ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse sucht nach Davos nach Lösungsansätzen für ein neues Weltfinanzsystem. Die Sunday Times sieht in Chinas Investition bei Rio Tinto einen strategischen Schachzug. Marianne wertet den Ausstieg von Siemens bei Areva als Zeichen deutsch-französischer Zwietracht. Die Herald Sun polemisiert gegen die EU-Kommission. Fundstück: Der groteske Ein-Dollar-Club.
“Der neue Konsens in Davos ist der, dass der alte Konsens nicht anerkannte, dass die Finanzmärkte sich nicht selbst regulieren und anfällig für Blasen sind”, kommentiert The Age aus Australien eines der Ergebnisse des Weltwirtschaftsforums. “Eine effektivere Regulierung ist nötig, um den Grad der finanziellen Risiken nachvollziehbarer zu machen. Als gute Globalisierer verlangen die Teilnehmer von Davos nun nach mächtigen, einflussreichen Regulatoren und entscheidenden Gremien, die jene systemische Risiken einschätzen und managen, die zu dem verhängnisvollen globalen Boom führten.” So wollten sich die G20-Staaten nun politisch der globalen Krise widmen und der Internationale Währungsfond habe sich bereit erklärt, die führende Rolle zu übernehmen. “Das Problem aber ist, das einige Regierungen noch immer davor zurückschrecken, Macht auszuüben. Dazu gehört auch die USA, die einen Widerspruch in sich darstellt: größter Schuldner weltweit und Besitzer der weltweit wichtigsten Reservewährung.” So habe der ehemalige US-Präsident Bill Clinton China in Davos gebeten, den US-Haushalt weiter zu stützen. “Einige in Davos meinten, dass die Globalisierung in Scherben liegt, weil der Champion gewinnen wollte, ohne die Disziplin ausreichend zu akzeptieren.”
Erste Anzeichen dafür, wie die künftige Finanzlandschaft aussehen könnte, hat das Wall Street Journal in Davos ausgemacht: “Während der derzeitige Fokus noch auf der Verstaatlichung von Banken oder der Absicherung gegen faule Anlagen liegt, entstand in der Schweiz ein Bild davon, wie Banken in Zukunft reguliert werden könnten.” So könne die Errichtung eines neues Wirtschaftsrates auf Ebene der Vereinten Nationen, wie ihn die deutsche Bundeskanzlerin angeregt habe, sinnvoll sein. Auch würden die Modelle, nach denen Banken arbeiteten, auf absehbare Zeit einfacher sein; die Möglichkeiten, Risiken auf dritte Parteien abzuladen, sollten beschränkt werden. “Zudem werden Regulierer die Banken dazu zwingen, klarer und transparenter über die Art der Risiken zu informieren, die in ihren Bilanzen stehen.” Und mit Blick auf Hedgefonds sei denkbar, dass diese Anlagen und Verbindlichkeiten künftig besser aufeinander abstimmen müssten, um Liquidität auch in schwierigen Zeiten zu garantieren. Schließlich werde es nicht mehr so einfach sein, Schulden anzuhäufen, um Gewinn zu machen: “Den Finanzinstituten wird mehr Eigenkapital abverlangt werden. Das senkt die Verschuldungsgrenze und führt langfristig zu mehr Stabilität.”
China lässt die Muskeln spielen
Einen bemerkenswerten Schachzug sieht die Sunday Times in dem Plan des chinesischen Aluminium-Giganten Chinalco, bis zu neun Milliarden US-Dollar in den australischen Minenkonzern Rio Tinto zu investieren: “Das wäre Chinas bislang größte, strategische Investition im Ausland, die nicht im Finanzsektor getätigt wird.” Damit würde die Volksrepublik erneut ihre “finanziellen Muskeln” spielen lassen, in einer Zeit, in der die westliche Welt höchst verwundbar sei. Chinalco werde voraussichtlich Minderheitsanteile von Rio Tintos höchst wertvollen Minenanlagen erwerben. Außerdem stehe eine Erhöhung des bisherigen Chinalco-Anteils an Rio Tinto von elf auf 15 Prozent zur Diskussion. Rio Tinto könne zwar damit rechnen, dass der Wert seiner Minen steigt, habe aber zuviel Schulden. “Mit dieser Investition würde sich China für die Zukunft wichtige Verbrauchsgüter sichern. Rio Tinto hat Zugriff auf große Eisenerzvorräte, ein wichtiger Ausgangsstoff für die Herstellung von Stahl. Außerdem mischen die Australier im Kohle- und Aluminiumgeschäft mit.”
Tiefe Risse von Brest nach Berlin
Als Zeichen der deutsch-französischen “Zwietracht” wertet Marianne die Ankündigung des Münchner Konzerns Siemens, sich aus dem deutsch-französischen Unternehmen Areva zurückzuziehen. “Areva, aber auch arte oder Airbus – der Ärger häuft sich zusehends.” Nachdem Siemens vergeblich versucht habe, seinen Kapitalanteil an der weltweiten Nummer Eins im zivilen Nukleargeschäft zu erhöhen, mache sich der Konzern jetzt “aus dem Staub” und liebäugele mit einer Kooperation mit Russland. Areva habe nun zwar mehrere Optionen, könne zum Beispiel ein rein französisches Unternehmen werden, mit Bouygues und Alsthom, oder aber Mitsubishi Electrics aus Japan ins Boot holen. Doch klar sei, dass sich die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland weiter verschlechterten. Tiefe Risse hätten sich von Brest nach Berlin aufgetan, auch die Küsschen zwischen Nicolas Sarkozy und Angela Merkel könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die beiden wichtigsten Nationen des Kontinents sich mehr und mehr voneinander abkehren. “Man muss fast gutheißen, dass immer weniger Franzosen die deutsche Sprache lernen und beherrschen, denn so bleibt ihnen die Lektüre der Schmähartikel erspart, die auf der anderen Seite des Rheins über Frankreich und Sarkozy erscheinen.”
Apple hat die Computerwelt verändert
Die Japan Times gratuliert zum 25. Geburtstag des Macintosh Computers. “Macintosh gestaltete die Beziehung vom User zum Computer neu und hat es dem durchschnittlichen Nutzer einfacher gemacht, EDV-Prozesse zu verstehen und zu kontrollieren.” Bis Januar 1984 seien Computer praktische Arbeitsgeräte für Techniker gewesen, nichts für den Durchschnittbürger. Das zu ändern, habe sich Apple zur ureigensten Aufgabe gemacht. Als der erste Mac vorgestellt worden sei, habe er dann auch den bisherigen Computer ad-Standart absurdum geführt: “Das Gerät war klein, tragbar, hatte einen Griff.” Die neue grafische Benutzeroberfläche habe einen radikalen Bruch mit vorherrschenden Maßstäben der Datenverarbeitung dargestellt, genauso bedeutend sei die Einführung der Maus sowie der sichtbaren Dateien gewesen. Bei Apple, so das Blatt, sah man den Mac als “kreativen Spielplatz”. Steve Jobs, der heute mehr als alles andere Apple verkörpere, sei die Renaissance von Apple in den vergangenen Jahren zu verdanken – mit Produkten wie dem iPod, dem iMac oder dem iPhone. Die nächsten Weiterentwicklungen seien bereits im Gange und “wir werden sicher wieder beeindruckt sein von den Apple-Produkten, wenn der Prozess abgeschlossen ist.”
EU erklärt Australiens Milchwirtschaft den Krieg
Ein wütende Polemik über die “faulen europäischen Landwirte” und ihre bereitwilligen Helfer in der Europäischen Kommission schickt die Herald Sun aus Melbourne. “Sie haben uns den Krieg erklärt”, schimpft das Blatt angesichts der Entscheidung von EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel, die “trägen und zumeist ineffizienten Milcherzeuger Europas” zu unterstützen: Bis zu 1.000 Dollar sollten diese erhalten, um ihre Produkte exportieren zu können. “Australien belegt europäische Milchprodukte nicht mit Zoll – und soll nun mit den deren Preisen mithalten können!” Dabei sei dies ein wichtiger Wirtschaftszweig für das Land, mit vielen Arbeitsplätzen. “Europa hatte versprochen, die Subventionen zu stoppen, und nun haben sie wieder welche bewilligt. Die Butterberge und Milchseen werden immer größer, aber um das Wachstum ihrer Milchbauern zu sichern, erhalten sie erneut Geld!” Besonders Frankreich mit seiner “romantisierenden” Version von Landwirtschaft sei zu kritisieren: “Die australischen Landwirte haben massiv investiert, eine moderne Industrie errichtet, neue Technologien eingeführt, sich angepasst. Aber Europas Betrug unterminiert immer wieder unsere Erfolge!”
Fundstück: Der groteske Ein-Dollar-Club
Nur ein müdes Lächeln vermag die Ankündigung von Starbucks-Boss Howard Schultz, ein Gehalt in Höhe von einem Dollar zu erhalten, dem US-Onlineportal The Daily Biest zu entlocken: “Nach Steve Jobs von Apple oder Larry Page und Sergey Brin von Google heißt es also nun auch für Schultz: Willkommen im Ein-Dollar-Club.” Die Verlautbarung, Schultz habe einen Dollar verlangt, der Aufsichtsrat habe aber 10.000 Dollar festgesetzt, sei eine blanke Verspottung der Öffentlichkeit, “nach dem Motto: Schaut her, auch unsere CEOs leiden.” Investoren wäre es zum einen egal, ob die Bosse an der Spitze Verzicht übten: “Wenn es einer Firma so schlecht geht, dass sie das Gehalt ihres Bosses kürzt, kann das nicht mehr viel an der miserablen Lage ändern.” Zum anderen litten Vorstandvorsitzende vom Kaliber Schultz nicht, tatsächlich kämen sie sogar ganz ohne Gehalt über die Runden: Eine Studie habe gezeigt, dass CEOs durchschnittlich 55 Millionen Dollar pro Jahr verdienten – über Aktienanteile und-optionen. “Also keine Sorge: Wir werden unsere Chefs bestimmt nicht demnächst an der Recyclingstation gebrauchtes Kupfer abgeben sehen.”



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