Ruhige Hand riskant

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse kritisiert die Zurückhaltung Deutschlands im Kampf gegen die Finanzkrise. Die türkische Presse sucht nach krisenfesten Branchen. Carta warnt davor, die Energie-Versorgungssicherheit aus den Augen zu verlieren. Fundstück: Kampf gegen Achselschweiß und Finanzkrise.

Les Echos aus Frankreich stimmt einen Abgesang auf die EU-Kommission und insbesondere Deutschland an. Die einzige Antwort auf die Finanzkrise stamme aus den USA, demgegenüber sei der in dieser Woche von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso vorgestellte Rettungsplan eher ein Name als ein Plan: eine Aneinanderreihung nationaler Initiativen; nur 15 Prozent der 200 Milliarden Euro seien gemeinschaftlichen Ursprungs. So verwundere es nicht, dass die Antworten der einzelnen europäischen Länder auf die Krise nur einigermaßen simultan erfolgten: Nach den Präsentationen der Pläne von London (Montag) folgten Madrid (heute), Rom (morgen) und Paris (bald). Dass sich Berlin demgegenüber Zeit lassen wolle bis Januar, sei zwar verständlich – Milliarden auszuschütten sei kein Selbstzweck. Aber das ,Nein’ gegenüber einem neuen Bestreben zur wirtschaftlichen Belebung und das Veto gegenüber den französischen Plänen sorgten für eine „desaströse Spannung“ in der Beziehung des französisch-deutschen Paares. „Ein lasches Europa, ein hartes Deutschland: Das ist nicht die günstigste Situation, um das Jahr 2009 anzugehen“, meint das Blatt.

Die Middle East Times vermutet, dass Merkel ihre Munition für das kommende, vielleicht turbulentere Wahljahr sparen wolle und deshalb einen gemeinsamen EU-Stimulus boykottiere. „Kurz gesagt: Merkel schaut auf die globale Wirtschaftskrise aus einem rein deutschen und sehr kurzfristigen politischen Blick. Für ein Land, in dem die Exporte 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, das also hochgradig von einem gesunden Welthandel und Wirtschaftswachstum abhängt, ist das eine bornierte Herangehensweise.“

Krisenfeste Branchen in der Türkei

Die türkische Presse sucht nach krisenfesten Branchen. „Welche Krise“, fragt die Tageszeitung Zaman und verweist auf das Immobiliengeschäft, das im Ausland als Auslöser der weltweiten Krise kritisiert werde, in der Türkei aber zweistellige Zuwachsraten verzeichne. Zwar gehe die Branche davon aus, dass sich die Zahl der Neubauprojekte im kommenden Jahr halbieren werde, doch dies wiederum werde den Markt für schon gebaute Immobilien beleben. Weltweit sei dieser Sektor in Verruf geraten, deshalb sei es wichtig, besonnen und behutsam zu handeln, rät das Blatt.

Türkiye Gazetesi hinterfragt die gute Stimmung in der türkischen Touristikbranche, die in diesem Jahr bisher 24 Millionen Touristen registriert habe und von einem Plus von 40 Prozent in der Jahresbilanz ausgehe. Unbekümmert der weltweiten Finanzkrise wolle die Hotelbranche sogar 2009 ihre Preise erhöhen. Im kommenden Jahr rechneten die Hoteliers mit bis zu 40 Prozent mehr russischen Touristen, aus Polen erwarte man sogar 70 Prozent mehr Urlauber. Fazit: Die Krise sei ein Segen für die Türkei.

Gemeinsame Energiepolitik der EU hat Priorität

Das Politik-Blog Carta warnt davor, angesichts der Rezessionserwartungen und deutlich gesunkener Ölpreise das Thema Energieversorgungssicherheit aus den Augen zu verlieren. Der drohende Gas-Streit zwischen dem russischen Export-Monopolisten Gazprom und der Ukraine werde das Thema allerdings schon bald wieder auf die tagespolitische Agenda befördern. Das „Sprechen mit einer Stimme“ sei erst dann realistisch, wenn sich die energieaußenpolitischen Interessenlagen der Mitgliedstaaten angeglichen hätten. Dazu müsse ein funktionsfähiger europäischer Energiebinnenmarkt geschaffen und außerdem „solidarische Krisenreaktionsmechanismen“ aufgebaut werden. Fazit „Eine europäische Energieaußenpolitik muss durch geeignete Maßnahmen innerhalb der EU vorbereitet werden, anderenfalls wird sie weitgehend wirkungslos bleiben.“

Absage an ein asiatisches Jahrzehnt

Im Interview mit Outloook India widerspricht der britische Historiker und Autor Niall Ferguson der Annahme, dass im Anschluss an die Finanzkrise und wegen der Schwäche der USA ein „asiatisches Jahrzehnt“ anbrechen könnte. Zwar sei der asiatische Konsument derzeit der größte Hoffnungsträger der Welt, um eine Depression zu verhindern – insbesondere die hohe Sparquote sowie der vergleichsweise niedrige Verschuldungsgrad der Asiaten nährten diesen Optimismus. „Ich glaube aber nicht an ein asiatisches Jahrzehnt, solange es kein Äquivalent von Microsoft oder Google gibt, das in einer asiatischen Stadt sitzt.“ Für Schwellenländer komme es jetzt darauf an, geeignete Reformen des Finanzsektors einzufädeln. „Die klare Lektion für jedes Land, das ausländisches Geld ködern will, besteht darin, auf heißes Geld zu verzichten“, rät das Wochenmagazin.

Fundstück: Kampf gegen Achselschweiß und Finanzkrise

Die Technology Review zeigt, wie die Menschen in Japan – wo angeblich der Autohersteller Toyota „trockene Handtücher auswringen“ könne – mit Alltagskniffen und findigen Spar-Tricks der Wirtschaftskrise trotzen. Demnach versiegelten einige Japaner zum Beispiel die Fasern in der Achselpartie weißer T-Shirts, indem sie von innen Sprühkleber auf die extrem beschwitzte Stelle aufsprühten – um zu verhindern, dass sich der Achselschweiß in den Fasern festsetzt, und Strom beim Waschen für sparen

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Feride Tavus.

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