Eine neue Ära für die Autoindustrie

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse greift Barack Obamas Pläne für umweltfreundlichere Autos auf und feiert diese nun als einzigen Weg zur Rettung der amerikanischen Autoindustrie. Der britische Independent porträtiert Puma-Boss Jochen Zeitz. Fundstück: Die Finanzkrise begann im kalifornischen Stockton.

Als wichtigen Schritt zur Rettung der amerikanischen Automobilindustrie wertet die Minneapolis Star Tribune die Ankündigung von Präsident Barack Obama, die Normen für Abgase und Spritverbrauch zu verschärfen. “Man kann sich an allen Fingern abzählen, dass es den Großen Drei in Detroit heute viel besser ginge, hätten sie sich früher an den Vorgaben eines Bundesstaates wie Kalifornien orientiert, statt gegen diese vor Gericht zu ziehen.” Die Umsetzung der von Obama empfohlenen Regelungen könnten sich doppelt positiv auf die Nation auswirken: Zum einen werde Amerika endlich etwas gegen den Klimawandel tun, zum anderen würden die Autohersteller genötigt, sich schneller an eine neue Ära der Energienutzung anzupassen. “Obama ebnete damit den Weg für andere Staaten: Bislang haben dreizehn die Standards von Kalifornien übernommen. Nun ziehen sie weitere Staaten in Erwägung.”

“Erst der Gewinn, nun der Schmerz” applaudiert die Irish Times Barack Obama: Denn nachdem die US-Autoindustrie 17,4 Milliarden Dollar an staatlichen Hilfsgeldern erhalten habe, nehme Obama sie beim Wort und fordere das Einlösen ihres Versprechens, mehr für die Umwelt zu tun. Er gehe dabei sogar so weit, die Entscheidung, dass Staaten wie Kalifornien nicht ihre eigenen, strengen Standards aufstellen können, überprüfen zu lassen. “Auf Kalifornien, den bevölkerungsreichsten Bundesstaat, entfallen zehn Prozent der Autoverkäufe. Sollte Kalifornien tatsächlich seine Standards zur Regel erheben dürfen, könnten das die Autohersteller einfach nicht mehr ignorieren.” Ohnehin würde Amerika mit strengeren Vorschriften bei Spritverbrauch und Abgaswerten gerade mal an die Vorgaben der Europäischen Union heranreichen: “Mit cleverem Know-how und einfachen Anpassungen wie Gewichtsreduzierungen oder kleineren Motoren ist das allemal zu meistern. Wenn Europa es schafft, hat die USA keine Ausrede mehr.”

“Lasst uns Obama folgen”, bekennt auch die Montreal Gazette enthusiastisch. Zwar hätten sich die Autohersteller weltweit über den Vorstoß des neuen US-Präsidenten beschwert, seien die Zeiten für sie ohnehin hart. Doch sei zu begrüßen, dass Barack Obama die Zukunft zwingt, jetzt schon über uns hereinzubrechen: “Die Autoindustrie hat nun die Chance, sich neu zu erfinden. Warum sollen sie nicht Autos bauen, die Amerika braucht – abgas- und verbrauchsarme Modelle? Einst haben sie auch gegen Sicherheitsgurte gewettert, weil sie befürchteten, sie könnten ihre Umsätze gefährden. Nun werden sie eben gezwungen, ein grünes Bewusstsein zu entwickeln.” Zu beklagen sei, dass Kanada dieser Entwicklung hinterher hinke: “Obamas Vorstoß stellt die Politiker in Ottawa in den Schatten: Neue Verbrauchs- und Abgasnormen lassen noch immer auf sich warten, sie sollen nun frühestens mit den Modellen in 2011 kommen.” Wenn allein die kanadischen Provinzen Quebec und British Columbia die kalifornischen Standards durchsetzten, wäre dies genug, um den gesamten nordamerikanischen Automarkt unter Druck zu setzen. “Obama hat etwas in Bewegung gebracht, jetzt können wir uns nicht mehr verstecken.”

Puma will mehr sein als eine vornehme Marke

Der Independent hat sich mit Puma-Boss Jochen Zeitz unterhalten – und zeigt sich beeindruckt von dessen Strategien. “Puma ist eine der großen Erfolgsgeschichten Europas und Zeitz wird auf dem ganzen Kontinent für seine Führungsqualitäten bewundert.” Die Krise sehe er als Chance. Um Teenager in England davon zu überzeugen, dass auch heute noch ein Paar Puma-Sneaker 80 Pfund wert sind, wolle das Unternehmen mehr sein als nur eine Marke: “Es geht nicht um das simple Gekauft-werden, man muss heute mehr bieten, eine Lebensphilosophie, ein glaubwürdiges Produkt. Und das versuchen wir zu tun”, zitiert die britische Zeitung den Manager. Puma sei zwar nicht so groß wie Nike oder Adidas, seine Produkte seien aber “vornehmer”. In zwei Wochen werde Zeitz die neuen Zahlen vorlegen, Experten gingen davon aus, dass Puma seinen Umsatz von 2,2 auf 2,4 Milliarden Euro steigern und einen Vorsteuer-Gewinn von 362 Millionen Euro ausweisen werde – “immer noch beachtlich in der aktuellen Krise.” Das Erfolgsgeheimnis liege vielleicht darin, dass Puma ein “virtuelles” Unternehmen sei, das mit dem Mehrheitsanteilseigner PPR aus Frankreich gut zusammenarbeite und dabei relativ eigenständig agieren könne. Vor allem Sponsoring sei Zeitz wichtig, mit Schwerpunkt auf Fußball und Afrika. Und in Dritte-Welt-Ländern sorge er für die Einhaltung von Standards in den Fabriken.

Die Euro-Zone ist stabil

Über die Abwertungen von Spanien, Portugal und Griechenland durch die Ratingagentur Standard & Poor?s hat sich der Figaro mit den beiden Vorständen Carol Sirou und Moritz Kraemer unterhalten: “Die Degradierungen sollten nicht als Warnsignal verstanden werden. Das war ein langfristig vorbereitete Entscheidung, und die Noten sind im Vergleich zu den insgesamt 124 Ländern, die wir raten, noch immer exzellent.” Die Note AAA für Großbritannien – trotz akuter Probleme – begründe S&P?s mit den flexiblen Wechselkursen: “Seit Sommer 2007 hat der Pfund 30 Prozent an Wert verloren. Das hat Großbritannien auch Wettbewerbsvorteile gebracht, die Binnennachfrage ist nicht so stark eingebrochen und der Export wurde gestützt.” Frankreich behalte ebenfalls seine Note AAA, weil seine Wirtschaft vielfältig und die Regierung in der Lage sei, die Gleichgewichte in den Finanzen zu halten. Der oft befürchtete Zusammenbruch der Euro-Zone stehe nach Ansicht von S&P?s nicht bevor: “Diese Furcht ist übertrieben und unverhältnismäßig. Keine der Regierungen der Eurozone wird dieses Risiko eingehen. Im Gegenteil: Um Spanien, Portugal und Griechenland stünde es viel schlimmer, wenn sie nicht Mitglied der Eurozone wären, weil ihre Devisen dann unter massiven Druck stehen würden und ihr Defizit viel teurer wäre.”

Revolution im Gazprom-Aufsichtsrat

Die Tageszeitung Kommersant erwartet mit Spannung die Kandidatenliste für den Gazprom-Aufsichtsrat, die heute bekannt gegeben wird. Nach Informationen der Zeitung könnten die Veränderungen revolutionär sein. “Zum ersten Mal könnten Vertreter von privaten Gasförderern im Aufsichtsrat bei Gazprom sitzen”, schreibt das Blatt. Es handele sich dabei um Vertreter der unabhängigen Gaskonzerne Novatek und Itera. Momentan würden zum elfköpfigen Gremium, neben sechs hohen Beamten, drei Gazprom-Manager und zwei unabhängige Vertreter gehören. Laut Kommersant würde mindestens ein Beamter künftig von einem unabhängiger Manager ersetzt. Auch Gazprom könne einen Sitz im Aufsichtsrat an einen unabhängigen Kandidaten verlieren. “Die Idee, Beamte durch professionelle Manager in den Aufsichtsräten zu ersetzen, äußerte Präsident Dmitri Medwedew bereits vor einem Jahr”, erinnert sich das Blatt. Seit dem Sommer hätten eine Reihe von Staatskonzernen neue Aufsichtsräte bekommen.

Südkorea braucht Taten statt schöner Worte

Südkoreas Präsident Lee Myung-bak wolle, dass sein Land optimistisch in die Zukunft gehe. Laut Korea Times sagte er jetzt in einer Fernsehdiskussion, dass “Südkorea eines der ersten Länder sein wird, das sich von der globalen wirtschaftlichen Talfahrt erholt.” Das werde schon nächstes Jahr der Fall sein. Lee sei sogar davon überzeugt, dass die Wachstumsrate wieder auf 4,2 Prozent steigen werde. Er habe gefordert, dass die Regierung nicht immer nur pessimistische Aspekte betone, er setzte sich für die Verbreitung einer “Aura der positiven Einstellung” ein. Optimistische Botschaften, meint das Blatt, würden der Wirtschaft sicherlich gut tun, doch den Worten müssten auch Taten folgen. Als erstes müsse Lee nach diversen kontroversen Entscheidungen das generelle Vertrauen in seinen Führungsstil wieder herstellen. “Wir wollen sehen, dass unser Präsident seine Versprechen hält.” Es sei an der Zeit, dass sich seine Verwaltung eine andere Denkweise angewöhne und eine neue Politik. Der Präsident müsse seine bisherige Politik überarbeiten, um die Wirtschaft wieder zu beleben.

Fundstück: Die Finanzkrise begann in Stockton

Der Schuldige ist gefunden: Wie das Time Magazine berichtet, könne man den Beginn der Finanzkrise und der folgenden Rezession an einer Person ausmachen: “Wie es bei Epidemien den so genannten Indexpatienten gibt, der zuerst die Krankheit in sich trägt und weiter gibt, kann auch die Krise auf eine Person zurückverfolgt werden: Es handelt sich um einen Mann, der 2003 ein Haus in Stockton im Bundesstaat Kalifornien gekauft hat.” 39 Monate später, im Jahr 2006, als die Neufestsetzung seiner Hypothek anstand, habe er nicht mehr zahlen können. Einen Tag später sei ein weiterer Darlehensnehmer in Verzug geraten, ein Schneeballsystem sie in Gang gesetzt worden. “Vermutlich hat der Mann seine Hypothek bei Countrywide bekommen, 250.000 Dollar mit einer Laufzeit von zehn Jahren, ohne Eigenkapital vorweisen zu können. Zwei Monate, nachdem er die Ratenzahlungen einstellte, wurde er arbeitslos.” Wie der Mann heiße, könne man nicht herausfinden, aber: “Seine Adresse, seine Telefonnummer, all das steckt wohl in den Archiven von Countrywide. Und: Er ist immer noch arbeitslos.”

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de.

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Maxim Kireev.

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