Sogar Joe der Klempner zahlt mehr Steuern

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse wundert sich über die gestrige Anhörung führender Hedge-Fonds-Manager vor dem US-Kongress. Fundstück: die Rache der Gewerkschaftsbosse.

Der Business Spectator aus Australien kommentiert die gestrige Anhörung führender Hedge-Fonds-Manager vor dem US-Kongress, darunter der Investor und Milliardär George Soros. Dass sich die Manager, die 2007 jeweils durchschnittlich 2,5 Milliarden Dollar verdient hätten, in der Frage, ob ihre Finanzvehikel einer strengen Aufsicht unterworfen werden sollten, uneinig gewesen seien, ändere nichts an der Tatsache, dass es einen „globalen Schub“ geben werde, der das „Schattenbank-System“ aus dem Dunkeln drängen werde. „Jahrzehnte der Deregulierung“ würden fortan als Reaktion auf die billionenschweren Verluste und Rettungspakete „zurückgespult“, versichert das Wirtschaftsportal. Fazit: „Die Ära der fremdfinanzierten Investments ist, zumindest für eine längere Zeit, vorüber.“

Die Washington Post reagiert amüsiert bis verstört auf die Anhörung der Hedge-Fonds-Manager. Dass deren Einkommen oft nur mit 15 Prozent bersteuert würden, habe der demokratische Kongressabgeordnete Elijah Cummings mit einem Vergleich kommentiert: „Joe der Klempner wird höher besteuert als Joe der Investment-Banker…“ Bei ihrem Auftritt vor den Politikern hätten die „Meister des Universums” versucht, sich beliebt zu machen, ohne auch nur bei einem Punkt Abstriche zu machen, die sie mehr Geld kosten würden. Zwar hätten einige in Aussicht gestellt, ihre Investments bei staatlichen Regulatoren zu melden – „aber, Gott bewahre, nicht bei der Öffentlichkeit“. Dies wäre, zitiert das Blatt Kenneth Griffin (Citadel Investment Group), als würde man von Coca-Cola verlangen, das Geheimrezept zu offenbaren.

In Fortune analysiert ein anonym schreibender Hedge-Fonds-Manager die Auswirkungen der Finanzkrise auf die eigene Branche. Obwohl Hedge-Fonds in den vergangenen Monaten große Verluste eingefahren hätten und Investoren bis Mitte kommenden Jahres schätzungsweise 350 bis 420 Milliarden Dollar abziehen würden, sei die Situation nicht alarmierend: Die Panik sei bereits etwas abgeklungen, den Investoren fehle es an alternativen Anlage-Zielen. Außerdem hätten viele Hedge-Fonds bereits Konsequenzen gezogen und ihre Long-Portfolios sowie Verschuldung reduziert; seit Juli 2007 entstünden riesige Hedge-Fonds-Cash-Holdings. „In jedem Bärenmarkt sagen die Untergangspropheten voraus, dass die glorreiche Zeit der Aktien vorüber sei, weil eine Flut von Verkäufen durch brutale Investoren unumgänglich sei, während die Käufer kein Geld haben. Dieser Fall tritt immer dann ein, wenn das Ende des Abschwungs nah ist“, beschwichtigt der Autor – und auch diesmal sei die Talsohle fast erreicht.

Die neue Harmonie bei EADS

Ein Jahr nach dem Beginn der Restrukturierung von EADS zieht Les Echos eine positive Bilanz. Nach langen Grabenkämpfen zwischen den deutschen und französischen Lagern hätten Louis Gallois (EADS) und Thomas Enders (Airbus) eine „Ausgeglichenheit“ im Konzern hergestellt. Das Führungsduo funktioniere, und sollte die Harmonie weiter bestehen, werde Enders den Konzernchef 2012 beerben – schon heute spreche sich Gallois auch in EADS-Belangen regelmäßig mit dem Deutschen ab. Trotz des guten Verhältnisses blieben Konfliktherde, insbesondere in der Frage, wie sich die Gruppe künftig international aufstellt: multinational, wie von Enders favorisiert, indem sich das Unternehmen dort niederlässt, wo die Kunden sitzen oder die Arbeitskosten am niedrigsten sind? Oder werden schwerpunktmäßig die Interessen der Gründer-Länder Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien berücksichtigt? – die Position von Gallois.

Türkei holt Auslandsvermögen zurück ins Land

Ankara mache für Türken den Weg frei, Auslandsvermögen zurück ins Land zu holen, berichtet die Tageszeitung Radikal. Dies sei eine Maßnahme, um für die Auswirkungen der Finanzkrise besser gerüstet zu sein. Nicht nur Privatpersonen hätten im Ausland ihr Geld deponiert, auch Geschäftsleute verfügten überall im Ausland über Geschäftkonten. Wenn dieses Geld den Weg wieder zurück in die Türkei fände, argumentiert das Blatt, profitierte die türkische Wirtschaft und das Bankensystem. Der türkische Finanzminister Kemal Unaktan habe den interessierten Unternehmen steuerliche Anreize und eine schnelle Abwicklung zugesichert – das Geld sei im eigenen Land sicherer als in Amerika oder Europa.

Fundstück: die Rache der Gewerkschaftsbosse

Die taz persifliert den jüngsten Metall-Kompromiss mit einem Rückblick aus dem Jahr 2012. Nachdem die Gewerkschaften im Sommer 2008 acht Prozent mehr Geld gefordert hatten, hätten sie ihre Forderungen mit jeder neuen Krise um ein Prozent reduziert und am Ende null Prozent Lohnerhöhung bei einer Laufzeit von 20 Jahren herausgeholt. Dies wiederum hätten die Arbeitgeber Martin Kannegiesser und Dieter Hundt „wie seinerzeit Kaiser Barbarossa die Erfindung des Rasierzeugs“ gefeiert. Dann jedoch sei das Bruttosozialprodukt 2009 um 50 Prozent ins Bodenlose geschossen, parallel dazu der Reichtum der Verbraucher und das Ansehen der Gewerkschaftsbosse: „Mit jedem Tag der galoppierenden Geldaufwertung verwandelten sich die Null-Prozent-Tarifverträge in pures Gold.“ Hundt und Kannegiesser wiederum kratzten an den Türen der Gewerkschaftsbaracken, um von den Verträgen wieder loszukommen – vergeblich. 2012 schließlich sei Hundt froh über seinen Job als Zeugwart beim VfB Stuttgart, während Kannegiesser als ebensolcher in der Milchindustrie arbeite.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Feride Tavus.

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