ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die Krise in Mittel- und Osteuropa – und warnt vor möglichen Konflikten. Die Globe and Mail gibt der US-Politik die Schuld am hohen Ölpreis. Der Corriere della Sera berichtet über empfindliche Strafen für Mobilfunkanbieter. Fundstück: Das 10 Billionen-Dollar-Erbe.
Der New Statesman aus Großbritannien blickt auf den europäischen Scherbenhaufen – und sieht die Es-begann-alles-mit-Amerika-These endgültig widerlegt: “Das war Europas dunkles Geheimnis: Während amerikanische Banken unverantwortlich Kredite an Hausbesitzer abgaben, gewährten europäische Banken Schwellenländern Darlehen, die sie nicht zurückzahlen konnten.” Europas “Sub-Prime”-Krise erwische den Kontinent nun dank der schwer verschuldeten Nationen des ehemaligen Ostblocks: Ungarn, Ukraine, Weißrussland, Bulgarien, die Baltischen Länder – eine nach der anderen würde nun kollabieren. “Das Schlimme daran ist, dass diese Krise, wie auch in den USA, vorhersehbar war.” So seien in diesen Ländern Shopping Malls, edle Bars und Luxuswohnungen entstanden – doch Kunden dafür habe es kaum gegeben. Ob der Internationale Währungsfonds helfen könne, sei fraglich, denn er müsse nun nicht nur ein paar Länder retten, sondern eine ganze Region. “Was wir brauchen sind neue, interventionistische Institutionen, die in der Lage sind, finanzielle Rettungsaktionen auf internationaler Ebene zu managen, eine Weltzentralbank, wie sie einst John Maynard Keynes in Bretton Woods 1944 angedacht hat. Die Alternative wären internationale Spannungen, vielleicht sogar Krieg”, so der düstere Ausblick des Magazins.
“Dieselbe alte Medizin für eines neues Europa”, kritisiert der Observer das Verharren des Internationalen Währungsfonds in den Dogmen des Freien Marktes. Die Staaten Afrikas zurück lassend und den dort gemachten Fortschritt aufs Spiel setzend, eile der IWF nun Osteuropa zur Hilfe. Ungarn müsse drastische Budgetkürzungen schlucken, in Weißrussland stehe die Regierung unter Druck, den Bankensektor zu privatisieren, und Rumänien habe sich gar geweigert, die Hilfe des IWF anzunehmen, weil das Land die vom IWF verlangten Kürzungen der Staatsausgaben nicht verantworten könne. “Während die USA und Großbritannien ihre Zinssätze senken und die staatlichen Ausgaben anheben dürfen, um ihre Bevölkerung vor der Rezession zu schützen, werden die Schwellenländer gezwungen, ihre Kosten für Darlehen heraufzuschrauben und die staatlichen Budgets zu senken, um den Finanzmärkten zu demonstrieren, dass sie aus ihren Fehlern gelernt haben”, schimpft das britische Sonntagsblatt.
US-Politik ist am hohen Ölpreis schuld
Mit den bislang üblichen Erklärungsversuchen für den hohen Ölpreis rechnet die Globe and Mail aus Kanada ab. Wie ein “Zwillings-Mantra” würden Investoren immer wieder zwei Faktoren herbeten: Die zunehmende Erdölproduktion und die steigende Nachfrage aus China. “Für Investoren wie Analysten lag somit auf der Hand, dass der Preis für Rohöl immer weiter klettern werde, auf bis 200 US-Dollar pro Barrel.” Nun sei der Ölpreis zu ihrer Überraschung gefallen. Denn in Wahrheit sei der steigende Ölpreis auf die Politik der USA zurückzuführen, in Kombination mit wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa und Währungsverschiebungen: “Ursache war die engstirnige Entscheidung der US-Regierung, im August 2007 mehr Petroleum in ihre Strategische Petroleum-Reserve aufzunehmen.” Sie sei zu einer Zeit gefallen, als gerade in Europa die Nachfrage stieg, aufgrund des wachsenden Speditionsverkehrs in die neuen, osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten. Der US-Ökonom Philip Verleger, ein alter Energieveteran, argumentiere seit langem, dass der Preis nicht ungebremst steigen, sondern wieder fallen werde. 1979, nach dem zweiten Ölschock, hätten Marktstrategen schon einmal geglaubt, dass der Preis ins Unermessliche steigen werde. 1981 habe der Preis pro Barrel Rohöl bei 35 US-Dollar gestanden, fünf Jahre später dann nur noch bei zehn Dollar.
Konzentration am Luftfahrthimmel
Das französische Magazin L’Express rekapituliert die Fusionsbewegung in der Luftfahrt. Jean-Cyril Spinetta, Chef von Air France-KLM, habe es vorausgesagt: “Die Konzentration wird zum großen Geschäft – und macht den Himmel zu einem gigantischen Jagdgebiet für die Hauptakteure der Branche.” Durch die globale Krise angetrieben, hätten Delta und Northwest fusioniert – und seien so weltweit die Nummer eins geworden mit einem Umsatz von 35 Milliarden Dollar und 800 Flugzeugen. Zwei Milliarden Dollar Gewinn allein aus der Nutzung von Synergieeffekten habe sich der neue Gigant versprochen. Mit United Airlines und Continental sei ein weiterer Koloss des Himmels entstanden, und auch europäische Unternehmen würden nun dem Hang zu Gigantismus erliegen. “In einem flauen Klima, wo kleine Fluggesellschaften wie Mücken vom Himmel fallen, nehmen die Hochzeiten – ob erzwungen oder einvernehmlich – zu.” Selbst die Lufthansa, lange Zeit resistent, habe nun Brussels Airlines übernommen und werde die britische BMI schlucken, vielleicht auch Austrian Airlines. British Airways gehe mit der spanischen Ibéria zusammen, um sich den südamerikanischen Raum zu sichern. Und Air France-KLM sei ein heißer Kandidat im Übernahmepoker um Alitalia. “Spinetta könnte mit seiner Vermutung, dass es 2015 bis 2020 nur noch vier, fünf große Fluggesellschaften gibt, Recht behalten.”
Rettungsplan der spanischen Regierung überfällig
Vor vier Wochen habe der spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero verkündet, die Regierung wolle sich mit einem Rettungsplan dafür einsetzen, den inländischen Finanzmarkt zu stabilisieren und die Liquidität im Finanzsystem zu erhalten. Dieser sei nun, so das Urteil der spanischen Tageszeitung La Vanguardia, überfällig. Durch die schwierige Lage bei der Kreditvergabe der Banken und Sparkassen würden immer mehr Firmen in finanzielle Bedrängnis geraten. In internen Bankkreisen sei bereits die Rede von einer Lähmung der spanischen Wirtschaftsmärkte, so das Blatt. Im Fokus der Diskussion stünden dabei unter anderem der Kauf von Vermögenswerten in Höhe von 50.000 Millionen Euro und die Schaffung von Bürgschaften bis zu 100.000 Millionen Euro durch den Staat.
Strafe für unethisches Verhalten der Mobilfunkanbieter
Italien greift hart bei den Mobilfunkanbietern durch: Wie der Corriere della Sera berichtet, habe das Kartellamt fünf Anbieter zu einer Gesamtstrafe von 1,16 Millionen Euro verdonnert, weil ihre wöchentlichen Abonnements für Multimediaservice “unethischen, kommerziellen Praktiken” gleichkämen. Allein die Telecom müsse 315.000 Euro zahlen, Vodafone Omnitel immerhin noch 285.000 Euro. “Die Kosten und Konditionen sind unklar formuliert: Die Anbieter hatten bei ihren Werbetexten auf freien SMS-Versand und kostenlosen Download von Klingeltönen fokussiert, ohne zu erwähnen, das man damit ein Multimediapaket abonniert”, rekapituliert die Zeitung die Vorwürfe des Kartellamtes. Diverse Klagen von Verbraucherorganisationen seien vorausgegangen. Dahinter stehe ein großes Geschäft: “In Italien werden mit Klingeltönen 800 Millionen Euro umgesetzt”, zitiert das Blatt eine der Verbraucherorganisationen, “da gibt es viele schwarze Schafe. Acht von zehn Anbietern im Internet erfüllen nicht die europäischen Vorschriften.”
Japan gewährt jeder Familie eine Finanzspritze
Die japanische Regierung will sich in den kommenden drei Jahren intensiv auf die Belebung der Wirtschaft konzentrieren, erklärt die Japan Times. Dafür seien Steuerkürzungen sowie ganz gezielte Maßnahmen geplant, die sich stimulierend auswirken sollen. Ein Maßnahmepaket im Wert von 26,9 Billionen Yen sei bereits verabschiedet worden, des Weiteren habe die Bank of Japan den Leitzins von 0,5 auf 0,3 Prozent gesenkt. Premier Taro Aso habe sogar die Bevölkerung gebeten, nach den drei Jahren eine Erhöhung der Verbrauchersteuer zu akzeptieren, um so Finanzmittel und Sozialversicherungssystem zu stabilisieren. Als Besonderheit des 26,9-Billionen-Yen-Pakets nennt das Blatt Geldleistungen für jeden Haushalt im Land; so solle eine vierköpfige Familie etwa 60.000 Yen erhalten. Ziel sei es, damit den Konsum zu fördern. Das sei jedoch in keiner Weise gewährleistet, legten die Japaner vielleicht doch diese Summe für schlechte Zeiten zur Seite. Auf jeden Fall aber müssten Regierung und Opposition “ihr Äußerstes tun, um die Binnennachfrage zu steigern.”
Fundstück: Das 10 Billionen-Dollar-Erbe
Das US-Magazin Portfolio geht kurz vor George W. Bushs Rückzug aus dem Weißen Haus der Frage nach, ob dieser sein Wahlversprechen bezüglich der Reduzierung der nationalen Schuldenlast erfüllt hat. Am 22. Januar 2001, als er sein Amt antrat, habe er 5.728.195.796.181,57 Dollar Schulden “übernommen”, mit dem Versprechen, diese bis 2016 abzubauen. “Am 29. Oktober 2008, der Tag mit dem jüngsten, gemeldeten Wert, standen die Schulden bei 10.525.823.144.117,64 Dollar. Statt die Schulden abzubauen, hat Bush sie also um 83,8 Prozent erhöht.” Das mache pro Woche 11,8 Milliarden Dollar, pro Tag 1,7 Milliarden Dollar, pro Stunde 70 Millionen Dollar, pro Minute 1,2 Millionen Dollar und pro Sekunde 19.566 Dollar. “Bei diesem Tempo würden die Schulden in 2016 gute 14,9 Billionen Dollar betragen – statt 0 Dollar. Doch das ist nicht Bushs Problem. Er verlässt das Weiße Haus am 20. Januar 2009.”
Mitarbeit: Kerstin Herrn, Anke Thomsen-Askanazy.



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