Wirtschaftswache: Man muss Glos lassen können

Für die CDU/CSU mag es bitter sein, dass der angehende Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos ihr so früh im Superwahljahr eine Regierungskrise einbrockt. Die FDP mag ärgern, dass der eifrigste Fürsprecher für Steuersenkungen in der Koalition seinen Hut nimmt. Für alle anderen ist die freiwillige Entamtung des Michael Glos eine gute Nachricht.

Zugegeben: Es ist äußerst ungewiss, ob ein Nachfolger in dem nicht ganz unproblematischen Wirtschaftsressort vor der Wahl noch viel ausrichten kann. Aber andererseits hätte auch der amtsmüde Abgänger mit Sicherheit nicht mehr viel bewegt. Im Krisenmanagement der Bundesregierung hat Glos neben der Kanzlerin und dem Finanzminister jedenfalls keine wesentliche Rolle gespielt.

Wer weiß, vielleicht gelingt es dem Nachfolger – aussichtsreicher Kandidat soll CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg sein – ja wenigstens, die empfindsame Seele der deutschen Wirtschaft erfolgreicher zu massieren als sein Vorgänger. Man kennt dieses psychologische Phänomen vom Trainerwechsel im Fußball – kann man es nicht wirklich erklären, funktioniert aber trotzdem manchmal.

Wenn nicht, schwächt der de-facto-Ausfall im Wirtschaftsressort wenigstens die Position der in letzter Zeit unglaublich lästigen CSU. Vielleicht kann ein neuer Wirtschaftsminister, der besser mit dem Seehofer, Horst kann als der Glos, Michael, den neuen Ober-Bayern ja von dem einen oder anderen Querschuss abhalten. Das wäre zumindest ungemein wohltuend.

Natürlich ist all das, ach, nur Spekulation. Gut möglich, dass sich auch der Beitrag des neuen Ministers zur Wirtschaftskrisenbewältigung darauf beschränken wird, bei jeder unpassenden Gelegenheit “Steuersenkung!” zu krähen. Gut möglich auch, dass die Chaotisch Soziale Union (Copyright Spiegel Online) im Bemühen um Profilierung jetzt noch erratischer agieren wird als bisher schon.

Aber das mag dann vielleicht wenigstens den Wählern in Bayern zu denken geben. Und die haben ja bei der letzten Landtagswahl herausgefunden, dass man auch mal was anderes wählen kann als die CSU.

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