Die Selbstdemontage des Herrn Glos

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: L’Est Republicain jubelt über den „Ethischen Code“ für französische Banken. Die NZZ attestiert der UBS-Spitze mangelndes Krisenmanagement. Die Nesawissimaja Gazeta berichtet über sinkende Gasförderung bei Gazprom. Fundstück: Bed Banks statt Bad Banks?

China wächst – dank seiner Bevölkerung

Nach wie vor rosige Zeiten prognostiziert das Nachrichtenportal Wales Online der chinesischen Wirtschaft. Zwar sei der Export, der immerhin 40 Prozent des Bruttosozialprodukts der Volksrepublik ausmache, zuletzt um dreizehn Prozent eingebrochen, und 26 Millionen Wanderarbeiter seien arbeitslos geworden. Dennoch sei China in einer besseren Position als die westlichen Nationen, um dem „Wirtschaftssturm der kommenden zwölf Monate“ zu trotzen. So werde die Wirtschaft 2009 um acht Prozent wachsen, es gebe einen Haushaltsüberschuss, die Sparrate sei hoch und die Banken hätten eine Menge Kapital. Auch habe die Regierung 400 Milliarden Pfund für ein Stimuluspaket zur Verfügung gestellt. Wachstumsmotor Nummer Eins aber sei die Bevölkerung: „Bis 2025 werden 325 Millionen Chinesen hinzukommen. Für sie müssen Hochhäuser, Verkehrsmittel, ja ganze Städte gebaut werden.“ China werde langfristig ein wichtiger Partner für alle Wirtschaftsnationen bleiben.

Ethikunterricht für Frankreichs Banken

„Das goldene Zeitalter der Händler ist zu Ende“, bejubelt die französische Tageszeitung L’Est Republicain den Plan der französischen Banken und der Regierung, einen „Ethischen Code“ einzuführen. Mit diesem solle es künftig nicht mehr möglich sein, Wertpapierhändlern ungerechtfertigt hohe Bonuszahlungen und andere Gratifikationen zuzugestehen. Der Code sei von einer Arbeitsgruppe des Finanzministeriums erarbeitet worden und solle Anfang 2010 in Kraft treten. Er schreibe vor, bei den Berechnungen für Bonuszahlungen den Nettogewinn des Händlers, inklusive aller Kosten, wie etwa für Risiko oder Kapital, zugrunde zu legen. „Damit wird den Exzessen der vergangenen Jahre Einhalt geboten.“ Auch werde der Code Gratisbonuszahlungen neu regeln, „eine fragwürdige, aber weit verbreitete Praxis, bei der die besten Wertpapierhändler Geld gezahlt bekommen, unabhängig von ihrem Erfolg.“ Zudem berücksichtige der Code künftig die reellen Gewinne für das Unternehmen und seine Kunden, er bringe mehr Transparenz, applaudiert das Blatt.

Steht die UBS-Spitze vor ihrer Ablösung?

Vor dem Hintergrund des für morgen angekündigten Jahresberichtes der UBS spekuliert die NZZ über die Ablösung von Konzernchef Marcel Rohner und Präsident Peter Kurer. Experten gingen davon aus, dass die Schweizer Großbank einen Jahresverlust von rund 20 Milliarden Franken verkünden werde. Allein im vierten Quartal 2008 habe die UBS ein Rekordminus von neun Milliarden Franken hinnehmen müssen, nun sollten weitere 2000 bis 3000 Stellen abgebaut werden. Das Vertrauen in die UBS sei längst nicht zurück, die Investoren seien skeptisch, im tiefen Aktienkurs – er sei seit der staatlichen Rettungsaktion um über 30 Prozent gefallen – spiegele sich ein klares Misstrauen in die Führung und das künftige Geschäftsmodell.

Gazprom schraubt die Erdgasförderung zurück

Die Erdgasförderung des russischen Gasriesen Gazprom könnte in diesem Jahr um sieben Prozent sinken, schreibt die Nesawissimaja Gazeta. Das gehe aus einer internen Präsentation des Unternehmens hervor. Entsprechend werde der Konzern weniger Exportieren und rechne mit sinkenden Exporteinnahmen. „Der Exportpreis für europäische Gaskunden ist von 409 auf 280 Dollar pro 1.000 Kubikmeter gefallen“, schreibt das Blatt. Der Konzern sei nicht daran interessiert, viel Gas für einen derart niedrigen Preis zu verkaufen. „Die wegbrechenden Einnahmen könnten Gazproms Investitionsprogramm in Frage stellen, das für 2009 immerhin 26,2 Milliarden Dollar beträgt“, meint die Zeitung. Das wiederum könne dazu führen, dass die Gasförderung weiter sinke und der Konzern seine Lieferverträge nicht mehr einhalten könne.

Japan fehlen die Ausländer

„Die Türen nach Japan beginnen sich langsam zu schließen“, stellt die Japan Times fest: Der aufgrund der Wirtschaftskrise stärker gewordene Yen schrecke Studenten, Auszubildende oder Arbeitskräfte aus dem Ausland zunehmend ab, weil ihnen die Studiengebühren zu teuer werden. Damit könnten zwei Jahrzehnte positiver Entwicklung hinsichtlich der Internationalisierung von Bildung und Arbeit in Japan verloren gehen. Die Anzahl ausländischer Studenten und Lehrlinge sei in diesem Jahr dramatisch zurückgegangen, die vom Premierminister avisierte Anzahl von 300.000 Studenten sei illusorisch. Maßnahmen der Regierung seien nun nötig, um die Austauschprogramme zu stützen. Der positive Effekt eines intensiven Kontakts zwischen Japanern und Ausländern sei nicht zu unterschätzen, für Schüler, Studenten oder Arbeitskräfte seien Auslandserfahrungen oft Lebens verändernd und ihr Engagement für die japanische Gesellschaft bereichernd. „Es darf nicht sein, das im Zuge der Wirtschaftskrise diese Schritte in Richtung sinnvoller, auf zwischenmenschlichen Begegnungen basierenden, Internationalisierung zerstört werden.“

Fundstück: Bed Banks statt Bad Banks?

Mit sehr gutem Willen und einer Dosis Leichtgläubigkeit könne man meinen, dass die portugiesische Zentralbank allen Aufsichtspflichten über die BPN-Bank nachgekommen sei. Aber die Ergebnisse der Untersuchungen des Parlaments zum Fall der im November verstaatlichten Bank belegten das Gegenteil, stellt das portugiesische Jornal de Negócios lakonisch fest. Die Bank habe mit Geschäften in der portugiesischen Ex-Kolonie Kap Verde erhebliche Verluste gemacht und war so im Herbst zahlungsunfähig geworden. Diese Aktivitäten dürften nicht ganz aus der Sichtweite der Zentralbankaufsicht gewesen sein. Statt über „Bad Banks“ zu diskutieren, sollten doch erst einmal die „Bed Banks“ mit ihren schlafenden Mitarbeitern reformiert werden, empfiehlt das Blatt.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de.

Mitarbeit: Charlotte Bartels, Kerstin Herrn, Maxim Kireev.

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