Verlierer im Schuldenspiel

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse untersucht nach der Edscha-Pleite die Krise der Autozulieferer. La Repubblica ist erschüttert von der Rekord-Krise der italienischen Autobauer. Les Echos wirft  Angela Merkel vor, Deutschland in eine DDR light zu verwandeln. Stargazetesi zeigt, dass der Skandal in Davos der Türkei Investitionen aus dem arabischen Ausland beschert. Fundstück: warten und sparen.

Die Rheinische Post bilanziert, dass in nur zwei Monaten vier große Zulieferer aus NRW Insolvenz angemeldet hätten: Tedrive, TMD, Henniges und gestern Edscha. Weiteres Unheil drohe, da die Absatzeinbrüche von Autobauern in der Regel erst nach drei Monaten bei den Zulieferern ankämen. Ursache der Pleitewelle sei die Tendenz, dass die Autobauer teure Hightech-Entwicklungen wie ABS, Einspritzpumpen oder Kurvenfahrlicht an die Zulieferer ausgelagert hätten.

Die Frankfurter Rundschau gibt dem „Schuldenspiel“ der Heuschrecken die Schuld an der Krise von Edscha & Co. Statt in den guten Jahren Reserven aufzubaue, die in den dürren Zeiten abgetragen werden, hätten die Finanzinvestoren gerade die guten Jahre dazu genutzt, die Verschuldung in den Unternehmen bis an die Schmerzgrenze zu erhöhen und so die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital in die Höhe getrieben.

Italien: mehr Kaufanreize gefordert

Den Einbruch des Autoumsatzes im Januar beklagt La Repubblica. Der Verkauf von Fahrzeugen sei in Italien in den ersten vier Wochen des Jahres um 41,6 Prozent zurückgegangen – ein Rekord in Europa, wenn nicht sogar weltweit, so das Blatt. Die schlechten Zahlen zeigten deutlich, dass die von der Regierung bisher getroffenen Maßnahmen – darunter zinslose Darlehen bis zu 10.000 Euro – nicht fruchteten, um den Konsum anzukurbeln. In Frankreich habe die staatliche Hilfe demgegenüber bereits Wirkung gezeigt: Der Rückgang bei Neuzulassungen liege nur bei 7,9 Prozent. Das Blatt fordert weitere Kaufanreize, auch wenn die italienische Arbeitnehmervereinigung die Situation noch nicht als ernst bezeichne. Durch einen Öko-Rabatt von 1000 Euro beim Neukauf bei gleichzeitiger Verschrottung eines alten Fahrzeuges habe beispielsweise Ford seinen Marktanteil auf zehn Prozent erhöhen und den Fiesta als Sieger seiner Klasse feiern können.

Auf dem Weg zur DDR light

Les Echos aus Frankreich meint, dass sich Angela Merkel immer weiter von den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft entferne. Die deutsche Kanzlerin lasse zwar keine Gelegenheit aus, um Ludwig Erhard herbeizuzitieren, dabei seien die Christdemokraten ihm längst abtrünnig geworden. Statt nur den regulierenden Rahmen zu bewahren und so das Funktionieren des Marktes zu sichern, entwickele sich Deutschland in dem Jahr, in dem der Fall der Mauer vor zehn Jahren gefeiert wird, zu einer „DDR light“. Als Belege verweist das Wirtschaftsblatt auf die zahlreichen staatlichen Rettungspakete für einzelne Branchen oder Unternehmen, die Merkel selbst noch vor Monaten abgelehnt hätte. „Der Staat hat weder die Kompetenz noch die personellen Ressourcen, um entscheiden zu können, ob eine Firma das Opfer der Finanzkrise ist oder selbst Fehler begangen hat“, begründet Les Echos die Kritik.

Hilfe für den Oligarchen

Der Staat lässt den hoch verschuldeten Oligarchen Oleg Deripaska nicht im Stich, schreibt die Tageszeitung Vedomosti. Die Regierung habe sich bereit erklärt, Deripaskas Automobilholding GAZ mit rund 450 Millionen Euro unter die Arme zu greifen. GAZ habe mit rund 900 Millionen Dollar die höchsten Schulden unter den russischen Autobauern. Außerdem sei der Absatz auf ein Viertel geschrumpft. Eine staatliche Bank solle nun GAZ-Anleihen im Wert von 500 Millionen Euro erwerben. „Früher haben bereits andere Unternehmen aus dem Firmenimperium des Oligarchen Finanzhilfe bekommen“, erinnert das Blatt. So habe die staatliche Bank VEB Deripasaks Aluminiumriesen UC Rusal einen einmaligen Kredit über 4,5 Milliarden Dollar gewährt. Im Dezember habe die Bank Soyuz, die ebenfalls Deripaska gehört, Geld erhalten.

Skandal in Davos beschert Türkei Investitionen

Nach dem Eklat um Recep Tayyip Erdogan in Davos sei der türkische Staatspräsident in den arabischen Ländern wie ein Staatsheld gefeiert worden, meldet die türkische Zeitung Stargazetesi. Zahlreiche Unternehmen aus dem arabischen Raum suchten jetzt nach Investitionsmöglichkeiten in der Türkei, die wieder die erste Adresse für Investition aus den arabischen Nachbarländern sei. Lange Zeit seien die Geschäftsbeziehungen eingefroren gewesen, da viele der Nachbarn kein Vertrauen in die Türkei gehabt hätten. Dies habe sich mit einem Schlag geändert. In diesem Jahr könnte sich die Zahl der Exporte in die arabischen Märkte spielend verdoppeln. Auch die Golfstaaten zeigten großes Interesse. So schnürten der Investmentfonds Abu Dhabi Investment House und die islamische Investmentbank Gulf Finance House ein Investitionspaket in Höhe von neun Milliarden Dollar.

Asiatische Wirtschaftsprobleme hausgemacht

Der Economist analysiert die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Asien. China sowie die restlichen Länder der Region, die gehofft hatten, vom „ökonomischen Trauma“ der westlichen Welt abgekoppelt zu sein, seien teilweise sogar stärker betroffen von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise. So sei das chinesische Bruttoinlandsprodukt, das 2007 noch um 13 Prozent gewachsen sei, im vierten Quartal 2008 beinahe stagniert, während Japan (minus 10 Prozent), Singapur (17 Prozent) und Südkorea (21 Prozent) sogar drastische Rückgänge verzeichnet hätten. Zwar gäben viele Asiaten dem Westen die Schuld am Abschwung, in Wirklichkeit sei nicht der Rückgang der Exporte, sondern die schrumpfende Binnennachfrage ausschlaggebend gewesen, analysiert das Magazin – in China fielen die Importzahlen schneller als die Exporte. Verantwortlich dafür sei größtenteils eine verfehlte Wirtschaftspolitik, die zu stark auf Exporte gesetzt habe, während die Sparquoten zu hoch geblieben seien.

Fundstück: warten und sparen

BrandEins widmet sich in der Rubrik „Die Welt in Zahlen“ diesmal der Zeit und dem Sparen. So brauche Volkswagen für die Herstellung eines Autos 35,2 Stunden, Nissan aber nur 14,2 Stunden – gleichwohl will gut Ding Weile haben: Marcel Proust habe für sein Romanepos „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ 17 Jahre benötigt. Außerdem: „Sparquote der US-amerikanischen Konsumenten im April 2008 in Prozent: 0. Sparquote der US-amerikanischen Konsumenten im November 2008 in Prozent: 2,8. Höchste Sparquote der US-amerikanischen Konsumenten nach zwei Rezessionen im Jahr 1982 in Prozent: 11, 2. Sparquote deutscher Konsumenten im Boom-Jahr 2007 in Prozent: 10,9.“

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Maxim Kireev, Feride Tavus.

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