Wirtschaftswache: Psycho

Zu seinem Amtsantritt hat der neue Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Optimismus gemacht und Ludwig Erhards berühmten Spruch zitiert, dass Wirtschaft zu 50 Prozent aus Psychologie besteht. Jetzt muss er nur noch erklären, warum das ein Grund für Optimismus sein soll.

Ich habe da zum Beispiel gerade diesen englischen Thriller gelesen, in dem ein englischer Landarzt einen krankhaften Sadisten auf widerwärtige Weise Frauen um die Ecke bringen lässt, weil seine eigene Frau ihn ständig betrogen hat. Ich meine, heutzutage recherchieren diese Thrillerautoren für ihre Bücher ja akribisch wie früher der Spiegel. Also sitzt man da und denkt staunend: So was gibt es also auch.

Na gut, mit Wirtschaft hat dieses konkrete Beispiel jetzt nicht so viel zu tun. Da werden Schäfchen ins Trockene und nicht Frauen um die Ecke gebracht. Ganz was anderes. Aber zum Staunen gibt es trotzdem genug. Neulich zum Beispiel bei der Lektüre der Neuen Zürcher: Da schrieb ein Kommentator zur geplanten Enteignung der abstürzenden Hypo Real Estate, Deutschland werde “für Investoren unsicherer”.

Da schau her. Es gibt derzeit nun wirklich Vieles, was Investoren ängstigen muss. Aber dass die Bundesregierung die Lust am massenhaften Enteignen von Kreditinsitituten überkommen könnte, ist nun wirklich eine vernachlässigenswerte Gefahr. Trotzdem scheint zumindest Beobachter aus der Schweiz ebendiese Angst zu schütteln. Komisch zwar, aber diese Kommentatoren haben ja heutzutage das Ohr ganz nah an der Wirtschaft. Und da war es wieder, dieses Staunen: So was gibt es also auch.

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