John schreibt wieder. Als ich gestern aus dem Urlaub wiederkam, fand ich in meinem Postfach ungefähr 783,5 Mails von den US-Republikanern, viele von ihnen erkennbar wochenalt. Scheinbar hatte John mitten in der heißen Wahlkampfphase Serverprobleme. Auch nicht schlecht. Echt schlecht ist dagegen seine letzte Kampagnenidee, die er um “Joe the Plumber” gestrickt hat. Sie macht deutlich, dass die alles entscheidende Frage am kommenden Dienstag nur lautet: Wie doof sind die Amis eigentlich?
Auf diese Idee muss man erst einmal kommen: Für die eigene Wahlkampagne einen Kleingewerbetreibenden als Kronzeugen auszusuchen, von dem man nicht mehr weiß, als dass er Karohemden trägt und Barack Obama nicht mag. Mittlerweile geht die Nachricht herum, dass besagter Joe keine Klempner-Lizenz, dafür einen Haufen Steuerschulden hat. Ouch.
McCain und seine Strategen ficht das natürlich nicht an. “Joe der Klempner” sei der lebende Beweis für die Notwendigkeit von John McCains Wirtschaftsplan “Jobs for America”, schreibt mir Campaign Manager Rick Davis. In den Wahlveranstaltungen der Republikaner soll der Schlachtruf “I am Joe” auch im wahrsten Sinne des Wortes der Brüller sein.
Den Wählern, die gelegentlich von Zeitungen oder Fernsehen Gebrauch machen, müsste aber längst aufgefallen sein, dass die Steuerpläne der Demokraten gerade eine deutliche Entlastung der “Joes” vorsehen – sofern sie mit ihrem Kleingewerbe nicht mehr als 250.000 Dollar im Jahr verdienen.
Die Umfragen deuten gegenwärtig darauf hin, dass die plumpe Joe-Nummer McCain nicht den politischen Hals retten wird. Aber die Demoskopen halten auch einen Sieg von McCain durchaus für denkbar. Hoffen wir, dass viele Wähler sich mit Blick auf die finale McCain-Masche sagen: “Ich bin vielleicht Joe – aber trotzdem nicht doof.”



In der Tat, “it’s not over till the fat lady sings”, heißt es im Bezug auf eine Wagner-Oper in den USA… jedenfalls hat McCain durch seinen humorvollen Auftritt bei Saturday Night Life einige Sympathien zurückgewonnen (hier McCain am Samstag bei Saturday Night Life – McCain und seine Frau sind echt, Palin wird von Tina Fey gespielt.) Überhaupt haben Auftritte in Comedyshows in den USA eine nicht zu unterschätzende Bedeutung, weswegen sich die Kandidaten für wenig zu schade sind.(Hier Obamaletzte Woche beim genialen Jon Stewart).