Frauen sind teuer. Nicht nur beim Rendezvous, beim Schuhkauf oder, etwas später dann, bei der Scheidung, sondern zum Beispiel auch bei der Gesundheitsversorgung: Die Krankheitskosten von Frauen übersteigen die der Männer in Deutschland insgesamt um 36%. Schnell wird das leichthin damit erklärt, dass Frauen gebrechlicher sind, öfter zum Arzt gehen und insgesamt länger leben, also auch mehr Zeit haben, krank zu werden. Eine interessante Analyse des Statistischen Bundesamtes legt jetzt aber dar, dass der Unterschied in den Krankheitskosten zwischen Frauen und Männern gar nicht groß ist, wenn man verschiedene andere Effekte, die mit Krankheit nichts zu tun haben, herausrechnet.
Manuela Nöthen hat aus der allgemeinen Statistik über die Krankheitskosten von 2006 drei Faktoren herausgenommen: die Kosten für Verhütung, Schwangerschaft und Geburt; den höheren Anteil an Frauen in der älteren Altersgruppe sowie die Kosten in Pflegeeinrichtungen. Wenn man diese Faktoren herausrechnet, beträgt der Unterschied zwischen Frauen und Männern bei den Krankheitskosten nur noch 4%.
Die Kosten rund um Verhütung, Schwangerschaft und Geburt werden ja von Männern gleichermaßen mit verursacht, aber überwiegend den Frauen zugeschrieben. Gerechterweise müsste man also alle Kosten, die damit zu tun haben, aus dem Vergleich herausnehmen. So schrumpft der Unterschied schon mal von 36% auf 32%.
Dann werden Menschen ja vor allem im Alter krank und verursachen, je älter sie werden, höhere Kosten. Ab dem 65. Lebensjahr entstehen, so Nöthen, 62% der Kosten bei den Frauen, ab dem 85. Lebensjahr sogar 80%, was aber überwiegend mit dem höheren Anteil an Frauen in diesen Altersgruppen zu tun hat. Neben der höheren Lebenserwartung von Frauen ist das vor allem auf die beiden Weltkriege zurückzuführen. Deshalb nimmt der Anteil an Männern in den älteren Altersgruppen in den letzten Jahren auch stark zu. Was wäre nun, wenn es gleich viele ältere Männer wie Frauen gäbe? Manuela Nöthen hat das ausgerechnet und stellt fest: Wenn man den demografischen Effekt zusammen mit den „Reproduktionskosten” (Schwangerschaft usw.) berücksichtigt, schnurrt der Unterschied zwischen Frauen und Männern auf 6% zusammen.
Schließlich hat sich Nöthen auch noch die Kosten in Pflegeeinrichtungen angeschaut. Ihre Überlegung: Frauen pflegen Männer häufig im Alter selbst, während Frauen häufiger auf Pflege außerhalb der Familie und in Pflegeeinrichtungen angewiesen sind. Dass Frauen also in Pflegeeinrichtungen höhere Kosten verursachen, liegt nicht daran, dass Männer keine Pflege benötigen, sondern dass diese nur weniger Kosten verursacht. Nöthen hat also auch die Leistungen in Pflegeeinrichtungen abgezogen, nun kosten die Frauen nur noch 4% mehr als Männer.
Der Unterschied wird sich noch weiter angleichen, sagt Nöthen voraus: Die Krankheitskosten von Männern, besonders im Alter, sind proportional stark angestiegen, hauptsächlich deshalb, weil unter den älteren Menschen die Zahl der Männer deutlich zugenommen hat und weiter zunehmen wird, solange, was alle Mächte verhüten mögen, keiner einen weiteren Weltkrieg vom Zaun bricht.



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