ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Nachdem die Auto-Giganten aus Detroit gestern mit ihrer Bitte um staatliche Hilfe im US-Kongress gescheitert sind, ist die internationale Wirtschaftspresse gespalten. Al-Hayat begrüßt die Milliarden-Hilfe der saudischen Regierung für die Baubranche. The Atlantic erklärt, warum Russland nicht im Obama-Fieber ist. Fundstück: Vom Spammer zum Millionär.
Der American Chronicle bedauert die ablehnende Haltung der Republikaner gegenüber den um Hilfe ersuchenden Autobauern aus Detroit. „Es war ein nationaler Notfall, als die Wall Street mit 750 Miliarden Dollar gerettet wurde. Der normale Bürger hat danach jedoch noch keine Erleichterung gespürt. Jetzt, wenn sich die Gelegenheit bietet, die Arbeitsplätze unserer Mitbürger zu sichern, hat uns unser Land erneut im Stich gelassen.“ Sollte General Motors jetzt die „Toilette runtergespült“ werden, hätten die Volksvertreter offenbar kein schlechtes Gewissen. „Das ist toll für sie, aber was ist mit den Arbeitern und ihren Familien – nur Kollateralschäden?“
Huffington Post befürwortet, dass die Kongressabgeordneten den Auto-Bossen am „Tag der Abrechnung“ die kalte Schulter gezeigt haben. Alle Amerikaner könnten die Entschuldigungen und Erklärungen aus Detroit nicht mehr hören. Die Auto-Bosse besäßen weiterhin große Egos, die mit einer großen Portion Arroganz garniert seien; Robert Nardelli (Chrysler) und Alan Mulally (Ford) seien den Fragen gestern ausgewichen, indem sie auf ihre erste kurze, einjährige Amtszeit verwiesen hätten – und sich nicht zu den Entscheidungen ihrer Vorgänger äußern könnten. „Das klingt wie die Erwachsenen-Version von ,Ein Hund hat meine Hausaufgaben gefressen’“, schimpft die Onlinezeitung.
Das Time-Magazine glaubt, dass Ford auch ohne staatliche Hilfe überleben könne. Während beispielsweise Chrysler Monat für Monat eine Milliarde Dollar verbrenne und bald seine 6,1-Milliarden-Dollar-Liquiditätsreserve verbraucht haben werde, sei Ford reich. Die Firma habe Ende des dritten Quartals noch über ein Barvermögen von 18,9 Milliarden Dollar verfügt; der Finanzen-Zweig von Ford, Ford Credit, arbeite profitabel, da er nicht im Subprime-Geschäft involviert sei; schließlich sei dem Unternehmen eine Kreditlinie von 10,1 Milliarden Dollar sicher. In Europa habe Ford zwar in diesem Jahr ebenfalls weniger Autos verkauft, aber den Marktanteil gesteigert; die hier entwickelten energieeffizienten Modelle könnten zudem die US-amerikanische Produktlinie ergänzen. Fazit: Mittelfristig würde Ford zwar von einem Konkurs der beiden anderen Wettbewerber aus Detroit nicht profitieren, da die Firma mit denselben Zulieferern zusammenarbeite, die bedroht seien. Langfristig jedoch würde Ford zum Nutznießer, da die Kunden zu einer US-Firma strömen könnten, die nicht pleite sei, zu 100 Prozent hinter den eigenen Produkten stehe und ohne gerichtliche Kontrolle operieren könne.
Saudi-Arabien pumpt 400 Milliarden Dollar in die Baubranche
Die arabische Zeitung Al-Hayat lauscht dem Echo zur Ankündigung der saudischen Regierung zur Bereitstellung von mehr als 400 Milliarden US-Dollar zur Belebung der Baubranche. Experten im Bereich der Landerschließung und Projektabwicklung hätten den Plan begrüßt, als Reaktion auf die internationale Finanzkrise durch staatliche Hilfen Bauvorhaben zu sichern und so das Investitionsniveau zu heben. Laut dem Vorsitzenden der Industrie-und Handelskammer der Ostprovinz, Abdalrahman al-Raschid, sei auch Saudi-Arabien von den Auswirkungen der internationalen Währungskrise betroffen: Beinträchtigt seien insbesondere Zahlungsforderungen aus dem Verkauf von Öl, Gas und petrochemischen Produkten; der Bereich der Projekterschließung leide wie andere auch unter den gegenwärtigen Liquiditätsengpässen der Region, die nicht von internationalen Einflüssen abgekoppelt werden könne – das Volumen der Vertragsabschlüsse sei auf etwa 50 Prozent des Umfanges vor der Krise zurückgegangen.
Warum Russland nicht im Obama-Fieber ist
The Atlantic hinterfragt die Haltung der russischen Führung zu Barack Obama. Die am Folgetag der US-Wahl ausgestrahlte grimmige Rede von Präsident Dmitri Medwedew sowie das Schweigen seines Vorgängers Wladimir Putin zur Wahl von Obama sollten signalisieren, dass ein herzliches Verhältnis der USA zu Russland keineswegs selbstverständlich sei. Besonders demokratische Regierungen in den USA drohten aus Sicht der russischen Macht-Zirkel die Menschenrechtsverletzungen anzuprangern; die Kernpunkte des angespannten Verhältnisses – besonders die Ausdehnung der NATO auf früheres Sowjet-Terrain sowie Washingtons Desinteresse für russische Interessen und Sicherheitsbedenken – stammten noch aus der Zeit der Clinton-Regierung. „Die USA können die entscheidenden globalen Probleme nicht ohne Russlands Beteiligung lösen“, mahnt die Zeitschrift zur Zusammenarbeit. „Russland verfügt über die größte Landmasse auf der Welt, über große Reserven an Öl, Erdgas und anderen Rohstoffen und kontrolliert ein großes Waffen- und Plutoniumarsenal“.
Indien: Infrastruktur stärken, statt Firmen retten
Outlook India geht der Frage nach, ob sich die indische Regierung darauf beschränken sollte, das Finanzsystem intakt zu halten, oder mit Hilfspaketen auch die angeschlagene Wirtschaft unterstützen solle. Hintergrund: Nicht nur die kleinen und mittleren, arbeitsintensiven Firmen aus dem Textil- und Handwerkssektor, die unter den schrumpfenden Exporten und hohen Kreditkosten litten, sondern auch eine Vielzahl anderer Branchen wie Luftfahrt, Banken und Immobilien forderten staatliche Hilfen. „Die Regierung täte gut daran, sich eine Scheibe vom chinesischen Plan zum Ausbau von Infrastruktur-Projekten abzuschneiden“, schlägt das Magazin vor und zitiert einen staatlichen Experten für öffentliche Ausgaben: „Indien benötigt keine Bailouts. Was wir brauchen, ist ein fiskalischer Stimulus, ohne unmittelbar neues Geld ins System zu pumpen. Die Wirtschaft sollte durch eine Hinwendung zu infrastrukturellen Projekten über Wasser gehalten werden.“
Fundstück: Vom Spammer zum Millionär
Die Berliner taz stellt eine US-Studie vor, die zeigt, wie Müll-Mailer ihr Geld verdienen. Nach der Analyse von Computerwissenschaftern der Universität von Kalifornien, die einen Monat lang selbst als Spammer aktiv gewesen seien, reiche es im Durchschnitt aus, wenn nur eine von 12,5 Millionen verschickter Mails eine Antwort produziert, um einen Profit zu erzielen. In den falschen Werbemails seien die Nutzer dazu aufgerufen worden, die Seite einer Online-Apotheke aufzusuchen. Ergebnis: Aus 350 Millionen in 26 Tagen verschickten Müllmails hätten sich zwar nur 28 Verkäufe ergeben, der Gesamtumsatz jedoch habe bei fast 3000 Dollar gelegen – hochgerechnet bedeute dies, dass die Online-Müllmailer einen potenziellen Umsatz von 7000 Dollar am Tag und über zwei Millionen Dollar pro Jahr erzielen könnten



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