Wirtschaftswissenschaftler kennen die X-Y-Achsen-Diagramme seit dem Studium aus dem Effeff. Dass sich nicht nur simple Angebots- und Nachfrage-Relationen, sondern quasi die ganze Welt in solche Modelle fassen lässt, das beweisen die Autoren Mikael Krogerus (re.) und Roman Tschäppeler mit ihrem hübschen Buch „50 Erfolgsmodelle – kleines Handbuch für strategische Entscheidungen“. Im Interview mit ecolot.de erklärt Krogerus, wie wichtig Modelle in der Wirtschaft und Liebe sind. Außerdem stellt ecolot.de in den kommenden Wochen in einer kleinen Serie ein paar Modelle der Schweizer vor.
Was ist der Black Swan? Was der Long Tail? Warum vergessen wir immer alles? Wie sollte ich mich in Konfliktsituationen verhalten? Warum haben alle einen iPod? Was sagt Ihr Musikgeschmack über Sie aus? Fragen über Fragen, die Krogerus (Foto: rechts) und Tschäppeler in dem Buch per Diagramm, Kurve, Tabelle und Zeichnung plus kurzen Texten beantworten. Zu den Autoren: Krogerus ist Redakteur bei NZZ Folio, dem Magazin der Neuen Zürcher Zeitung, Tschäppeler ist Gründer des Kommunikationsbüros guzo, mit dem er u.a. Kochbücher und Werbekampagnen entwickelt.
(Zwischenbemerkung, bevor der Schweizer Modelleur zu Wort kommt: Das kleine Schwarze aus dem Kein & Aber-Verlag ist übrigens ein ideales Weihnachtsgeschenk; nein, ecolot.de erhält keine Vermittlungsprovision)
Die Finanzkrise hat zuletzt gezeigt, dass Prognosen schwierig sind. Ist die Welt nicht inzwischen zu komplex für Modelle?
Ja und Nein. Ja, weil wir in einer Hightechwelt mit Steinzeitmodellen operieren. Die meisten Prognosetools orientieren sich an Excel-Charts und nicht an der Wirklichkeit. Wir stehen im Management heute ungefähr dort, wo sich die Medizin vor Erfindung der Röntgentechnik befand. Wir widmen diesem Thema im Buch ein ganzes Kapitel „Das Ende der Modelle“. Nein, weil die meisten in diesem Buch vorgestellten Modelle gar nicht die Wirklichkeit abbilden wollen. Es sind keine statistischen Modelle. Sie geben keine Antworten, sie stellen Fragen.
Welche der vorgestellten Modelle ist Ihr persönlich liebstes?
Meine Lieblingstheorie ist das Black-Swan-Modell, das einen daran erinnert, wie wenig wir mit dem Unvorhergesehenen rechnen. Vor der Subprime-Krise hat kaum jemand von dieser Gefahr gesprochen. Heute kann man fast den Eindruck erhalten, dass alles darauf hingewiesen hat. Ein Lieblingsmodell ist das A.I.-Modell, dass auf einfache Weise das Verhalten der Teilnehmer in Diskussionen entlarvt.
Welches ist das einfachste Modell?
Das einfachste ist das Eisenhowermodell, das einem hilft, Eiliges von Wichtigem zu unterscheiden. Klingt banal. Versteht jeder. Kaum einer handelt danach.
Welches Modell war Ihr schönster Irrtum?
Wir haben – zum Glück – auf statistische Modelle, die zum Beispiel den Finanzmarkt prägen, verzichtet. Die Statik der einmal erhobenen Zahlen wird der Dynamik der Wirklichkeit nicht gerecht.
Welches Modell kann Leben retten?
Das Swiss-Cheese-Modell, beleuchtet Fehlerkulturen in großen Organisationen. Es kommt überall dort zur Anwendung, wo Fehler tödlich sind. Im Krankenhaus etwa oder im Cockpit. Ein klassisches Modell fürs Lebenretten, verpackt in eine Checkliste, ist GABI (Gibt er/sie Antwort? Atmet er/sie? Blutet er/sei? Ist er/sie bei Bewusstsein?)
Warum gibt es über Humor und Liebe so wenige Modelle?
Hier wäre eins:

Zudem haben wir auf unserem Blog kürzlich Gartner’s berühmten „Hype Cycle“ auf die Dauer die Liebe übertragen. Unser „Love Cycle“ ist mit einem Augenzwinkern zu lesen.
Was kommt nach den Modellen?
Es wird immer Modelle geben. Denn umso komplexer die Welt wird, desto mehr verlangen wir nach Reduktion und Vereinfachung, um überhaupt irgendetwas zu verstehen. Wichtig: Modelle sind nicht die Vorgabe, nach der gedacht werden soll, sie sind die Folge von aktivem Denken.
Mikael Krogerus, Roman Tschäppeler
50 Erfolgsmodelle –
kleines Handbuch für strategische Entscheidungen
Kein & Aber 2008, 16,90 Euro
ISBN: 978-3-0369-5529-2





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