andreAnsicht: Wundert Euch

Was soll das sein, Weihnachten? „Ich weiß nicht so recht”, sagt der Muminsohn. „Aber nichts ist vorbereitet, und irgendwas ist verloren gegangen, und alle rennen wie verrückt durch die Gegend. Vielleicht ist es eine Überschwemmung.”

Normalerweise verschlafen die Mumins den Winter, dieses Mal aber hat ein aufgeregter Hemul sie aus Versehen aufgeweckt. Die Mumins wissen nicht genau, was Weihnachten ist, aber es muss sehr gefährlich sein. Die Hemuls eilen hektisch mit langen Listen vorbei und besorgen die merkwürdigsten Dinge, um Weihnachten zu besänftigen. Mumin weckt seine Mutter mit dem großartigen Satz: „Hab keine Angst, aber es ist was Schreckliches passiert.”

Weihnachten droht, nicht nur in der wunderbaren „Geschichte aus dem Mumintal” von Tove Jansson. Immerhin hat das Konjunkturprogramm der Bundesregierung sofort gegriffen: Die Aussicht auf zehn Euro mehr Kindergeld und eine Pendlerpauschale auch für Kurzstrecken im nächsten Jahr haben in Deutschland einen wahren Konsumrausch ausgelöst. Wer braucht da noch drei Millionen Arbeitsplätze?

Wenn Sie jetzt noch nicht alle Weihnachtsgeschenke gekauft haben, sind Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit – ein Mann. Alle Jahre wieder holt nämlich auch das Institut für Demoskopie Allensbach seine vorweihnachtliche Umfrage hervor, staubt sie ein bisschen ab und verkündet: Erschreckenderweise kaufen nur 44% der Männer ihre Geschenke weit im voraus oder in der Vorweihnachtszeit, dagegen warten 21% der Männer damit sogar bis kurz vor Heiligabend, von den Frauen tun das nur 9%. So wird das natürlich nichts mit dem Aufschwung, da muss schon jeder mithelfen! Wenn es dann wirklich so dick kommt, wie das IfW befürchtet, sind auf jeden Fall wieder die Männer Schuld, die die Wirtschaft nicht genug angekurbelt haben.

Was aber kaufen? Neben Technikspielzeug sollen ja auch Bücher wieder gut gehen. Dies ist zwar nur eine kleine unscheinbare Kolumne, aber ich will mein Möglichstes versuchen, mein Scherflein beizutragen, deshalb gibt es jetzt und hier ein paar konkrete Geschenktipps (nein, nicht für Technikspielzeug, sondern für Bücher) – eine Liste meiner Lieblingsweihnachtsbücher, die natürlich vollkommen subjektiv und unvollständig ist und in den Kommentaren gerne verrissen oder ergänzt werden darf. Eigentlich sind es Kinderbücher, aber sie sind auch für Erwachsene ganz zauberhaft, und alle handeln irgendwie vom Schenken und Beschenktwerden und dem wahren Weihnachtsgedanken:

Ingrid Weixelbaumer: Der sprechende Weihnachtsbaum (Gabriel) – In dieser Sammlung erzählen 32 Schriftsteller und Schriftstellerinnen von ihren Weihnachtserinnerungen, darunter sind so grandios nachdenklich-komische Geschichten wie die titelgebende von Erwin Grosche, der sich in der Bäckerei seines Vaters mit einem sprechenden Weihnachtsbaum über den Sinn des Lebens unterhält, oder die bezaubernde „Nacht der Geschichten” von Renate Schupp, in der die Familie in einem Tschudenzelt mitten im Wohnzimmer Weihnachten feiert, weil die Mutter den Schlüssel zum Dachboden zu gut versteckt hat.

Zoran Drvenkar: Die Nacht, in der meine Schwester den Weihnachtsmann entführte (Carlsen) – In acht absurd-schrägen Geschichten erinnert sich Drvenkar an die mit Elvis-Musik erfüllten Weihnachten seiner Kindheit und an seinen Vater, dessen Last-minute-Weihnachtsbaumkauf zum wilden Abenteuer gerät und der aus Heimweh mit der ganzen Familie über Nacht nach Kroatien fährt, um dort mit den Verwandten Weihnachten zu feiern.

Jostein Gaarder: Das Weihnachtsgeheimnis (Reihe Hanser, dtv) - Eigentlich ist das Buch ein Adventskalender in einem Adventskalender in einem Adventskalender. Es geht um einen Jungen, der einen magischen Adventskalender bekommt, und um ein Mädchen in diesem Kalender, das mit einem Schaf nach Bethlehem reist. Traum und Wirklichkeit verweben sich auf geheimnisvolle Weise

Sven Nordqvist: Morgen, Findus, wird’s was geben (Oetinger) - Der kleine Kater hat nur einen Wunsch, er möchte, dass der Weihnachtsmann auch zu ihm kommt. Und Petersson möchte nichts sehnlicher, als ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Petersson ist ja erwachsen und glaubt nicht, dass der Weihnachtsmann wirklich kommt, also baut er eine Weihnachtsmannmaschine, und damit ist er die ganze Vorweihnachtszeit überaus beschäftigt. In der Zwischenzeit freundet sich Findus mit einem merkwürdigen Postboten an, und am Ende passiert ein Wunder…

Soweit erstmal, ich muss jetzt los, noch ein paar Weihnachtsgeschenke besorgen… Ich wünsche allen eine schöne Jahresendfeier! Und fürchtet Euch nicht, nehmt Euch ein Beispiel an den tapferen Mumins:

Die Mumins schnappen hier und da etwas von den vorübereilenden Hemuls auf und schaffen ihre ganz eigene Interpretation der Weihnachtsvorbereitungen. Schließlich überwinden sie ihre Angst und überlassen das für Weihnachten gedachte Festmahl und den Baum im Schnee den armen schüchternen Knütts, die noch nie ein eigenes Weihnachten hatten. Sie selbst bringen sich lieber auf der Veranda in Sicherheit. Während sie die Knütts dort aus sicherer Entfernung beobachten, stellt Mumin fest, „Jedenfalls habe ich keine Angst mehr vor Weihnachten. Der Hemul, die Gafsa und die Tante müssen die ganze Sache irgendwie falsch verstanden haben.”

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