Wirtschaftswache: “Ich sehe noch keine Rezession”

Banker haben zur Zeit keinen besonders guten Ruf. Zu den Pogromen, die der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff befürchtet (hier der Link zur Nachricht auf Spiegel Online) ist es zwar bisher nicht gekommen. Aber die Zunft der Zasterzähler sollte dringend etwas für ihr Image tun. Zum Beispiel keine Interviews mehr geben. Denn fast immer, wenn dieser Tage ein Spitzenbanker ein Mikrofon hingehalten bekommt, sagt er etwas Dummes hinein – wie jetzt wieder Ex-Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller.

Vor ein paar Wochen schritt bereits Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann in einem BamS-Interview seinen Kollegen entschlossen auf dem Holzweg voran. Müller hat sich jetzt wenigstens insofern geschickter angestellt, als er sein Interview der Zeit gegeben hat. Anders als die BamS posaunte die Hamburger Wochenzeitung seine gesammelten Blüten des Blödsinns nicht direkt auf der Titelseite heraus. Und da hat er Glück gehabt, der Klaus-Peter Müller.

“Wer hat versagt?”, tönte er etwa mit Blick auf die Finanzkrise. “Die Banken haben Fehler gemacht, sicher. Aber die Ursache für die Verschärfungen der Krise liegt in Entscheidungen der amerikanischen Politik. Es war eine politische Fehlentscheidung in Washington, die Investmentbank Lehman Brothers pleitegehen zu lassen. Erst diese Entscheidung hat die Märkte einbrechen lassen.”

“Fehler gemacht, aber…” also. Nur mal so als Gegenfrage, Herr Müller: Was würden Sie sagen, wenn jemand in seinem Wohnzimmer auf dem Parkett ein Feuerchen macht und nach Abbrennen des Hauses auf die unfähige Feuerwehr schimpft?

Auch schön ist Müllers Aussage: “Das ist keine deutsche Bankenkrise, sie ist aus den USA zu uns herübergeschwappt.” Wie haben wir uns das denn vorzustellen? Jedes kleine Handwerkerle redet heutzutage von globaler Wirtschafts- und Finanzordnung, nur der Herr Müller von der Commerzbank las allenfalls gelegentlich in der Zeitung vom großen, fernen Land Amerika, bis urplötzlich eine Finanzkrise von dort herüberschwappte? Sorry, aber diese Krise schwappte nicht herüber, sie wurde von den deutschen Banken mit ihrem munteren Amerika-Geschäften in großen Eimern herbeigeschleppt.

Eine hübsche kleine Pointe des Interviews sind schließlich die Sätze: “In den Chor der Panikmacher stimme ich nicht ein. Außerdem sehe ich noch keine Rezession.” Schon ärgerlich, wenn so ein Interview erscheint und am nächsten Tag überall solche Meldungen stehen wie diese hier von welt.de.

Beziehungsweise: Schon ärgerlich, wenn so ein Interview überhaupt erscheint. Zum Abschluss des Gesprächs wird Müller übrigens gefragt: “Sie haben im letzten hessischen Landtagswahlkampf Roland Koch unterstützt. Werden Sie das jetzt wieder tun?” Müllers Antwort: “Ja.”

Das ist doch endlich mal eine gute Nachricht für die gebeutelte hessische SPD.

1 Kommentar zu “Wirtschaftswache: “Ich sehe noch keine Rezession””


  1. 1 Daniel

    Am Freitag gab es aus den USA überraschend positive Konjunkturmeldungen. So hat sich das Verbrauchervertrauen überraschend aufgehellt. Der Index, der von der Uni Michigan ermittelt wird, gilt als Stimmungsbarometer für das Kaufverhalten der US-Verbraucher. Der private Konsum ist die wichtigste Konjunkturstütze der größten Volkswirtschaft der Welt. Es verwundert also nicht, dass so manche Analysten nach dieser Nachricht zufrieden waren. Im Handelsverlauf gab es dann aber eine deutliche Eintrübung der Stimmung. Dow Jones und Nasdaq verbuchten deutliche Verluste.
    Ohnehin liegen die Standpunkte weit auseinander: Während einige Staaten die Meinung vertreten, dass sich die Politik aus dem Finanzgeschehen raushalten soll, wird anderenorts ein stärkerer Einfluss gefordert.
    Die Rezession ist noch nicht da, aber sie klopft an die Tür…
    http://www.sharewise.com/news_articles/2068-G20-Pharma-Zement
    Gruß

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