Schwache Bilanz, starke Botschaft

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse findet trotz Rekordverlust lobende Worte für die Deutsche Bank. L’Expansion aus Frankreich sieht Christian Streiff beim französischen Autobauer PSA in der Bredouille. Türkiye Gazetesi berichtet, dass Istanbul Finanzmetropole Nummer eins werden will. Fundstück: Hendl am Bosporus.

Die Deutsche Bank hat gestern den ersten Jahresverlust seit dem Zweiten Weltkrieg für 2008 ausgewiesen. Die Neue Zürcher Zeitung lobt das Institut dafür, dass es als letzte deutsche Großbank ihr Schicksal noch selbst bestimme könne. Zum einen schaffe sie rasch Remedur, wenn sie Fehler – wie im Eigenhandel – erkannt habe; außerdem habe sie ihre kritischen Wertpapierbestände nach dem Motto „Weg mit Schaden“ radikal abgebaut.

Nachdem Mitte Januar gemeldet wurde, dass Boaz Weinstein, Co-Leiter des Kredithandels bei der Deutschen Bank, das Institut verlassen werde, um einen eigenen Hedge-Fonds zu gründen, beschreibt das Wall Street Journal minutiös den Niedergang eines der „heißesten Händler der Wall Street“. Als „Schach-Meister, Poker- und Blackjack-Liebhaber“ sowie Top-Trader habe Weinstein große Wetten mit komplexen Finanz-Instrumenten abgeschlossen und der Bank große Gewinne sowie sich selbst ein Jahresgehalt von 40 Millionen Dollar beschert. 2008 habe sein Unternehmensbereich allerdings dem Institut einen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar eingebracht und somit einen großen Teil zum Jahresverlust beigesteuert. Die Verluste, schreibt das WSJ, seien die „jüngste Erinnerung an die Herausforderungen der neuen Ordnung in der Finanzwelt“. Während die Wall-Street-Firmen früher einen großen Teil ihrer Profite durch das hochriskante Geschäft aggressiver Händler erwirtschaftet hätten, seien sie nun auf der Suche nach neuen Erlösquellen. Trotz der jüngsten Bauchlandung hielten Investoren Weinstein die Stange und engagierten sich bei seinem neuen Fonds – im Sommer wolle Weinstein loslegen.

PSA-Chef unter Druck

L’Expansion aus Frankreich zeigt, wie stark der frühere Airbus-Chef Christian Streiff beim französischen Autobauer PSA unter Druck steht. Hintergrund: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy müsse seinen Hilfsplan für die Autoindustrie verschieben, weil Streiff dem Staat kein Einspruchsrecht bei Konzernentscheidungen einräumen wolle. Teile der PSA-Eignerfamilie Peugeot wollten Streiff ablösen. Innerhalb des Managements gebe es Stimmen, die Streiff fehlende Visionen vorwürfen. In den vergangenen Wochen sei PSA personell ausgeblutet: Sowohl der Personalchef Jean-Luc Vergne als auch Hervé Guyot, Chef der Finanzsparte, und Citroen-Chef Gilles Michel hätten PSA verlassen. „Das Drama um Christian Streiff besteht darin, dass er von der Familie Peugeot eingekeilt wird“, zitiert das Blatt einen Unternehmenskenner. Streiff leite das operative Geschäft, habe aber keinen Einfluss auf die Strategie.

Istanbul will Finanzmetropole Nummer eins werden

Istanbul wolle in zehn Jahren in der Region und in 30 Jahren weltweit die Finanzmetropole Nummer eins sein, berichtet Türkiye Gazetesi. Staatssekretär Nazi Ekren habe in dem Zeitungsinterview erklärt, dass die Regierung bis Juni die entsprechende Strategie festlegen wolle. Es sei nicht einfach, ein Finanzzentrum wie London oder Hong Kong zu etablieren. Dabei bedürfe es nicht nur Finanzmittel – bis 2025 würden rund 150.000 Fach- und Führungskräfte in diesem Sektor benötigt. Dennoch führe kein Weg an der Profilierung der Türkei als Finanzstandort vorbei: 2023 werde das Land zu den zehn größten Wirtschaftsmärkten zählen, daher müsse es auch im Bankensektor zu den größten Märkten gehören.

Lukratives Redesign von Web-Shops

Das US-Wirtschaftsmagazin Fast Company zeigt die mitunter gravierenden Umsatzeinbußen durch falsch konzipierte Webshops. So habe der Usability-Experte Jared Spool (User Interface Engineering) unlängst den Shop eines großen Onliners untersucht, der auf den ersten Blick nutzerfreundlich wirke: Der User klicke auf „Checkout“, nachdem er seinen Warenkorb gefüllt habe, müsse sich dann einloggen oder ein neues Konto anlegen, bevor er seinen Kauf abschließt. Durch dieses Procedere würden nicht nur ein Großteil der bisher nicht registrierten Nutzer abgeschreckt, gleiches gelte für die Kunden, die sich oft nicht an ihre Zugangsdaten erinnerten – 45 Prozent der Nutzer hätten je nach Shop verschiedene Registrierungsdaten, einige bis zu zehn. Nach dem Redesign der konventionell aufgebauten Seite seien die Verkäufe um 45 Prozent gestiegen, um 300 Millionen Dollar im gesamten Jahr.

Fundstück: Hendl am Bosporus

Die türkische Tageszeitung Gazetevatan beschreibt die Expansion von Wienerwald am Bosporus. Zwei türkische Geschäftspartner hätten die Wiener Geschäftsleitung davon überzeugt, fortan auch in der Türkei Filialen zu eröffnen. Vorab seien Türken in Deutschland nach ihrem Lieblingsgericht befragt worden. Ergebnis: Wienerwald-Hähnchen mit Kartoffeln. Für die türkischen Hähnchen-Liebhaber, argumentieren die Wiener, sei ein Besuch in der Hendl-Filiale oder die Hähnchen-Hauszustellung günstiger, als die Hendln selbst zu grillen. Das erste Restaurant werde im März eröffnet.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Feride Tavus.

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