Die internationale Wirtschaftspresse beleuchtet mögliche Konsequenzen aus dem Einstieg des Emirats Abu Dhabi bei Daimler. Economist und Challenges kommentieren die Ankunft des billigsten Autos der Welt: der Nano von Tata. Kommersant vermutet, dass Ungarns Ex-Premier Gyurcsany zu Gazprom wechselt. Fundstück: Entsorgen Sie einfach mit Ihrem guten Namen!
Eine “Offensive der Staatsfonds” mit ungewissen Folgen leitet das manager-magazin aus dem Einstieg des Emirats Abu Dhabi bei Daimler ab. Vieles spreche dafür, dass Staatsfonds aus dem Nahen und Mittleren Osten in nächster Zeit in Mitteleuropa und Deutschland verstärkt aktiv werden. Ihre Kassen seien trotz Krise gut gefüllt, Unternehmenswerte und Aktienkurse befänden sich im Keller und Regierungen würden angesichts verzweifelter Versuche, die Wirtschaft zu retten, den Widerstand gegen vermeintlich gefährliche Investoren aus dem Ausland aufgeben. So investierten sie in Europa in die ganze Bandbreite der Wirtschaft, vom Maschinenbau bis hin zur Autoindustrie, und seien dabei “fest entschlossen, aktiver ins Management bei den Unternehmensbeteiligungen einzugreifen.” Ihre Anlagestrategie ändere sich, sie verhielten sich zunehmend wie klassische Investoren.
Eine neue Klasse der “Mächtigen” macht dagegen die WirtschaftsWoche aus: “Wer jetzt noch Geld hat, ist König.” Und das seien nicht mehr die Banken, sondern Großinvestoren, die bei Kapitalerhöhungen von Rabatten profitierten, wie die Investmentgesellschaft Aabar bei Daimler, oder die kräftig Gebühren bei Aktienemissionen einstrichen: “Die Macht hat, wer trotz der Krise noch Milliarden investieren kann. Daher sind es oft diese Großaktionäre, die abkassieren, wenn ein angeschlagenes Unternehmen dringend frisches Eigenkapital braucht.” Den Banken würde diese neue Konkurrenz gar nicht passen – aber sie seien machtlos. “Wenn Banken kein Risiko mehr auf der Bilanz tragen können, die Aktionäre aber schon, dann muss es leider so sein, dass die Aktionäre sich das bezahlen lassen”, zitiert das Blatt einen Londoner Aktienemissionsbanker. Nur eins verändere sich nicht: Privatanleger blieben bei dem Gebührenspiel außen vor. Sie dürften schon froh sein, wenn überhaupt jemand frisches Eigenkapital zur Verfügung stelle.
Die Financial Times analysiert den Deal aus der Perspektive Abu Dhabis: “Das ist nicht nur eine strategische Entscheidung für den langfristigen Erfolg eines der Top-Autohersteller der Welt, und es geht auch nicht nur darum, in Wirtschaftsbereiche zu diversifizieren, die nicht mit Öl verbunden sind. Abu Dhabi geht es um viel mehr.” All die Aktivitäten, die Beteiligungen (u. a. an Ferrari, General Electric, Rolls Roys oder EADS) zeugten von dem Willen des Landes, Know How in der herstellenden Industrie und eine Kultur der Innovation aufzubauen. “Es soll ein Gegenpol zum üblichen Golf-Staaten-Modell geschaffen werden, wo der öffentliche Sektor die meisten Arbeitsplätze vorhält und Handelsgesellschaften dominieren.” Vor 40 Jahren habe der syrische Philosoph Sadek al-Azm behauptet, dass sich die Araber aus den ökonomischen und gesellschaftlichen Prozessen ausgeklinkt hätten, die Innovation und wissenschaftlichen Fortschritt ermöglichen. “Abu Dhabi scheint nicht mehr nur konsumieren, sondern auch etwas erzeugen zu wollen.”
Alles Nano, oder was?
Mit Skepsis betrachtet der Economist aus Großbritannien den soeben vorgestellten Nano von Tata Motors. Für Indien könne das Auto ein Fortschritt sein, denn Ratan Tata sehe die Konkurrenz des Nano nicht in anderen preiswerten Kleinwagen, sondern in den Tretrollern und Motorrädern, die viele Inder nutzten. Doch der Preis von umgerechnet 1.970 Dollar sei eine Mogelpackung, gelte dieser doch ab Werk; durch Zustellung und Steuern kämen mindesten zehn Prozent hinzu, Nebelleuchten oder Klimaanlage seien ebenfalls extra zu zahlen. Und vom Plan Tatas, 250.000 Autos pro Jahr zu fertigen, sei man noch weit entfernt: “Frühestens im April können Nanos bestellt werden, es gibt derzeit nur eine Fabrik, die 4000 bis 5000 Autos im Monat schafft.” Auch sei fraglich, ob die besser ausgestattete und teurere Version in Europa Fuß fassen könne: “Der Nano ist nicht einzigartig genug, um den Kultstatus zu erlangen, der die reichen Europäer über sein klobiges Äußeres und das spartanisch Interieur hinwegsehen lassen würde.” Und schließlich habe Tata Motors immer noch an der Übernahme von Jaguar und Land Rover zu knacken; im Juni sei ein Überbrückungsdarlehen fällig. “Tata will Indien zu einer Autonation machen, doch bislang hat er gerade mal in den zweiten Gang geschaltet.”
Challenges aus Frankreich beleuchtet die zwei Seiten des Erfolges, für den der Nano stehe. Viel später als von Ratan Tata gewünscht, käme das “billigste Auto der Welt” nun auf den Markt, und das habe vor allem mit dem Fiasko in Westbengalen zu tun, wo Tata eine Fabrik bauen wollte und auf überraschenden Widerstand der Bauern stieß, die ihr Land nicht hergeben wollten. “Dieser Streit steht für den Kampf zwischen dem glitzernden Indien mit seiner wachsenden Mittelklasse, und dem Indien der armen Leute. Der Eklat um Tatas Bauland war letztlich ein nationales Drama.” Nun sei er da, der Nano, für die Familien, denen endlich der Zugang zu einem Auto erleichtert werde; die Bauern in Westbengalen hätten dagegen Land, das nun unbrauchbar sei, und keine Jobs. “Gibt es eine Moral? Ja, und zwar die, dass der Nano Gewinner und Verlierer hervorgebracht hat. Der Nano ist bereits jetzt mit Geschichte belastet.” Er stehe aber auch dafür, dass die Ambivalenz, die das Britische Empire auszeichnete, im modernen Indien angekommen sei, bei einem Konzern, der alles anbiete, vom Stahl über Nobelhotels bis zu feinstem englischem Tee.
Kampf an der Spitze des spanischen Medienkonzerns Ono
Der Kampf um den höchsten Posten bei Ono ist in vollem Gang, beobachtet Cinco Días. Mit Antonio Viana und Rosalía Portela konkurrierten zwei Ex-Manager von Telefónica um den derzeit unbesetzten Posten des Vorstandsvorsitzenden. Wichtige Umstrukturierungen stünden dem Unternehmen bevor, um sich der Probleme der letzten Jahre entledigen und um dem ehemaligen Monopolisten Telefónica die Stirn bieten zu können. Beide Kandidaten zeichneten sich durch ihre langjährige Erfahrung im spanischen Telekommunikationsgeschäft aus. Antonio Viana glänze besonders durch seine strategische Vorstellungskraft, Rosalía Portela habe im Gegenzug viel Verkaufserfahrung. Jetzt müsse der Aufsichtsrat von Ono entscheiden.
Geht Ungarns Ex-Premier zu Gazprom?
Der Rücktritt des ungarischen Premiers Ferenc Gyurcsany ist eine unangenehme Überraschung für Moskau und Gazprom, kommentiert die Tageszeitung Kommersant . Gyurcsany sei unter den europäischen Politikern einer der größten Befürworter von Gazproms Projekt South-Stream. Obwohl die nötigen Abkommen zwischen Gazrpom und Ungarn über den Bau der Pipeline über ungarisches Territorium unterschrieben seien, könne sich das Projekt nun verzögern. “Es ist wahrscheinlich, dass der neue Premier von der Opposition kommt. Diese ist nach dem Gaskonflikt mit der Ukraine gegen einen Ausbau der Kooperation mit Gazprom”, schreibt das Blatt. Allerdings habe Gazprom bereits nach dem Regierungswechsel in Deutschland den Ex-Kanzler Gerhard Schröder zu einem hohen Posten bei Nord-Stream verholfen, wo er weiter Lobbyismus betreiben konnte. “Für Ferenc Gyurcsany ist dann vielleicht auch ein Posten bei South-Stream frei”, mutmaßt die Zeitung.
Indien muss regionalen Flugverkehr stärken
Die Economic Times aus Indien fordert ihre Regierung auf, kleineren, regionalen Fluggesellschaften unter die Arme zu greifen. Etwa sechs stünden in den Startlöchern, um den Betrieb aufzunehmen, trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten. Regionale Flugunternehmen operierten bereits erfolgreich, allerdings müsse eine bessere Politik und Infrastruktur her, um diese zu unterstützen. Ihre Entwicklung werde durch die Routen-Aufteilung behindert, die größtenteils von größeren Fluggesellschaften bestimmt werde. Eine schrittweise Änderung der Routen-Aufteilung durch die Politik sei daher die beste Lösung. Außerdem müsse die Regierung unbedingt in die Infrastruktur der Luftfahrt investieren, damit auch regionale Fluglinien mit höherer Startfrequenz operieren und mehr Ziele anfliegen könnten. “Die derzeit armselige Infrastruktur macht wirtschaftliche Effizienz kaum möglich.”
Fundstück: Entsorgen Sie einfach mit Ihrem guten Namen!
Vor der Idee einer englischen Ladenbesitzerin verbeugt sich Freakonomics, das Kuriositäten-Blog der New York Times. Sie kennzeichne die Verpackung von Süßigkeiten und Softdrinks neuerdings mit dem Namen der Kinder, die sie kaufen, um weggeworfenen Müll erkennen und die Übeltäter eindeutig identifizieren zu können. “Wie die Dame der BBC berichtet, zeigt die Maßnahme Wirkung: Ihre kleine Stadt sei viel sauberer.” Neu sei die Idee nicht, meinen die Blogger – und erinnern an den Versuch einiger Städte, die Hinterlassenschaften von Hunden per DNA-Test nachzuverfolgen. Die Müllentsorgung mit Namen zu verbinden, könne aber richtungweisend sein: “Das nächste, ideale Objekt für eine solche Kennzeichnung sind Hypothekenpfandbriefe.”
Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer, Maxim Kireev.
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