Männer sind stark und arbeiten hart. Frauen sind geschwätzig und tragen grellbunte, billig aussehende Klamotten. So sieht die „Arbeiterklasse” im Fernsehen und in Filmen aus, hat die finnische Medienwissenschaftlerin Sanna Kivimäki beobachtet.
Eigentlich hat Kivimäki, die ihre Studie zur Darstellung von Frauen und Männern der Arbeiterklasse in Filmen auf der letzte Woche schon erwähnten Jahrestagung der europäischen Kommunikationswissenschaftler in Barcelona vorgestellt hat, speziell die Filme ihres Landmanns Aki Kaurismäki untersucht. Die erwähnten Stereotypen finden sich aber auch in anderen Filmen und Serien.
Das Bild der Arbeiterklasse, wer auch immer das sein mag, ist in den Medien generell eher diffus. Drehbücher werden ja auch selten von Arbeitern geschrieben. Deswegen tauchen Angehörige der werktätigen Bevölkerung, wenn überhaupt, dann meist durch die verklärt-romantische Brille der Mittelschicht gesehen auf.
Männer taugen da durchaus zu Helden, meint Kivimäki. Lastwagenfahrer, Bauarbeiter, richtige Männer eben, die Klartext reden, harte Arbeit verrichten und deswegen irgendwie bewundernswert erscheinen, auch wenn sie karikiert überzeichnet werden. Frauen tauchen in solchen Serien am Rande als nervige Chefinnen oder grelle, doofe Blondinen auf.
Putzfrauen, Friseurinnen und Kassiererinnen haftet einfach nicht die gleiche heldenmutige Ausstrahlung an. (Eine Ausnahme war vielleicht in den 1990er Jahren „Roseanne”.) Wenn Frauen aus unteren sozialen Schichten zu Heldinnen werden, dann weil sie in Aschenputtel- und My-Fair-Lady-Geschichten den sozialen Aufstieg schaffen – meist dadurch, dass sie andere Kleidung anziehen und sich so in etwas „Besseres” verwandeln. Die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Schicht macht sich auch heute noch, zumindest im Fernsehen, deutlich an der Kleidung fest.
Das Modell „gesellschaftlicher Aufstieg durch Glück und bessere Klamotten” wird Mädchen nach wie vor als Vorlage geliefert, besonders beliebt ist beispielsweise „Plötzlich Prinzessin”, worin es genau darum geht, Märchenprinz inklusive. Und dass Singen allein nicht reicht, um Popstar zu werden, ist auch kein Geheimnis – da muss frau schon ein bisschen Körpereinsatz zeigen.



Liebe Andrea,
ohne an der Diagnose grundsätzlich zu zweifeln: Die Filme von Aki Kaurismäki zu untersuchen, ist vielleicht keine so gute Idee. Möglicherweise sind die Frauen dort größtenteils geschwätzig und tragen grellbunte, billig aussehende Klamotten. Das fällt aber nur ins Auge, weil die Männer bei Kaurismäki grauingrau gekleidet, hochdepressiv, suizidal veranlagt („I Hired a Contract Killer“) und eifersüchtig sind („Juha“), maximal fünf Worte pro Stunde reden und ihren Kummer stets im Alkohol zu ertränken versuchen. Im Zweifel wäre ich da auch lieber eine bunte Laberbacke…