Bombays Blutzoll

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse fragt nach den Auswirkungen der Terroranschläge für den Wirtschaftsstandort Indien. Die Zeit zweifelt am Mythos von Familienunternehmen. Hürriyet beobachtet den Vormarsch von Media Markt in der Türkei. Die Far Eastern Economic Review analysiert die Auswüchse der südkoreanischen Internet-Gesellschaft. Fundstück: Freiraki für Obama & Co.

Die Times of India befürchtet einen Einbruch im Touristikgeschäft, nachdem die ganze Welt verfolgt habe, wie Indiens Finanzmetropole attackiert wurde. Die Tourismusindustrie habe ohnehin schon einen Einbruch von 20 Prozent durch die Folgen der Finanzkrise verzeichnet und jetzt jede Hoffnung auf eine Wiederbelebung aufgegeben. Da die Terroristen besonders Jagd auf Briten und US-Amerikaner gemacht hätten, werde der Rückgang umso dramatischer ausfallen – aus diesen beiden Ländern kämen die meisten Touristen nach Indien. In einem zweiten Artikel zeigt sich das Blatt zuversichtlich, dass die Börse am heutigen Freitag wieder eröffnet, obwohl ein Viertel der Makler und Anlagefonds in den Vierteln ihren Sitz hätten, in dem sich die Terroristen noch bis gestern Abend verschanzt hätten. Analysten gingen zwar von massiven Verkäufen zur Wiedereröffnung der Börse aus, danach werde sich der Markt aber wieder beruhigen und dem Positivtrend der globalen Märkte folgen, prognostiziert das Blatt. „Trotz der Rückgänge in einzelnen Sektoren ist die indische Wirtschaft auf einem guten Weg, in diesem Jahr um sieben Prozent zu wachsen, das könnte Weltspitze sein.“

Globe and Mail aus Kanada schreibt, dass die Terroristen zwar einen Tag lang ihre Ziele erreicht hätten: Die Börse sei geschlossen worden, und der Abgang ausländischen Kapitals sei beschleunigt worden. „Das Vertrauen in Indien wird aber rasch wieder zurückkehren“, versichert die Tageszeitung. „Indien hat eine dynamische Wirtschaft. Viel davon dreht sich um den Binnenkonsum und nicht um ausländische Märkte. (…) Indien wird sich von den Gewalttaten der Terroristen erholen, wie es sich von früheren Bomben-Attacken erholt hat. Bis dahin muss die Welt ihren Glauben an diese große Demokratie und ihre guten Zukunftsaussichten aufrechterhalten.“

Russlands Automarkt im Umbruch

Die Russen kauften weniger Autos, analysiert die russische Wirtschaftszeitung RBK Daily. Im kommenden Jahr drohe der Absatz um acht Prozent auf 2,6 Millionen Fahrzeuge zurückzugehen – frühere Prognosen hätten einen Anstieg auf vier Millionen Autos vorausgesagt; in diesem Jahr würden statt der erwarteten drei Millionen nur 2,85 Millionen Autos verkauft. Doch trotz des schrumpfenden Absatzes gebe es positive Signale. So könnten die russischen Hersteller ihren Marktanteil 2009 zum ersten Mal seit Jahren wieder ausbauen, glaubt die Zeitung. Lada habe gute Chancen, wieder Marktführer zu werden, nachdem der Autobauer aus Togliatti seine Position in diesem Jahr an Toyota abgegeben habe. In Russland koste ein Lada durchschnittlich nur 8000 Euro, ein Toyota dagegen 32.000 Euro. „Das Billigsegment wird auch in der Krise zulegen, vor allem auf Kosten der Mittelklasse“, meint das Blatt.

Media Markt wächst in der Türkei

Hürriyet beobachtet den Vormarsch von Media Markt in der Türkei. Die Elektronik-Kette eröffne in dieser Woche bereits die siebte Niederlassung in der Türkei. Trotz der Finanzkrise sei das Interesse der Türken an elektronischen Geräten ungesättigt. Die attraktiven Standorte der Filialen sowie die große Nachfrage einer jungen Kundschaft seien günstige Voraussetzungen für die Deutschen. Bis 2015 wolle Media Markt weitere Niederlassungen eröffnen. Auch das amerikanische Unternehmen Best Buy habe inzwischen den türkischen Markt entdeckt und plane, im kommenden Jahr mit eigenen Filialen einzusteigen.

Auswüchse der südkoreanischen Internet-Gesellschaft

Die Far Eastern Economic Review beschreibt den Einfluss des Internet in Korea. Bei einer Breitband-Anschlüsse-Penetration von über 97 Prozent könne allein das Netz über die Karrieren von Politikern und Entertainern entscheiden; Live-Übertragungen politischer Protestmärsche im Internet seien üblich, außerdem seien die „Netizens“ wachsam bei der Kontrolle von Politikern und der Presse. Kehrseite der Online-Medaille sei jedoch die zunehmende Belästigung durch andere Internetnutzer. Dies habe sogar zum Selbstmord der Schauspielerin Choe Jin Sil geführt. Jetzt plane die regierende Grand National Party eine stärkere Regulierung des Internet. Ein Vorschlag: Alle Online-Kommentatoren müssen sich künftig mit ihrem Klarnahmen identifizieren. Aus Sicht des Wirtschaftsmagazins aus Hongkong passten die Pläne, Online-Meinungsäußerungen zu kriminalisieren und zu bestrafen, jedoch nicht zu einer modernen Demokratie; außerdem sei es grundsätzlich fragwürdig, ob Regierungen den Cyberspace kontrollieren könnten. Statt die Kontrolle der Regierung im Netz auszubauen, sollten die Gesetze gegen Verleumdung und üble Nachrede verschärft werden; außerdem sei Medienpädagogik schon in der Grundschule ratsam.

Fundstück: Freiraki für Obama & Co.

Die globale Krise erfordert Solidarität, meint das türkische Unternehmen Mey Icki, das allen Staatsoberhäuptern dieser Welt eine Flasche Raki geschickt habe, berichtet Milliyet. Mit dem Hilfspaket „Made in Turkey“ wolle man den Staatshäuptern zeigen, wie sich Türken inmitten einer Krise verhielten – und natürlich für die türkische Marke werben. Hintergrund: Das Unternehmen bemühe sich, das Nationalgetränk auf dem Weltmarkt erfolgreich zu etablieren und exportiere den Hochprozentigen bereits nach Katar, Jemen, Dubai und China; selbst Georgien, Bosnien-Herzegowina, Weißrussland und Mazedonien seien auf den Geschmack gekommen. In Europa verkaufe das britische Kaufhaus Harrold’s den Kunden Raki. Übrigens soll Barack Obama erst nach seiner Amtseinführung eine Flasche Raki als Hilfspaket „a-la turca“ erhalten.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Maxim Kireev, Feride Tavus.

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