Warum 680.000 verkaufte Unterhosen im Dezember die Australier aufatmen lassen und weitere Regierungsinitiativen nicht nötig sind – der Unternehmensberater Jürgen Voigtmann (Foto) beschreibt für ecolot.de das Wirtschaftsleben aus Down Under.
Die Schlagzeile im Businessteil des „Australian“ von heute besagt: „Undies give a boost to the bottomline“, trocken übersetzt: „Unterhosen geben dem Jahresergebnis einen Anschub“, wobei natürlich bottom auch das Hinterteil bedeutet. Nun ist die Aussage, dass 680.000 (männliche) Unterhosen allein im Dezember von einer Warenhauskette verkauft wurden, außerordentlich bedeutsam, nachdem befürchtet worden war, dass das Regierungsstimulierpaket von 5 Mrd Euro, das im Dezember 2008 lanciert wurde (vor allem an Pensionisten und Kindergeldempfänger), wirkungslos verpufft ist. Den Großmüttern sei’s gedankt.
Noch vor 12 Monaten initierte die neue australische Regierung ein Talkfest, da wurden die hellsten Köpfe im Lande zusammengetrommelt, um der neuen Mannschaft um Kevin Rudd zu sagen, wo es denn in den nächsten zehn Jahren langgehen sollte. Da gab es prall gefüllte Staatskassen, die da verantwortlich zu verteilen waren, da gab es internationale Anerkennung, dass nun auch Australien ein vollwertiges Mitglied der Staatengemeinde ist, nachdem es endlich das Kyoto-Protokoll unterschrieben hatte. Ein neuer Frühling war angebrochen, modern, weltoffen, entspannt – man sprach von gerechterer Verteilung des angehäuften „windfall profits“, von einer Revolution im Bildungswesen, Investitionen im Gesundheitssektor, von einer besseren Einbindung der Ureinwohner, denen man das lang überfällige „Sorry“ für die Verschleppung von Mischlingskindern von ihren Eltern Mitte des letzen Jahrhunderts gab.
Und natürlich ganz oben auf der Liste stand die Klimadebatte, die Verantwortung für CO2-Emissionen als einer der größten Kohleproduzenten der Welt und – pro Kopf der Bevölkerung – als einer der höchsten Klimaverschmutzer. Aber dann sagte man sich, dass dies (bei 21 Mio Einwohnern) nur ein Prozent der Welt-Emissionen ergibt und dass vor allem China und Indien erstmal mitmachen müssten, bevor der lästige Emissionshandel ernsthaft an den Geldbeutel geht. Und außerdem ist das deutsche Solarwunder doch nur wegen der überhöhten Preise, die für Solarstrom bezahlt werden, möglich.
Und heute? Die Stimmung ist leicht gedämpft, zu viele schlechte Nachrichten aus aller Welt, gewaltige Verluste am Aktienmarkt und in der privaten Altersversorgung, Bankrotte und Entlassungen allenthalben. Und dies bei hochsommerlichen Temparaturen und trotz Melbourne-Cup-Begeisterung, wo gerade die Stromversorgung in einer Jahrhunderthitzewelle an die Grenze der Kapazität ging. Also, bitte verschont uns von weiteren Regierungsinitiativen, solange Wirtschaft und Beschäftigung im Schleudern ist.
Das heißt, so schlecht ist die Welt doch gar nicht: Die Spritpreise sind gewaltig gefallen, die Hypotheken-Zinsen für das Haus sind so niedrig wie seit langem nicht, die Geschäfte sind voll mit „Schnäppchen“, das Dezemberquartal hatte eine Inflation von minus 0,3 Prozent, die Chinesen haben ein Konjunkturpaket in der Mache. Da sollten doch die Auftäge für Kohle und Erz wieder sprudeln, damit mehr Unterhosen für „Down Under“ genäht werden können.
Zur Person: Jürgen Voigtmann
geboren 1940 in Schongau/Obb, studierter Chemieingenieur, ging 1972 nach Sydney, um die Australien- und Neuseeland-Dependance einer namhaften deutschen Kunststoff-Gruppe aufzubauen und zu leiten; ist seit 2007 im Ruhestand und ist seither als Berater tätig.



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