ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse bezieht Stellung in der Diskussion über Steuersenkungen in den USA, Großbritannien und Deutschland. The Australian und Expert sind gegen Regulierung. Der Business Spectator nennt Vorteile der japanisch-indischen Zusammenarbeit. Fundstück: Misstöne an der Scala.
Sichtlich verwirrt ist die Huffington Post angesichts der Steuerversprechen des angehenden US-Präsidenten Barack Obama. “Noch vergangene Woche war Obama entschlossen, Steuersenkungen für die Mittelklasse durchzusetzen, sobald er das Amt übernommen habe. Auch die Pläne, die Steuern für Familien mit einem Jahreseinkommen von mehr als 250.000 US-Dollar zu erhöhen, sollten trotz der schlechten Wirtschaftslage nicht verschoben werden. Und nun? Nun will Obama die Steuersenkungen für Superreiche von seinem Vorgänger George W. Bush nicht anrühren und wie geplant bis 2010 laufen lassen.” Die Geschichte habe gezeigt, dass Steuererhöhungen der Wirtschaft nicht unbedingt Schaden zufügen. Ein gutes Beispiel sei Bill Clintons mutige Entscheidung, die Steuern zu erhöhen. “Die Mehreinnahmen brachten der Clinton-Regierung wichtige Einnahmen – Einnahmen, die auch Obama gebrauchen könnte, für seine Investitionen in erneuerbare Energien, Gesundheitsvorsorge und Infrastruktur.” Clinton habe bewiesen, dass die Behauptung, Steuererhöhungen für Reiche wären schlecht für die Wirtschaft, “ganz großer Mist” seien. “Und das liegt gerade mal 15 Jahre zurück. Bleibt zu hoffen, dass Obamas Regierung sich ein Beispiel an Clinton nimmt.”
Das Für und Wider der für heute erwarteten Mehrwertsteuersenkung in Großbritannien auf 15 Prozent wägt der Independent ab. “Sicher, wenn man Steuern kürzen will, dann ist es am besten, bei der Mehrwertsteuer anzusetzen. Denn das stützt den Konsum im Land und trägt auch bei zu mehr sozialer Gerechtigkeit”, meint das britische Blatt. Doch die Frage sei, ob eine Steuersenkung an sich ein gutes Rezept sei. “Würde sie nicht einfach nur die Rezession verlängern und eine Erholung hinauszögern?” Auch das Finanzministerium habe Bedenken geäußert, so solle das Land besser abwarten, wie sich die Senkung der Zinssätze um 1,5 Prozentpunkte und der schwache Pfund auf das Konsumverhalten der Briten auswirkten. Bei den Tories mehrten sich Stimmen, die das Durchleben einer Rezessionsphase für durchaus sinnvoll hielten, damit sich die Wirtschaft erneuern könne. Und schließlich sei nicht von der Hand zu weisen, dass Gordon Brown die Senkung aus wahltaktischem Kalkül befürworte.
Ibéria gewinnt an Selbstbewusstsein
In einer “delikaten Phase” sieht La Tribune die Gespräche zwischen British Airways (BA) und Ibéria. Im Gespräch mit dem kaufmännischen Direktor der spanischen Fluglinie, Manuel Lopez Colmenarejo, würden sich die Schulden über rund 2 Milliarde Euro, die der Pensionsfonds der BA angehäuft habe, als mögliches Hindernis erweisen. “Das ist wirklich ein Problem, denn diese Schulden stellen ein finanzielles Risiko dar”, zitiert die französische Zeitung Colmenarejo. Auch habe sich seit Beginn der Gespräche im Sommer die Lage verändert: Die Fusion, die über den Tausch von Aktien laufen soll, könne statt des früher angedachten Modells von zwei Dritteln BA und einem Drittel Ibéria nun auf eine 50-50-Aufteilung hinauslaufen. Denn der Aktienwert der BA sei um 50 Prozent gefallen. An der Börse sei die Fluglinie derzeit 1,77 Milliarden Euro wert, Ibéria nur deutlich weniger, 1,67 Milliarden Euro. Colmenarejo betone außerdem, dass die Fusion auch von der Zustimmung Washingtons zu einer Kooperation mit American Airlines abhänge. Die Amerikaner verlangten eine Beschneidung der Zeitfenster am Flughafen London-Heathrow, wenn BA und American Airlines kooperieren wollten, dies hätten beide bislang abgelehnt. Für Ibéria sei aber diese Kooperation für den Zusammengang mit BA wichtig.
Staatliche Regulierungen – ja oder nein?
Nach dem Gipfeltreffen der Länder der Asia Economic Co-operation-Pacific (APEC) in Lima warnt dagegen The Australian vor mehr staatlicher Regulierung. Chinas Präsident Hu Jintao, aber auch der australische Premierminister Kevin Rudd hätten sich dort erneut klar zu Regulierungen bekannt. Doch George W. Bush habe Recht, wenn er sage, dass zuviel Einmischung in die Wirtschaft den Wohlstand gefährde. “In der Deregulierungsphase ist die Zahl der Menschen, die in Armut leben, in Ostasien von 80 auf 18 Prozent gesunken – in nur einer Generation”, nennt das Blatt als Beispiel. “Ein gutes Vorbild ist der Verkehr: Auch hier wären zuviel Regeln schlecht; es braucht lediglich Regeln zur Herstellung der Sicherheit.” Je mehr Wege der Wirtschaft gerade jetzt offen stünden, desto milder und kürzer werde der Abschwung ausfallen. Würden dagegen der Kredit- und Aktienmarkt in die Zange genommen, wären ernsthafte Folgen für den internationalen Handel zu befürchten, und das wiederum könne in eine Deflation führen.
Auch das russische Wirtschaftsmagazin Expert sieht keinen Grund zur Freude über die weltweit aufkommende Staatsgläubigkeit. Die Regierungen der Welt berieten in Peru über eine neue Finanzarchitektur und die Banker wollten mehr Regulierung. “Eine Garantie, dass der Staat mehr von Finanzen versteht als die Banker gibt es allerdings nicht”, schreibt das Blatt. Immerhin sei die Krise vor den Augen der Zentralbanken entstanden und sie hätten sie nicht verhindert. “Wer glaubt, Staatsregulierung könnte Krisen im Kapitalismus verhindern, irrt gewaltig, denn je höher der Glaube an die Krisenfestigkeit der Wirtschaft ist, desto schmerzhafter fallen Krisen aus.” Sicherheitsgarantien verzerrten die Risikobeurteilung der Akteure. “Je häufiger Krisen passierten, desto glimpflicher verlaufen diese und desto besser können Risiken eingeschätzt werden,” meint das Magazin. Krisen seien also notwendig.
Japan entdeckt das Investitionsland Indien
Kaum überrascht zeigt sich der australische Business Spectator von der Entscheidung Japans, massiv in Indien zu investieren: “Japan investiert in ein Mega-Infrastrukturprojekt, in einen Frachtkorridor von rund 1500 km zwischen Delhi und Mumbai, der aus einer Hochleistungsbahnstrecke und neun, um die Strecke herum geplanten Industriezonen besteht. 4,7 Milliarden US-Dollar will der Inselstaat trotz derzeitiger Rezession aufbringen, Insider gehen davon aus, dass die Investitionen bis 2011 auf 5,5 Milliarden US-Dollar steigen könnten.” Den Grund für die Einigung beider Länder sieht das Blatt in der wachsenden Macht Pekings: “Der Einfluss Chinas auf Asien und die übrige Welt ist gewachsen. Tokio und Neu Delhi haben begriffen, wie wichtig starke wirtschaftliche sowie strategische Verbindungen für ihre Zukunft sein können.” Das Projekt nähre erneut Hoffnungen, das lange geplante Freihandelsabkommen zwischen Japan und Indien zum Abschluss bringen zu können: “Indien belegt Exporte mit Zöllen, das war den Japanern bislang ein Dorn im Auge.” Schon jetzt sei Japan Indiens sechstgrößter ausländischer Investor. Unter den neuen Vorzeichen sei unmissverständlich klar, dass Japan endgültig die Weichen nach Indien gestellt habe.
Japan leidet unter der Rezession
Probleme zuzugeben und nicht zu planen seien eindeutig Schwachstellen der japanischen Regierung, bemängelt die Japan Times. Jetzt sei es an der Zeit, über den eigenen Schatten zu springen, denn die gegenwärtige Rezession werde langfristige Folgen haben, nicht nur für große Unternehmen, Banken oder internationale Institutionen, sondern vor allem für die Menschen. Die Regierung müsse nun mit geeigneten Maßnahmen “die Last von den Schultern der arbeitenden Bevölkerung nehmen.” Die Auswirkungen der schrumpfenden Wirtschaft machten sich bereits bemerkbar – der Konsum sinke, was sowohl den Durchschnittsarbeiter als auch die Unternehmen träfe. Selbst in der Sparte der Luxusprodukte stocke der Absatz. Finanzielle Unabhängigkeit werde für viele junge Menschen bald nicht mehr als ein Traum sein. Studenten beispielsweise graduierten heutzutage mit größeren Schulden in schlecht bezahlte Jobs. Und die rekordverdächtige Anzahl der Senioren, die für Ladendiebstahl fest genommen werden, verrate, dass auch die ältere Generation verzweifelt sei. Alarmierende Fakten wie diese sollten die japanische Regierung motivieren, ernsthafte Schritte zu ergreifen.
Fundstück: Misstöne an der Scala
Nicht Musik steht derzeit an der Mailänder Scala im Vordergrund, sondern die Kämpfe zwischen Gewerkschaften, Musikern und dem Management, berichtet der Corriere della Sera. Diverse Gewerkschaften waren mit dem Opernhaus in Verhandlungen über die tariflichen Zusatzzahlungen getreten und hatten sich geeinigt – bis auf die Gewerkschaft FIALS. Deren 70 Mitglieder haben nun Briefe erhalten, in denen ihnen frei gestellt wird, den neuen Vertrag zu unterzeichnen – und damit den Kampf ihrer Gewerkschaft zu sabotieren. “Das erinnert doch stark an das Vorgehen der Alitalia, die derzeit Einzelgespräche mit Piloten führt”, kommentiert die Zeitung den Vorgang. Streiks, falsche Dollarnoten im Orchestergraben, an die Wand geschmierte Drohungen – die Scala funktioniere derzeit nur bedingt. Selbst auf Zugaben könne der geneigte Opernliebhaber derzeit nicht setzen: “Bei der Aufführung der Lustigen Witwe von Franz Lehár bekam das Publikum nach Ende des ersten Aktes zwei Zugaben, eine dritte aber wurde von Opernsänger Wolfgang Bankl, der Baron Zeta gab, verweigert. Er sagte: Das ist genug, ich befinde mich im Streik.”



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