Wir stehen kurz vor einer Revolution, meint der Journalist und Internet-Unternehmer Michael Maier (Foto), der in seinem Buch „Die ersten Tage der Zukunft“ den „gesellschaftlichen Quantensprung“ durch das Internet erforscht. Nach Einschätzung des früheren Chefs der Wiener Presse, Berliner Zeitung und des Stern und Gründers der Netzeitung, Deutschlands erster Online-Zeitung, erzeugt das Netz analog zum Signal-System der Wale und Delphine eine Art Echoraum – eine neue Art der Gleichzeitigkeit, die Zeit und Raum überwinde, ein „kollektives Superhirn“. Im Interview mit ecolot.de erläutert Maier seine Thesen.
The Atlantic und der Spiegel schrieben unlängst in ihren Titelgeschichten, dass das Internet dumm macht. Sie sagen, das Netz setze kreative Kräfte frei. Inwiefern?
Die Erfolge, die durch das Internet in Wissenschaft und Foschung in den vergangenen Jahren erzielt wurden, sprechen eine klare Sprache: Wenn Menschen gemeinsam denken, wenn elitäre Beschränkungen aufgebrochen werden, sind die kollektiven Denk-Ergebnisse besser. Das Internet wegen ein paar Pornobildchen zu verdammen ist ungefähr so unsinnig, als würde man Medien pauschal als gefährlich verdammen, bloß, weil auch die „Neue Revue“ am Kiosk liegt.
Die Wahl von Obama hat gezeigt, dass das Internet inzwischen sogar Präsidenten „machen“ kann. Hat Sie die Macht des Netzes im Wahlkampf überrascht?
Nein überhaupt nicht. Obama hat von allem Anfang an das Internet in einer beispiellos intelligenten und “artgerechten” Weise genutzt. Seine emails waren gut geschrieben und mehr als Propaganda. Diese Kampagne ist der beste Beweis, welche Macht dem Internet innewohnt – auch im positiven Sinn, weil alle Schmutzkampagnen, die es ja auch gegeben hat – durch die community im Netz konterkariert wurden.
Muss diese Macht in Zukunft kontrolliert werden? Können Sie sich eine Netz-Regierung vorstellen?
Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser: Sie können das Web nie komplett kontrollieren – außer durch selbstauferlegte Verhaltensregeln der community. Wie das geht hat Wikipedia bewiesen. Und die Regierungen, die das Netz beobachten, werden es lernen müssen, diese neue Kultur der Partizipation zu begreifen. Nur so werden sie nämlich auch in der Lage sein, Gefahren – etwa durch Cyber-Terrroristen – rechtzeitig zu erkennen. Diese mit Abstand größte Gefahr ist nur mit Hilfe der Internet-Gemeinde abzuwehren. Sie ist sehr real und wirklich eine Bedrohung.
Wie wird das Internet die Kommunikation in der Zukunft verändern?
Es hat sich ja schon alles verändert: Wir kommunizieren in viel intensiverer Weise als je zuvor. Dadurch ändert sich unser Denken und am Ende auch unsere gemeinsame Moral. Nie zuvor hat ein neues Informations- und Kommunikationssystem die Spezies Mensch derart nachhaltig verändert.
Michael Maier
Die ersten Tage der Zukunft.
Wie wir mit dem Internet unser
Denken verändern und die Welt retten können
Pendo 2008
ISBN-13: 978-3866121713
Hier das Blog zum Buch



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