Die führungslose Rakete Sarkozy

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird. Heute: Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert die Staatshilfen für Renault und Peugeot Citroën und deren Folgen für die Europäische Union. Minyanville.com begrüßt den Plan, Chrysler und GM in den Konkurs zu treiben. La Tribune staunt über das freche Auftreten von Apple. Fundstück: Guttenberg – wie viele Wirtschaftsminister sind das denn?

L?Expansion aus Frankreich verteidigt die Staatshilfen für Renault und Peugeot Citroën: “Der Staat übernimmt hier schlicht die Rolle des letztmöglichen Darlehensgebers, er hat nun mal auch eine wirtschaftliche Mission.” Die Hilfe der Regierung wirke doppelt: Zum einen werde die Wettbewerbsfähigkeit der “Champions” Renault und Peugeot Citroën bewahrt, zum anderen helfe sie ihnen, sich von der Abhängigkeit von anderen Kreditgebern zu befreien und keine Nachteile zu erleiden im Vergleich zur Konkurrenz, vor allem zur amerikanischen, die vom US-Staat ebenfalls massiv unterstützt wurde. Mit Blick auf die Forderung der Regierung, die Gelder gebe es nur, wenn die Autohersteller in Frankreich produzierten, merkt das Blatt an, dass Staatshilfen stets eine soziale Komponente hätten: “Es war wichtig, Renault und Peugeot Citroën ihre Verantwortung für ihre Partner und Zulieferfirmen in Frankreich zu verdeutlichen.”

Konkurs zur Rettung der Steuerzahler

Den möglichen Plänen der US-Regierung, die beiden Autohersteller Chrysler und General Motors in den Konkurs zu treiben, gewinnt das New Yorker Finanz-Portal Minyanville.com viel Positives ab. “Noch müssen sich die Steuerzahler bei der Frage nach der Rückzahlung von Schulden hinter Gläubigern wie Citigroup, JP Morgan und Goldman Sachs einreihen, doch wenn der US-Kongress die beiden Schwergewichte tatsächlich zwingt, für weitere Rettungsgelder Konkurs anzumelden, ändert sich das.” Diese Gelder könne der Staat als praktischer Insolvenzverwalter in Form eines Darlehens zahlen – und so garantieren, dass die bisherigen Hilfen über 17,4 Milliarden Dollar an die Steuerzahler zurückfließen. Noch hätten Chrysler und GM bis zum 27. Februar Zeit, um zu zeigen, dass sie die Finanzhilfen der Regierung gut genutzt haben, bis zum 31. März müssten sie dann nachweisen, dass sie profitabel werden und die Gelder zurückzahlen können. “Beiden geht es nicht gut, die Verkaufszahlen gehen weiter zurück, Fabrikschließungen und Entlassungen stehen an. Eine schnelle Rettung ist nicht in Sicht. Doch mit ein paar Tricks ist vielleicht wenigstens der Steuerzahler am Ende fein raus.”

BP trotzt der Krise

Ein äußerst schwieriges Jahr sagt der Herald aus Schottland British Petrol voraus. Der erste Quartalsverlust (3,3 Milliarden Dollar) seit mehr als sieben Jahren, sinkende Ölpreise und neue Kosten aufgrund von Steuern und Währungsgebühren in Russland – BP stehe alles andere als gut da. Nach Einschätzung von Analysten bräuchte das Unternehmen einen Ölpreis von 50 bis 60 Dollar, um seine ambitionierten Investitionsprogramme durchziehen und die Dividenden wie geplant auszahlen zu können. Stimmen mehrten sich, dass BP mit dem US-Rivalen Exxon Mobile zusammengehen wolle, weil sich Förderbedingungen verschlechterten und es immer schwierige sei, neue Ölfelder auszumachen. Doch BP kämpfe: “Sie haben 2008 fünf Milliarden Dollar Fremdkapital eingeworben, und noch scheinen sie den Folgen der Kreditkrise widerstehen zu können: BP hält an seinen Plänen, 20 bis 22 Milliarden Dollar zu investieren, fest.” Irritierend sei aber, dass BP noch keinen Nachfolger für den scheidenden Präsidenten Peter Sutherland vorweisen könne. Insider vermuten, dass Paul Skinner von Rio Tinto, der 30 Jahre bei Shell beschäftigt gewesen sei, den Job bekomme.

Apple gibt sich tollkühn

Das bisweilen freche Vorgehen von Apple bestaunt La Tribune aus Frankreich: “Die Innovationskraft des Unternehmens kennt keine Grenzen, offenbar auch nicht die Kreativität der Marketingabteilung.” Denn Apple habe es nun geschafft, dass der Kunde zweimal für das gleiche Produkt zahle. “Das hätte selbst ein als Louis de Funes verkleideter Teppichvertreter nicht so gut hinbekommen.” Apple habe die Softwarebeschränkungen, die bislang beim Herunterladen von Musik aus dem Portal iTunes bestanden, aufgehoben. Nun könnten sich auch Nutzer, die keine Apple-Produkte hätten, Songs bei iTunes holen, “Apple hat damit praktisch seinen Nutzern erlaubt, sich zu emanzipieren.” Doch wer das Kleingedruckte der dazu gehörigen Anzeige lese, staune nicht schlecht: “Apple verlangt zusätzlich zu den 99 Cent pro Song 30 Cent, Euro oder Dollar, je nachdem, wo der User lebt.” Für den unbeschränkten Zugang zahle der Kunde also doppelt. “Apple genießt bei den Verbrauchern das Image des guten Konzerns, im Gegensatz zu den “Bösen” wie Microsoft oder IBM. Doch die Leute für Trottel zu halten, könnte unzählige Ahnungslose aufwecken.”

Fragwürdiger Gas-Kredit Russlands an die Ukraine

Mit dem fünf Milliarden Euro Kredit, um den die ukrainische Regierung Russland kürzlich gebeten hat, soll in Wahrheit Julia Tomischenkos Wahlkampagne fürs Präsidentenamt der Ukraine finanziert werden, schreibt die Tageszeitung Nesawissimaja Gazeta. “Es ist naiv zu denken, Russland würde der Ukraine aus Bruderhilfe eine derart hohe Summe gewähren”, schreibt das Blatt. Selbst Weißrussland habe nur zwei Milliarden bekommen. Moskau sei bereit dafür zu bezahlen, dass in Kiew eine kompromissfähige Person an die Macht komme, mit der sich der Kreml nicht nur in Gasfragen einigen könne. “Timoschenko will den Wählern demonstrieren, dass sie das Verhältnis zwischen Moskau und Kiew wieder ausbügeln kann”, analysiert die Zeitung. Die Ukrainer seien die ständigen Konfrontationen von Präsident Wiktor Juschtschenko mit den Machthabern in Moskau satt. “Diese Stimmung wollen der Kreml und Timoschenko ausnutzen”, glaubt das Blatt.

Thailands Militärs wollen Spielzeug in der Krise

Über die “schießwütigen” Oberbefehlshaber des thailändischen Militärs empört sich die Bangkok Post . Obwohl die Regierung fast bankrott sei, forderten diese mehr Geld, um neue “Spielzeuge” zu kaufen. Dabei gebe es keine potenzielle Bedrohung für Thailand, die den Wunsch nach neuen High-Tech Waffen rechtfertige, so das Blatt. Umso unverständlicher sei es, dass die Vier-Sterne-Generäle der drei Streitkräfte den Premier für ihre Verteidigungspläne um einem “größeren Batzen Geld” gebeten hätten – für die Anschaffung von Schützenpanzern, Kampfhubschraubern oder gar einer Kriegsflotte. Angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme und der Tatsache, dass die thailändische Regierung gerade ihre schlimmste Finanzkrise durchmache, sei der Wunsch nach einem größeren Verteidigungsetat frech. An erster Stelle stehe jetzt die Rettung der Wirtschaft und dass das Land die Wirtschaftskrise mit nur geringen Blessuren überstehe. Da müssten alle den Gürtel enger schnallen, auch die Militärs.

Fundstück: Guttenberg – wie viele Wirtschaftsminister sind das denn?

Die Ernennung des Nachfolgers von Wirtschaftsminister Michael Glos hat bei der taz Erinnerungen an Raymond Chandlers Kriminalroman “Farewell, My Lovely” wach gerufen: Darin gebe es einen Gangster namens Moose Malloy, so groß wie ein Elch, aber nicht allzu klug. Als ihm der von ihm beauftragte Detektiv Philip Marlowe von einer Frau mit einem langen Mehrfachnamen berichtet, stelle Moose Malloy die legendäre Frage: “Wie viele sind das denn?” Genau das habe sich das Blatt gefragt, als der neue Bundeswirtschaftsminister von der CSU ernannt wurde: “Der Mann heißt tatsächlich mit vollem Namen: Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Dagegen ist ja Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah ein Waisenknabe und Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf nur eine Halbwaise.” Bei solch einem Endlosnamen müsse ein Spitzname her: “Wie wäre es denn mit Moose? Nach dem Problembär Glos, jetzt der Elchbulle Guttenberg.”

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de.

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Maxim Kireev.

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