Wirtschaftswache: Being Abramowitsch

Nun ist sie also Herbstmeister der Fußball-Bundesliga geworden, die TSG Hoppen… äh, Hoffenheim. “Nanu”, mag der kundige ecolot-Leser sich fragen, “ist das denn ein Wirtschaftsthema?” Und dann antworte ich: Ja, kundiger ecolot-Leser, das ist ein Wirtschaftsthema. Es handelt nämlich davon, was man für Geld kaufen kann. Und was nicht.

Dass man für Geld einen Fußballklub kaufen kann, wusste man. Schließlich spielt unserer Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack bei Europas berühmtestem Kaufklub Chelsea, bei dem der russische Ölmagnat Roman Abramowitsch seine Millionen im wahrsten Sinne des Wortes verballert.

Hoffenheim, heißt es, sei aber nun ein ganz anderer Fall. Dort habe der SAP-Gründer Dietmar Hopp ein vorbildliches Modell etabliert – mit vorzeigbarer Jugendarbeit, professionell geführter Frauenfußball-Abteilung und ganz ohne Protzerei. Die TSG gibt sich als “Dorfklub”, als bescheidener badischer Provinzverein. Mit anderen Worten: Dietmar Hopp hat sich alle Mühe gegeben, sich Fußballdeutschland als ein sympathischer Anti-Abramowitsch zu präsentieren.

Dumm nur, dass er das nicht ist. Was der Software-Milliardär in Hoffenheim hochgezogen hat, ist – um es mit einem regionalen Kalauer zu sagen – nur badischer, aber nicht symbadischer als Abramowitschs Engagement bei Chelsea London.

Im Grunde ist das, was derzeit unter dem Vereinsnamen “TSG 1899 Hoffenheim” in der Bundesliga spielt, ein Etikettenschwindel. Den Dorfklub dieses Namens gibt es nicht mehr, seit der Herr Hopp mit seinen Millionen vorbeigekommen ist. Und deshalb ist das Projekt des Dietmar Hopp im Grunde noch unsympathischer als das des Roman Abramowitsch: Der russische Multi kaufte wenigstens einen Verein mit einer Tradition, einer Geschichte und zigtausenden Fans. Dietmar Hopp hat einen FC Hopp aus Badens Boden gestampft, ein Kunstprodukt, für das er lediglich die Hülle eines alten Vereins gefleddert hat. Nichts an diesem Kunstklub ist gewachsen – alles ist gemacht, gemanagt und gekauft.

Nun schreiben einige Kommentatoren abgebrüht: Na und? Der Profi-Fußball ist doch eh nur noch ein fettes Geschäft. Aber wie sagte der große Ernst Jandl: Werch ein Illtum! Sicher gehört das “Business” heute zum professionellen Fußball dazu. Aber nicht alles, was geschäftsmäßig betrieben wird, dreht sich nur ums Geld. Auch der professionelle Fußball lebt von der Leidenschaft der Fans, er hat seine Mythen und Legenden, seine Traditionen und seine Erinnerungen an Glanz und Elend. Deshalb stecken viele Unternehmen Unmengen von Euros ins Fußball-Sponsoring. Sie wollen, dass auf ihr eigenes Image ein paar Strahlen von diesem ideellen Glanz fallen.

Und darin liegt die Tragik des Fußball-Mäzens Dietmar Hopp: Dass das Objekt seiner Großzügigkeit nichts, aber auch gar nichts von diesem Glanz hat.  Skrupellose Konzerne wie der Schalke-Finanzierer Gazprom oder der ehemalige Werder Bremen-Sponsor kik bekommen bzw. bekamen für ihre Millionen wenigstens ein bisschen Image-Politur. Der unbestreitbar honorige, sozial engagierte und mit guten Absichten ins Fußballsponsoring gestartete Dietmar Hopp wird nur die Abneigung der Fankurven bekommen.

Spätestens in der Rückrunde wird den Hoffenheimern niemand mehr ihr Underdog-Gehabe abnehmen. Mit der Verpflichtung von Timo Hildebrandt haben sie auch die Scheu vor großen Transfers abgelegt. Sie werden mit ihrem fetten Finanzpolster weitere Stars engagieren, sie werden schönen Fußball spielen, sie werden erfolgreich sein. Und sie werden außerhalb ihres eigenen Stadions das meistgehasste Team der Liga sein. Die Ober-Bayern sozusagen.

Und Dietmar Hopp wird feststellen, dass er trotz all seiner guten Absichten doch nur die badische Abramowitsch-Ausgabe geworden ist.

2 Kommentare zu “Wirtschaftswache: Being Abramowitsch”


  1. 1 joshua

    ich denke der hass gegen hopp kommt vor allem durch solche berichte zustande. gehirnwäsche frustrierter groschenjournalisten, die ein herr hopp aber auch nicht weiter ernst nehmen muss…..

  2. 2 David Wengenroth

    Also, frustriert bin ich nun wirklich nicht.

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