“Frauen können immer”, dieses ebenso anzügliche wie sinnfreie (was denn? kotzen?) Motto soll seit kurzem für das Frauen-Internetportal fem.com von ProSiebenSat1 werben. Ob die allseits vorangetriebenen Webseiten für Frauen den Boden wettmachen können, der den gedruckten Frauenzeitschriften gerade wegzubrechen droht (siehe dwdl-Bericht über die ivw-Zahlen), ist allerdings fraglich, zumal die Portale ästhetisch so anheimelnd sind wie Tamponwerbung und inhaltlich so innovativ und zukunftsorientiert wie Bernd das Brot.
Die Rubriken bei fem.com sind nach „stars, fashion, beauty, lifestyle, private, astro” aufgeteilt. Warum gibt es offenbar keine anderen Themen als Mode, Kosmetik, Klatsch und Horoskope? (Ok, bei der Konkurrenz von Springer, gofeminin.de, kommen noch Kochen und Hochzeit sowie “sexy Dessous” dazu…) Ich halte, und das muss ich hier mal ganz laut sagen, diese Entmündigung von Frauen (keine Politik, keine Wirtschaft, keine wirklich wichtigen Themen!) und die Reduktion von angeblichen Frauenthemen auf kommerziell verwertbares Anzeigenumfeld für eine Demütigung.
Sicher hat das Themenspektrum von Frauenzeitschriften und -internetseiten ein bisschen was mit den Klischees zu tun, wie Männer (Verleger, Redakteure….) sich Fraueninteressen vorstellen. Ich glaube aber gar nicht, dass das der entscheidende Punkt ist. Wirtschaftliche und strukturelle Faktoren sind viel entscheidender. Wirtschaftliche, weil es sich bei den Themen um solche handelt, in deren Kontext man wunderbar Kosmetik-, Schmuck- und Modewerbung unterbringen und den Konsum anheizen kann. Die Wirtschaftskrise ist halt nicht so der Anzeigenbringer. Strukturelle, weil es gesellschaftlich immer noch erwünscht ist, Frauen vom Arbeitsmarkt und aus der Politik fernzuhalten. Frauen werden auf ihre Rolle als passive Objekte beschränkt, die sich sexy anziehen, dem Mann was Leckeres kochen, sich aber ansonsten ihre hübschen Köpfchen nicht zerbrechen. Stress und Probleme hat mann ja im Alltag genug, da muss mann nicht auch noch mit der kleinen Frau zu Hause über Politik diskutieren müssen…
Auch Männerthemen sind in den einschlägigen Zeitschriften natürlich extrem reduziert, überwiegend auf nackte Frauen, Fußball und Autos. Auch hier gibt es eine Tendenz zu kommerziellen, politikfreien Inhalten. Auch hier geht es um Unterhaltung. Und auch hier ist ganz sicher, dass es viele Männer gibt, die sich auch für andere Themen interessieren. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied, der eben in der aktiven, machtvolleren Rolle liegt: Die „Männerthemen” implizieren die Rolle eines handelnden Mannes, der Situationen kontrolliert und Entscheidungen trifft.
Das hat nichts damit zu tun, wie Männer oder Frauen wirklich sind, sondern damit, welches Bild in Medien von ihren Rollen gezeichnet wird. Und dieses Bild prägt wiederum die Vorstellungen, die wir uns selbst von unseren eigenen Rollen machen, unseren Vorstellungen davon, wie wir sein sollten. Dass diese Medien-Bilder sich gegenüber denen der reaktionären 1950er Jahre, bis auf etwas mehr sexuelle Freizügigkeit, erschreckend wenig geändert haben, finde ich skandalös. Und ich finde, wir Frauen sollten das endlich nicht mehr mitmachen.



liebe andrea,
ich verstehe deine entrüstung sehr gut. und auch deinen wunsch, dass sich frauen gegen diese verdummungsstrategien vorgehen. fürchte aber, dass sich nichts tun wird. egal, wo man mit verwunderung/abscheu/ärger hinschaut, weil frauen reduziert oder instrumentalisiert werden – jenseits von der emma hört man null kritische feministische stimmen (und der emma scheint keiner zuzuhören – ich denke an die große anti-porno-kampagne vor paar jahren). dass werbung heute teilweise genauso frauenfeindlich ist wie vor zehn jahren… die aufstiegschancen weiterhin oft mies sind… scheint keine zu interessieren, oder täuscht das?