ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse blickt besorgt nach Russland, wo Wirtschaftskrise und sinkende Ölpreise zu Unruhen führen. Laut El Mundo wird das Wachstum in Lateinamerika ausgebremst. The Atlantic interviewt Chinas Geldgeber Nummer eins in den USA. Fundstück: Fleischeslust und Spitzenfrust.
Das Wall Street Journal untersucht die Auswirkungen der dramatisch sinkenden Ölpreise in Russland. „Der Fall der Ölpreise verhindert, dass der Kreml seine Gold- und Devisen-Vorräte zu dem Zeitpunkt, da er sie besonders benötigt, wieder auffüllt“, erklärt das Blatt. Zwar seien die Reserven die drittgrößten der Welt (nach China und Japan), doch die Regierung habe bereits einen großen Teil ausgegeben, um den fallenden Rubel zu stützen und Panik in der Öffentlichkeit zu verhindern. Dennoch seien in der vergangenen Woche Tausende Menschen in Wladiwostok auf die Straße gegangen. Die Pläne der Regierung, die Zölle für gebrauchte Autos aus dem Ausland zu erhöhen, seien den Demonstranten ein Dorn im Auge, da dieser Markt einer der lukrativsten für die Region sei; ähnliche Proteste seien in Moskau, St. Petersburg und Kaliningrad geplant gewesen. Vor diesem Hintergrund seien Unruhen in der Öffentlichkeit derzeit die größte Sorge im Kreml.
Die russische Zeitung Vremya Novostej beobachtet das angespannte Verhältnis von Russland und der Ukraine. Aufhänger: Gazprom könnte seine Gaslieferungen in das Land zum 1. Januar 2009 einstellen, da das osteuropäische Land dem russischen Gaskonzern rund zwei Milliarden Dollar schulde. Bisher sei nicht absehbar, ob die Ukraine die ausstehende Summe bis Jahresende begleichen könne. „Seit Monaten tobt in Kiew eine politischen Krise, zu der sich nun eine dramatische Wirtschaftskrise gesellt“, schreibt das Blatt. Gazprom habe seine westlichen Partner mittlerweile vor möglichen Engpässen gewarnt, denn die Ukraine sei ein wichtiges Transitland. Gestern sei unterdessen bekannt geworden, dass Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy der EU vorgeschlagen habe, der Ukraine einen Kredit in Höhe von 1,7 Milliarden Euro zu gewähren. „Damit die Gaslieferungen in der Neujahrsnacht nicht gedrosselt werden, braucht es wohl eine Einigung auf höchster Ebene zwischen Moskau und Kiew, was einem Wunder gleichkäme“, meint die Zeitung.
Gazprom erobert Israel
Gazprom will über die Türkei Erdgas an Israel verkaufen, berichtet die türkische Tageszeitung Cumhuriyet. Darauf hätten sich die drei Regierungen verständigt Auf einer Pressekonferenz in Moskau habe Präsident Dmitri Medwedev angekündigt, dass Russland neue Erdgaspipelines auf türkischem Boden verlegen und somit nicht nur Israel, sondern den gesamten Mittleren Osten beliefern werde. Mit dem Projekt werde nicht nur der Energiebedarf dieser Länder abgedeckt, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung in der Region unterstützt.
China fordert Umdenken in den USA
The Atlantic führt ein Interview mit Gao Xiqing, Chef der China Investment Corporation (CIC), einem der größten Staatsfonds der Welt – dem Mann, der für die Volksrepublik China die staatlichen Beteiligungen an Firmen wie Blackstone oder Morgan Stanley managt. Gao wirke nicht wie ein kommunistischer Funktionär, spreche fließend Englisch und kleide sich eher wie ein Silicon-Valley-Investor als einer von der Wall Street. Auf die Frage nach dem künftigen Engagement der Chinesen in den USA, wo diese Hunderte Milliarden Dollar im Zuge der Finanzkrise verbrannt hätten, erklärt Gao, dass die Amerikaner jahrelang mit dem Geld anderer gelebt hätten: zunächst auf Kosten der Landsleute, dann, als die Sparquote gesunken sei, auf Kosten der Japaner, und jetzt auf Kosten der Chinesen und des Mittleren Ostens. „Wir lieben es, Euch zu unterstützen – aber nur wenn es tragfähig ist. Wenn nicht – warum sollten wir das tun? Wenn wir abziehen, werdet Ihr nicht zum Mond fliegen können, um mehr Geld zu bekommen“, mahnt Gao. Ergo müssten die Amerikaner lernen, ihren Lebensstil zu ändern, sich weniger zu verschulden, die Belohnungen für „finanzielle Hexerei“ zu reduzieren und der realen Wirtschaft mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Wachstum in Lateinamerika ausgebremst
Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise hat die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) ein niedrigeres Wachstum für Lateinamerika prognostiziert als bisher angenommen. Laut eines Berichts der spanischen Tageszeitung El Mundo werde das Bruttoinlandsprodukt Lateinamerikas 2009 um 1,9 Prozent statt 4 Prozent wachsen. In den letzten Jahren hätten die Volkswirtschaften zwar durch starke Impulse „wie ein Segelflugzeug“ abgehoben, doch dies sei vorerst vorbei. Am stärksten werde das BIP von Peru um etwa 5 Prozent steigen, die größten Volkswirtschaften Brasilien (2,1 Prozent), Argentinien (2,6 Prozent) und Mexiko (0,5 Prozent) wüchsen allerdings deutlich langsamer als zuletzt. Die CEPAL geht außerdem von einer Arbeitslosenquote zwischen 7,8 und 8,1 Prozent in Lateinamerika 2009 aus, die Inflationsrate werde von 8,5 auf rund 5 bis 6 Prozent sinken.
Fundstück: Fleischeslust und Spitzenfrust
Die türkische und russische Wirtschaftspresse blickt mit einigen Hoffnungen und Sorgen auf das Neujahrsfest. Trotz der schlechten Wirtschaftslage wollten die Russen nicht am Neujahrsfest sparen, berichtet die Wirtschaftszeitung Vedomosti. Umfragen hätten ergeben, dass die Russen mehr für Geschenke und das Festessen zu Silvester, dem wichtigsten russischen Fest, ausgeben wollten als noch vor einem Jahr – die Verbraucher hätten in der ersten Dezemberwoche rund 50 Prozent mehr Geld in den Geschäften ausgegeben als im Vorjahreszeitraum. „Die Neujahrsvorbereitungen stützen die Nachfrage insbesondere nach Alkohol, Fleisch, Früchten und Konsumgütern“, schreibt die Zeitung.
Dass jedoch auch die Russen auf die Ausgaben-Bremse getreten sind, weiß die türkische Tageszeitung Aksam. Die globale Krise bereite türkischen Unterwäscheherstellern große Sorgen, da die Nachfrage nach roter Unterwäsche zu Silvester schlagartig um 50 Prozent gesunken sei. Hintergrund: Aus Russland kämen in diesem Jahr kaum Bestellungen für diesen Glücksartikel. Nur Griechenland, Frankreich, einige andere europäische Länder sowie Dubai, Syrien und Staaten des Mittleren Ostens hätten im großen Maße bestellt – was allerdings nicht ausreiche, um die Ausfälle zu kompensieren, klagten die türkischen Hersteller. Im kommenden Jahr werde man nach neuen Absatzmärkten Ausschau halten, die nicht so extrem von der Krise betroffen seien und die es sich leisten könnten, Silvester in roter Unterwäsche zu feiern.
Mitarbeit: Charlotte Bartels, Maxim Kireev, Feride Tavus.



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