ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert über das mögliche EU-Konjunkturpaket über 130 Milliarden Euro und die Rolle Angela Merkels (Foto) beim Krisenmanagement. Der Guardian sieht das Management von Woolworths in der Bredouille. Asia Times Online zweifelt am 596 Milliarden Dollar schweren Stimulus-Paket der chinesischen Regierung. Fundstück: Trecker mit Donnerhall.
Aus Sicht des Wall Street Journal hat Deutschland derzeit kein Interesse, als treibende Kraft ein 130 Milliarden Euro schweres Stimulus-Paket zu schnüren. „Berlin fürchtet, für das besonnene ökonomische Management bestraft zu werden“, erklärt das US-Blatt. Schon heute klaffe eine große Lücke in Europa: Während Deutschland 2008 mit einem ausgeglichenen Haushalt sowie einem kleinen Defizit in 20009 rechne, verfehlten Frankreich, Italien, Portugal, Griechenland und Irland das Maastrichter 3-Prozent-Defizitkriterium. „Die Alternative zu einer von Deutschland angeführten Schocktherapie für die europäische Wirtschaft wäre eine verlängerte Rezession. Das könnte auf eine Belastungsprobe für die Zuneigung der deutschen Öffentlichkeit für den Euro hinauslaufen – handelt die Regierung, wenn sie gebraucht wird, auf im Sinne des europäischen Projekts?“
„Wo ist Angela“, fragt der Economist in der aktuellen Ausgabe. Obwohl Deutschlands Wirtschaft am stärksten in Europa und das Land der größte Exporteur weltweit sei, sei in den vergangenen krisengipfelgetriebenen Wochen wenig von der Kanzlerin zu hören gewesen – ganz im Gegensatz zu Frankreichs „dämonisch hyperaktivem Nicolas Sarkozy“ und Großbritanniens „neu unter Strom gesetzten und sonderbar frohen“ Gordon Brown. Doch Merkels „Unsichtbarkeit“ sei verständlich: Sarkozy habe als EU-Präsident eine „Entschuldigung“, um nach vorne zu stoßen; Brown sei lange Zeit britischer Schatzkanzler gewesen und habe daher Ahnung vom internationalen Finanzwesen; und Merkel ziehe von Natur aus lieber im Hintergrund die Strippen, statt grelle Schlagzeilen zu produzieren. Gleichwohl sei eine lautere Stimme aus Deutschland wünschenswert, nicht nur, weil Deutschland ein großer Zahler in der EU sei, sondern auch, um das Vertrauen Europas in Wettbewerb und freie Märkte zu stärken – gerade ihre Vergangenheit im kommunistischen Ostdeutschland müsse Merkel angesichts der überall geforderten größeren Rolle des Staates misstrauisch stimmen. Ein überzeugendes Engagement von Merkel, lautet das Fazit der britischen Wochenzeitschrift, könnte am Ende dazu führen, dass sie bei den nächsten Wahlen ihren mühseligen Koalitionspartner loswird.
Woolies in Gefahr
Der britische Guardian kommentiert den Plan von Großbritanniens Handelskette Woolworths, die Warenhäuser für ein Pfund Sterling zu verkaufen. Dies klinge zwar wie ein mieses Geschäft, noch übler wäre es jedoch, selbst für diesen Preis keinen Käufer zu finden. Die Situation der Handelskette sei diffizil: Die Sorgen auf der Hauptstraße drohten die gesunderen Teile des Geschäfts, besonders den Großhändler für Bücher, CDs und Computerspiele EUK, zu infizieren – die Kunden könnten im Vorweihnachtsgeschäft einen Bogen um EUK machen, aus Sorge, die Muttergesellschaft könnte kollabieren. Das Management, das noch vor wenigen Monaten mit den EUK-Erlösen die Wollworths-Warenhäuser modernisieren wollte, habe jetzt eine Kehrtwende vollzogen, die gefährlich sei: Sollte der Verkauf nicht rasch abgeschlossen werden können, drohe großes Unheil – was wiederum die Verhandlungsposition der „Woolies“ schwäche.
Saudischer Prinz stärkt Citi-Chef
Nachdem der saudische Prinz Alwaleed seinen Anteil an der Citigroup auf fünf Prozent aufgestockt hat, erkennt das US-Wirschaftsmagazin Portfolio darin eine „große Show der Loyalität“. Seit Jahresanfang habe die Aktie 78 Prozent an Wert verloren, jetzt sei damit zu rechnen, dass das Geld des Prinzen dem ramponierten Papier zur Erholung verhelfen könne. Darüberhinaus könnte ein Blick in die Geschichte dafür sorgen, dass andere Investoren der Bank wieder vertrauten. Der Prinz sei der einflussreichste Aktionär, habe 1998 die Fusion mit Sandy Weills Travelers Corp. unterstützt und im vergangenen Jahr seine Rückendeckung für Charles Prince als Chef des Instituts zurückgenommen. Der neue Citi-Chef Vikram Pandit habe zwar schwierige Monate hinter sich – wegen des „verpfuschten“ Übernahme von Wachovia und des wenig euphorischen Echos der Wall Street nach der Ankündigung, über 50.000 Stellen abzubauen. Immerhin aber habe er einen der längsten und wichtigsten Aktionäre auf seine Seite gezogen.
Ägypten plant Nahost-Finanzgipfel
Nachdem die Kurse an den Börsen von Dubai und Abu Dhabi in den vergangenen Tagen um bis zu 50 Prozent eingebrochen sind, hat das ägyptische Außenministerium reagiert und die Staaten des Nahen Ostens, Asiens sowie die Türkei und den Iran aufgefordert, nach Wegen zur Milderung der Auswirkungen der internationalen Finanzkrise zu suchen. Wie Al-Hayat berichtet, will Ägypten diese Länder im Januar 2009 zu einer Konferenz einladen, unter dem Vorsitz des früheren Generalsekretärs des Internationalen Währungsfonds und ägyptischen Finanzministers Yusuf Boutros Ghali. Unterdessen habe Dubai eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel, die Auswirkungen der Krise auf das Emirat am Golf einzudämmen, eingesetzt. Ein prominentes Mitglied der Gruppe habe an die Verantwortung der Presse appelliert: Einer weiteren Verunsicherung der Investoren fehle jegliche Grundlage, da nur ein geringer Teil der Unternehmen des Landes einer staatlichen Unterstützung bedürfe.
Chinas Stimulus-Paket ist riskant
Asia Times Online hinterfragt das 596 Milliarden Dollar schwere Stimulus-Paket, das die chinesische Regierung im Kampf gegen die Finanzkrise geschnürt hat. Nach Einschätzung von Ökonomen könnte der „New Deal“ dazu führen, dass der „alte Wachstumsmodus“ aus höheren staatlichen Investitionen einfach nur verstärkt werde – dieser habe zwar im Anschluss an die Asienkrise für Wachstum gesorgt, im Gegenzug jedoch auch zur Überhitzung staatlich geförderter Industriezweige geführt, außerdem die Umweltverschmutzung verschlimmert und die Rohstoffpreise erhöht. In dieser Situation sei eine Zäsur vonnöten: Ein langfristiges Wachstum müsse durch die Ausweitung des Binnenkonsums forciert werden, außerdem müsse die Abhängigkeit von den Exporten reduziert werden. Sollte dies nicht gelingen, so das Fazit der in Hong Kong erscheinenden Internetzeitung, könnten die zukünftigen Probleme von China noch größer ausfallen als die heutigen.
Fundstück: Trecker mit Donnerhall
BrandEins porträtiert in der aktuellen Ausgabe den US-Traktorenbauer John Deere, der einen „Ruf wie Donnerhall“, aber äußerst kritische Kunden habe: Bauern. Da Deere den Ruf des Mercedes unter den Treckern habe, seien die Kunden, die über 100.000 Euro zahlten, besonders anspruchsvoll: Mit Satellitensteuerung könnten die High-Tech-Gefährte mit bis zu 2,5 Zentimetern Genauigkeit säen, es gebe Luxusversionen mit Superfederung, die den Bauer so sanft über den Acker gleiten ließen, als wäre der frisch asphaltiert. Für Kunden aus Skandinavien unverzichtbar sei eine Luke im Kabinendach, weil sie winters gern über zugefrorene Seen tuckerten – und im Notfall einen Ausstieg brauchten. Kult sei die Bauern-Marke, seitdem David Lynch in seinem Roadmovie „The Straight Story“ einen Rentner auf einem fahrbaren Rasenmäher von John Deere auf die Reise geschickt hat. In der US-Zentrale sei man anfangs wegen des scharfen US-Produkthaftungsrechts und möglicher Nachahmer besorgt gewesen. Am Ende sei der Film jedoch eine grandiose Gratis-Werbung gewesen. Deshalb führten Vertragshändler den Film inzwischen jedoch der staunenden Kundschaft vor.
Mitarbeit: Kai Borrmann.
Foto: REGIERUNGonline/Kugler



0 Kommentare zu “Wo ist Angela?”