Die internationale Wirtschaftspresse lauscht den Nachbeben im Fall von Bernard L. Madoff und fragt nach den Lehren aus dem Betrug. MEED fordert einen New Deal mit den Golfstaaten. Fastcompany applaudiert Edward Nortons Kampf für billiges Wohnen. Fundstück: Schröder verlustfrei.
Auch die Washington Post glaubt nicht, dass eine verstärkte Regulierung besonders von Hedge-Fonds Betrugsfälle wie den von Bernard L. Madoff verhindern könnte. Der Forderung, dass sich Hedge-Fonds künftig bei der SEC registrieren und sich in die Karten schauen lassen müssten, hält das Blatt entgegen, dass sich Madoff freiwillig registriert und auch regelmäßig Mitteilungen abgegeben habe – nur eben gefälschte. „Auf diesen Skandal mit mehr Regulierung zu reagieren, ist, als ob man einem Patienten mehr Pillen aufdrängt, obwohl dieser die Medikamente ablehnt.“ Die gute Nachricht in dieser Woche sei die, dass Madoffs Betrug so unverfroren gewesen sei, dass vermutlich jeder Nachahmer in der Zukunft schnell enttarnt würde. Außerdem sei damit zu rechnen, dass sich die Industrie, die sich auf Due-Diligence-Prüfungen bei Hedge-Fonds spezialisiert habe, künftig mehr anstrengen werde.
Das Wall Street Journal berichtet in einem großen Artikel über die Versäumnisse der SEC. Die US-Börsenaufsicht habe 2006 zahlreiche Hinweise auf ein Schneeballsystem gehabt, die, falls man sie verfolgt hätte, den Betrug hätten aufdecken können. Ein früherer Wettbewerber von Madoff, Harry Markopolos, habe fast ein Jahrzehnt lang versucht, die SEC davon zu überzeugen, dass Madoffs Gewinne „zu gut sind, um wahr zu sein“. Am 4. Januar 2006 habe die SEC daraufhin eine Ermittlung gegen Madoff aufgenommen, um zu klären, ob dieser ein Schneeballsystem unterhalte. Madoff selbst sei dabei verhört worden. Zwar hätten die Ermittler festgestellt, dass Madoff sie in der Frage, wie er das Geld seiner Kunden anlege, betrogen habe. Gleichwohl seien die Ermittlungen eingestellt worden, weil die Vorwürfe nicht gewichtig genug gewesen seien. Am Dienstag dieser Woche habe SEC-Chef Christopher Cox Versäumnisse eingeräumt.
Lass gut sein, Peer
„Das Ende des Sparminators“ überschreibt die Zeit einen Artikel über das zweite Konjunkturpaket der Bundesregierung. Unter fast allen Experten bestehe schon seit Längerem kein Zweifel mehr, dass ein solches zweites Konjunkturpaket dringend notwendig sei – doch der Finanzminister Peer Steinbrück habe als Letzter eingesehen, dass er sich ohne Not an der falschen Stelle als der Aufrechte gegeben habe. Statt 2011 einen Haushalt ohne neue Kredite zu erreichen, drohe Steinbrück nun der höchste Schuldenrekord. Somit ergehe es Steinbrück fast wie seinem Vorgänger Hans Eichel bei der Sanierung des Bundeshaushalts. „Eichel scheiterte, weil nach der Jahrtausendwende die Internet-Blase geplatzt war. ,Lass gut sein, Hans’, fuhr Bundeskanzler Gerhard Schröder 2003 seinen damaligen Finanzminister an, als der trotzdem an seinen Sparzielen festhalten wollte, obwohl längst klar war, dass Deutschland in die Rezession gerutscht war. (…) ,Lass gut sein, Peer’, hat zwar noch niemand laut gesagt. Aber gedacht haben es wohl viele.“
Quo vadis, Dollar?
Nach der Zinssenkung in den USA ist der Dollar auf einen Zehn-Wochen-Tiefststand gefallen. Ilsole aus Italien fragt, ob die Entscheidung der US-Notenbank nicht der Auftakt zu radikalen Verschiebungen bei den internationalen Wechselkursen sei. Dazu zitiert das Blatt Roberto Isidoro, Leiter Finanzen der Bankengruppe Carichiete. Der Finanzexperte vergleicht die heutige Entwicklung mit der des Jahres 1929. Damals hätten die USA eine positive Zahlungsbilanz und niedrige Schulden vorweisen können – heute nähmen China, Japan und Deutschland, die noch keine aggressiven Konjukturpakete eingeleitet hätten, diese Position ein. Einer Neugewichtung des Dollars stünden diese Länder entgegen. Nach der Prognose von Isidoro bleibt der Dollar schwach, bei einem Kurs von 1,45 bis 1,50 Euro, zumindest bis zum Einzug von Barack Obama ins Weiße Haus.
New Deal mit den Golfstaaten
Die Middle East Business Intelligence (MEED) macht sich Gedanken über das Verhältnis der Golf-Staaten zur neuen Regierung unter Barack Obama. Der Golf-Kooperationsrat müsse einen „New Deal“ mit Washington abschließen. Dabei sei der Ölpreis zentral. König Abdullah aus Saudi-Arabien habe sich Ende November für 75 Dollar pro Barrel als Norm ausgesprochen. Das einflussreichste Mitglied der Opec wolle die Volatilität des Öls reduzieren, einen Pakt mit dem weltgrößten Öl-Verbraucher schließen und schließlich die USA davon überzeugen, dass zu niedrige Ölpreise beispielsweise Investitionen in alternative Energien behinderten – bevor Kuwait, Katar und Saudi-Arabien jedoch ihre Ölförderung drosselten, sei das grüne Licht aus Washington erforderlich. Schließlich könne der „New Deal“ dazu führen, dass sich das Verhältnis von Iran und den USA verbessere. Höhere Ölpreise führten zwangsläufig dazu, dass die iranische Infrastruktur verbessert werden könne.
Neun Milliarden für billiges Wohnen
Das US-Wirtschaftsmagazin Fastcompany ist begeistert vom Kampf des Schauspielers Edward Norton für erschwingliches Wohnen. Seit seiner Kindheit engagiere sich der zweifache Oscar-Nominierte für die gemeinnützigen Organisation Enterprise Community Partners, die von seinem Großvater James Rouse gegründet wurde. Norton habe die zentrale Rolle dabei gespielt, das Engagement der Organisation beim ökologischen Bauen zu verstärken und sie so unempfindlicher für die Immobilien- und Hypotheken-Krise zu machen. Die Firma habe neun Milliarden Dollar investiert, um schwerpunktmäßig Bürger mit niedrigem und mittleren Einkommen beim Hausbau zu unterstützen; einige der ärmsten Wohnviertel des Landes, beispielsweise Fort Apache in den Bronx, seien auf diesem Wege revitalisiert worden. Neuerdings habe Enterprise regionale Investment-Fonds für grünes Bauen gegründet, um Firmen zu ködern, die sich sowohl für hohe Erlöse als auch Unweltschutz interessierten.
Fundstück: Schröder verlustfrei
Auf einer Pressekonferenz in Istanbul zu einem gemeinsamen Wasserprojekt von Deutschland und der Türkei hat sich Altbundeskanzler Gerhard Schröder zu den Folgen der Finanzkrise im Hause Schröder geäußert, berichtet die Tageszeitung Cumhuriyet. Auf die Frage nach etwaigen Verlusten habe Schröder geantwortet, er könne keine falsche Entscheidung treffen, da seine Ehefrau sich um das Finanzielle kümmere. In Aktien, soviel konnte der Ex-Kanzler angeben, habe er ohnehin nicht investiert.



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