ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse beklagt die Abwesenheit führender Vertreter der reichen Industrienationen auf dem UN-Gipfel in Doha. All Things Digital hält die Meldung, Microsoft werde einen Teil von Yahoo übernehmen, für reine Fiktion. Der Observer lüftet ein deutsches Geheimnis aus dem Jahr 1978. Fundstück: Russland setzt auf die partysüchtige Jugend.
Beschämend findet The National aus den Vereinigten Arabischen Emiraten die Abwesenheit der meisten Repräsentanten der Industriestaaten, der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds auf dem UN-Gipfel in Doha. “Die Entwicklung der Weltwirtschaft ist offenbar vom Radarschirm der größten Wirtschaftsnationen herunter gefallen. Für die Entwicklungsländer ist das bitter, wurde doch die aktuelle Krise nicht durch sie, sondern durch die Gier und Rücksichtslosigkeit in den reichen Ländern ausgelöst”, moniert das Blatt. Die fatale Folge: Kapital, das einst in dritte und Schwellenländer investiert worden sei, werde nun zurückgehalten. “Das könnte Konsequenzen haben”, warnt The National. Denn schwelende ethnische und religiöse Spannung in diesen, von der Welt benachteiligten Ländern könnten zunehmen. Jüngste Beispiele seien Kongo und Nigeria. “Globalisierung bedeutet nicht nur niedrigere Hemmschwellen für Kapital, Ideen und Arbeit, sondern auch für Gewalt und Verzweiflung.”
Microhoo in weiter Ferne
Ins Reich der Fiktion verbannt All Things Digital, das Tech-Blog des Wall Street Journals, die Meldung der Londoner Times, Microsoft werde das Suchmaschinegeschäft von Yahoo für 20 Milliarden Dollar kaufen. Nicht nur würden die Verantwortlichen die Nachricht dementieren. Es sprächen auch andere Fakten dagegen: “Der aktuelle Marktwert des gesamten Unternehmens Yahoo beträgt derzeit 16 Milliarden US-Dollar. Außerdem deutet der Aktienkauf, den gerade Carl Icahn getätigt hat, darauf hin, dass ein Deal zwischen Microsoft und Yahoo weit entfernt ist. Cahn hat rund sieben Millionen Yahoo-Aktien erworben, zu einem historischen Tiefpreis. Hätte er das nur wenige Tage vor einem Deal mit Microsoft getan, hätte dieser Kauf den üblen Beigeschmack von Insidergeschäften.” Gleichwohl sei die Gerüchteküche zum möglichen Zusammengehen der beiden Konzerne neu befeuert worden. “An der Situation hat sich nichts geändert: Die Nummer Zwei und Drei jagen noch immer der Nummer Eins, Google, hinterher. Bislang erfolglos.” Und die Vermutung, Microsoft könne ein neues Angebot wagen, wenn erst mal der ungeliebte Yahoo-Chef Jerry Yang weg sei, sei nicht ganz von der Hand weisen.
Deutsche brüskierten einst die Briten
Der Observer hat das Protokoll eines historischen Treffens vor 30 Jahren zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und der Bundesbank studiert – und lüftet erstmals das Geheimnis einer damals getroffenen Abmachung: Schmidt habe der Bundesbank zugesagt, dass sie im Falle einer Europäischen Währungsunion ihre Politik der Inflationsbekämpfung nicht aufgeben und schwächere Währungen innerhalb der EU stützen müsse. “Genau dieses Verhalten der Bundesbank hat die britische Regierung während der Währungskrise in 1992 ziemlich aufgebracht – und die Entscheidung Großbritanniens, der Eurozone nicht beizutreten, vorweggenommen”, interpretiert das Sonntagsblatt den Inhalt des Protokolls. Schmidt habe gewusst, dass seine Zusage Aufruhr in der EU verursachen würde. Die Auswirkungen jenes Treffens seien noch jetzt zu spüren: “Die Europäische Zentralbank lässt es bis heute nicht zu, dass etwas über die Präferenzen einzelner EZB-Mitglieder hinsichtlich der Erhöhung oder Senkung der Leitzinsen an die Öffentlichkeit dringt – um diese nicht der Kritik in ihren jeweiligen Ländern auszusetzen.” In dieser Woche würde erneut eine Zinssenkung erwartet – “doch Details der Entscheidung sind nicht vor Oktober 2038 zu haben. Im Zeitalter der Globalisierung und sich rasch entwickelnder Märkte ist das eine verdammt lange Zeit.”
Vatikan im Fokus Brüssels
Die Münze des Vatikans hat den Unmut Brüssels erregt, berichtet das italienische Finanzblatt Milano Finanza. Die EU-Kommission reagiere offenbar irritiert auf die vom Vatikan geprägten Euromünzen mit hohem, numismatischen Wert. Der Heilige Stuhl solle die Sonderprägungen mit beträchtlichem Sammlerwert reduzieren und somit auch den daraus resultierenden Gewinn. Die Kommission bemängele, dass Münzen, die für den Umlauf gedacht seien, nicht zirkulierten. Doch der Vatikan, der nicht Mitgliedsstaat sei, lege diese Bestimmung in seiner Weise aus. “Wir sind uns der Aufmerksamkeit der Europäischen Kommission bewusst, aber wir denken, wir verhalten uns richtig”, zitiert das Blatt den Leiter der Philatelie und Numismatik des Stadtstaates, Pier Paolo Francini. Der Ministerrat werde im Januar 2009 darüber entscheiden.
Russland soll Energiesupermacht bleiben
Die Nesawissimaja Gazeta fürchtet eine zunehmende Abhängigkeit Russlands von Rohstoffexporten, als Folge der geplanten Erhöhung der Preise für Energie und der Eisenbahntarife durch staatlich kontrollierte Monopolisten. “Die Staatsfirmen versuchen so, den versiegenden Strom der Petrodollars aus dem Ausland zu kompensieren – auf Kosten anderer Firmen und der Bürger”, meint die Zeitung. Die Firmenchefs argumentierten mit dem steigenden Investitionsbedarf bei Transport und Energie, dabei machten sie satte Gewinne und verschwendeten gerne Geld für Fußballvereine oder teure Luxushotels. “Die alljährliche Preiserhöhung erlaubt es ihnen, die Kosten abzuwälzen”, schreibt das Blatt. Dies zeige, dass die Regierung Russland immer noch vor allem als Energiesupermacht sieht. “Man hätte in der Krise auch mal an die Interessen anderer Branchen denken können”, kritisiert die Zeitung.
Applaus für voreiligen Barack Obama
Normalerweise halte sich der designierte amerikanische Präsident im Hintergrund, so lange sein Vorgänger noch im Amt sei – erklärt die Japan Times. Doch die gegenwärtige Wirtschaftskrise und die Ratlosigkeit der Bush-Regierung hätten Barack Obama fast dazu gezwungen, sich “nach vorne zu lehnen und bereits jetzt verbindliche Aussagen zu machen.” Seit dem Subprime-Fiasco habe die US-Regierung versucht, die weltweite Verbreitung des Chaos zu verhindern, jedoch mit ihren Aktionen und Maßnahmen nur noch für mehr Verwirrung gesorgt, also in ihrem Job regelrecht versagt. Und George W. Bush sei lediglich durch seine Aussagen zugunsten des freien Marktes aufgefallen, und sein stures Beharren darauf, dass alles besser werde. Führung sei dringend erforderlich und Obama sei so clever, bereits jetzt zu agieren, beispielsweise mit der Vorstellung des Teams, dass ihn in Wirtschaftsfragen beraten soll, und mit der Ankündigung, dass dieser Beratungsausschuss seine Arbeit jetzt schon beginne, um bei seinem Amtsantritt bereits ein Maßnahmenpaket vorliegen zu haben. “Das ist die Art von Führung, wie sie die USA und die Welt jetzt braucht.”
Islamische Finanzwelt im Aufwind
Einen zunehmenden Aufstieg islamischer Finanzinstitute glaubt der Business Spectator aus Australien zu erkennen. “Seit 2007 hat das globale Finanzsystem eine Periode dramatischer Turbulenzen durchgemacht, doch die Auswirkungen auf die islamische Finanzindustrie scheinen nur gering zu sein”, stellt das Blatt fest. Im Gegenteil: die Nachfrage muslimischer Finanziers und Investoren nach Finanzprodukten, die im Einklang mit der Scharia stehen, hätte sogar zugenommen. Mehr als 800 Milliarden US-Dollar lägen derzeit in Islamischen Banken, Fonds und Versicherungspapieren. Diese würden dabei das übliche Spektrum bieten, vom Privatkundengeschäft über Versicherungen bis hin zu Kapitalmarktanlagen. Besonders der “sukuk”-Bereich – eine Art gesicherter Darlehensfinanzierung mit bilateralem Risiko für Kreditnehmer und Kreditgeber – habe profitiert. Globale Finanzzentren ließen sich das Potenzial dieser Märkte schon heute nicht entgehen: So habe sich London zu einem wichtigen Zentrum der islamischen Finanzwelt etabliert, Hongkong, New York und Singapur machten große Fortschritte und weitere Anwärter seien Bahrain, Dubai und Kuala Lumpur.
Fundstück: Die russische Jeunesse dorée muss es richten
Nun leiden auch Russlands Neureiche: Libération aus Frankreich hat am Wochenende die 4. Moskauer Messe für Millionäre besucht und nur wehleidige Superreiche angetroffen. “Ich bin total deprimiert, denn ich kann mir keinen zweiten Bentley leisten”, habe ein Unternehmer gejammert, der Appartements für eine Nobelresidenz in der russischen Hauptstadt verkaufen soll – und statt mit 77.000 Dollar pro Quadratmeter nur noch mit 53.000 Dollar pro Quadratmeter rechnen könne. Ein Hersteller von Helikoptern beklage einen Auftragsrückgang um 50 Prozent, und zwei junge Unternehmer, 24 und 25 Jahre alt, stöhnten über Bestellrückgänge von 40 Prozent. Dennoch wolle die Direktorin der Messe, Elena Koudozova, nichts von Krise hören: “Wir befinden uns lediglich in einer Phase der Instabilität. Der Luxussektor leidet kaum unter Konjunkturschwankungen.” Eine Schmuckdesignerin aus Frankreich bestätige dies: “Die extrem teuren Produkte werden auch weiterhin gut gehen, die Russen lieben es einfach, sich chic zu machen und mit Luxus und schönen Dingen zu umgeben.” Zwar breche die Wirtschaftselite allmählich weg, aber es gebe ja noch immer die partysüchtige, reiche Jugend.
Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Kerstin Herrn, Maxim Kireev.



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