finanzmarkt erodiere. Fazit: „Die kurzsichtige Welt der Bankenbuchhaltung wird noch trüber.“

Neue Kerviel-Affäre?

Der Nouvel Observateur berichtet von einer möglichen neuen Affäre à la Jérôme Kerviel. Ein 33-jähriger Händler der französischen Caisse d’épargne stehe unter Verdacht, dem Institut binnen eines Monats Verluste in Höhe von 751 Millionen Euro beschert zu haben. Nach einem 36-stündigen Verhör bleibe der Händler zwei auf freiem Fuß, ihm sei jedoch untersagt worden, das Land zu verlassen; außerdem sei ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Nach Angaben der Sparkasse seien riskante Geschäfte bereits im April intern untersagt worden, gleichwohl sei der Händler noch von Mitte September bis Mitte Oktober auf dem Derivate-Markt aktiv geworden. Der Verluste habe zum Rücktritt des Vorstandschefs Charles Milhaud sowie seines Generaldirektors Nicolas Mérindol und der für Finanzen zuständigen Julien Carmona geführt.

Spanien: Mapfre trotzt Finanzkrise

Trotz des Rückgangs im Lebensversicherungsgeschäft habe der spanische Versicherungskonzern Mapfre im dritten Quartal 2008 einen Gewinnanstieg von über 40 Prozent zu verbuchen, berichtet Cinco Días. Das Unternehmen habe seine Einkaufstour im Ausland abgeschlossen und ernte jetzt die verdienten Früchte. Es sei kaum verwunderlich, dass der größte Gewinnanteil aus dem Ausland komme: In Spanien drückten konjunkturelle Veränderungen auf das Geschäft mit Lebensversicherungen, das im Vergleich zum Vorjahr um fast sechs Prozent gesunken sei. Trotz der insgesamt guten Ergebnisse sei aber auch Mapfre von der Finanzkrise nicht verschont geblieben, habe das Unternehmen doch bei seinen Investitionen in Lehman Brothers und Fannie Mae sowie Freddie Mac Verluste hinnehmen müssen. Die größten Einbußen (28,3 Millionen Euro) stammten aber vom nordamerikanischen Kreditinstitut Commerce, das Mapfe erst dieses Jahr gekauft habe.

Gazprom: erfolgreichstes Jahr der Firmengeschichte

Das laufende Jahr könnte für den russischen Energieriesen Gazprom trotz Finanzkrise das erfolgreichste seiner Geschichte werden, schreibt die Tageszeitung RBKdaily. „Der Gewinn wächst auf 35 Milliarden Dollar gegenüber 27 Milliarden im Vorjahr“, zitiert das Blatt einen hochrangigen Manager. Allerdings müsse auch Gazprom sein Investitionsprogramm zurückfahren. „Im September kündigte der Konzern eine Erhöhung der Investitionen um fast 50 Prozent bis 2010 an, mittlerweile soll lediglich das heutige Investitionsniveau gehalten werden“, schreibt die Zeitung. Zu schaffen mache Gazprom der voraussichtlich um rund 16 Prozent im nächsten Jahr sinkende Gaspreis in Europa. Der Rückgang solle durch höhere Preise in Russland und ehemaligen Ostblockstaaten kompensiert werden.

Fundstück: Dancing with the Bush

Das US-Wirtschaftsmagazin Portfolio macht sich zusammen mit einer Handvoll US-Promis Gedanken über eine neue Beschäftigung für den in Kürze abtretenden US-Präsidenten George W. Bush, die sein Image verbessern könne. Werberlegende Jerry Della Femina rät Bush, eine Autobiografie zu schreiben, allerdings solle er dies zusammen mit jemandem wie Bob Woodward tun, der die Glaubwürdigkeit besitze, die Bush fehle. Linda Dozoretz, Krisenmanagerin und frühere Beraterin von Ex-Tennis-Star Martina Navratilova, meint, Bush müsse sich wieder als Typ profilieren, mit dem jeder am liebsten ein Bier trinken möchte; nachdem sich Jon Stewart über Bushs tänzerische Leistungen lustig gemacht habe, wäre ein Auftritt bei „Dancing With the Stars“ ein guter Anfang. Das Magazin selbst empfiehlt Bush, als Manager der US-Baseball-Liga anzutreten. Als Chef der wichtigsten Freizeitbeschäftigung in den USA in Erinnerung zu bleiben, sei besser als das Bild von dem Mann, der seinerzeit vor einem „Mission erfüllt“-Schild stand.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Florian Käfer, Maxim Kireev.

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