Letzte Woche war Georg Schnurer an unserer Fachhochschule zu Gast. Der stellvertretende Chefredakteur der Computerzeitschrift c’t erläuterte, wie sich “Deutschlands dickstes Männermagazin” (taz) mit einem Zehn-Stufen-Plan bei Produkttests absichert, um sowohl journalistische als auch juristische Qualitätsstandards zu halten und sich gegen gelegentlichen Unmut von Anzeigenkunden zu verteidigen.
Die Studierenden durften Fragen stellen, und besonders hübsch fand ich folgende Frage einer Studentin: “Stehen in Ihrer Zeitschrift denn auch Artikel, die ich verstehen kann, ohne dass ich meinen Freund fragen muss?” Einmal finde ich es, hm: erfrischend mutig, statt selber mal einen Blick in die Zeitschrift zu werfen, den Redakteur zu fragen, was denn da so drinsteht. Zweitens erschüttert es mich etwas, dass auch junge Frauen in Technikfragen blind auf ihre männlichen Partner zu vertrauen scheinen (obwohl unsere Studentinnen selbst ein paar Module Informatik belegen müssen und in Computerfragen in der Regel nicht auf den Kopf gefallen sind).
Ich bin sicher, auch viele Männer haben keine Ahnung, warum ein Computer macht (oder nicht macht), was er macht (oder nicht macht), würden es aber nie zugeben. Von solchem Selbstbewusstsein könnten wir Frauen uns ruhig mal eine Scheibe abschneiden. Sooo viel gehört auch wieder nicht dazu, konzentriert die Stirn zu runzeln, an ein paar Kabeln zu ruckeln und dann den Computer runter- und wieder hochzufahren. Oder so.
Die c’t gibt es nun schon seit 25 Jahren, und immer noch sind laut Schnurer etwa 90% ihrer Leser (bzw. Wie-beiläufig-auf-dem-Schreibtisch-Liegenlasser) Männer. Kein Wunder, dass letztere den Nimbus der Fachkenntnis für sich gepachtet haben. Frauen, traut Euch endlich, c’t zu lesen! Nebenbei werdet Ihr feststellen, dass Vieles gar nicht so kompliziert ist, wie es aussehen soll.
Noch besser wären natürlich Technik-(und Wirtschafts- und Sport-) Zeitschriften von und für Frauen. Meine Freundin Julie träumte schon vor 15 Jahren von ihrer eigenen “Fishing Show” in Amerika. Bei diesen Fernsehsendungen sitzen normalerweise zwei Männer in einem Boot irgendwo im Westen der USA, halten stundenlang Angeln ins Wasser, trinken Bier aus Dosen und fachsimpeln übers Fischen. Diese Sendungen sind unglaublich erfolgreich, wahrscheinlich vermitteln sie das Gefühl, mitreden zu können, ohne dass man früh aufstehen oder sich nasse Füße holen muss. „Das können wir auch”, fand Julie, die mir übrigens das Eisfischen beigebracht hat.
Im Zeitschriftenbereich klafft da eine Lücke, und es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass der Bauer Verlag (Alles für die Frau, selbst ist der Mann) diese mit dem neuen, für nächstes Frühjahr geplanten Webportal für Frauen schließen wird, obwohl dies kess „Welt der Weiber” heißen soll. Nein, das müssen wir wohl selber machen. Wäre doch vielleicht was für die grüne Wiese?



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