Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert Chinas Vorschlag, vom Dollar als globale Reservewährung abzurücken. Die Financial Times hat am Vorabend zum G20-Gipfel in London den US-Präsidenten Barack Obama interviewt. Laut Vedomosti hat sich Gazprom die Erdgasvorkommen Aserbaidschans vor den Europäern gesichert. Fundstück: Das passende Baby zum BILLY-Regal.
In einem Interview mit dem Magazin Newsweek unterstützt Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz die Forderung der Poeple’s Bank of China, statt des Dollars die Special Drawing Rights (SDRs) des Internationalen Währungsfonds zur Reservewährung zu machen. “Eine Reservewährung muss stabil sein, und das ist der Dollar nun mal seit geraumer Zeit nicht: Die Bilanz der US-Notenbank ist surreal, die Fed hat sich auf unerforschtes Terrain begeben, wir müssen uns ernsthaft Sorgen machen um die Inflation und ihre Folgen für den Dollar.” Die Bedenken Chinas seien somit nachvollziehbar, und letztlich sei das ganze System ungerecht: “Arme Länder leihen den USA Geld zu niedrigsten Zinssätzen.” Ein neues, auf den SDRs basierendes System könne funktionieren: “Man müsste das SDR-Volumen verdoppeln und den Ländern anbieten. Statt ihr Geld in Dollarreserven zu pumpen, die nicht dazu beitragen, den Konsum anzukurbeln, könnten sie sich bei einem SDR-Fonds in Höhe von 42,8 Milliarden Dollar bedienen, ihre Einnahmen also ausgeben, statt sie irgendwo zu horten.” China bezüglich der Infragestellung des Dollar aggressives Auftreten vorzuwerfen, sei nicht richtig: “China nimmt einfach eine aktivere Rolle ein. Immerhin ist das Land äußerst wettbewerbsfähig, und es hilft den weniger entwickelten Staaten.”
Keine großen Erfolgschancen räumt dagegen der Economist dem Vorschlag der People?s Bank of China ein, die SDRs als internationale Reservewährung zu nutzen. Zwar werde der Vorschlag Unterstützung vor allem aus den Schwellenländern erhalten, doch er sei in nicht in naher Zukunft realisierbar. “Es würde Jahre dauern, bis SDRs weithin akzeptiert würden.” Derzeit betrage der Wert der SDR-Reserven 32 Milliarden Dollar, weniger als zwei Prozent der chinesischen Devisenreserven – im Vergleich zu elf Billionen Dollar, die China in Form von Wertpapieren des US-Finanzministeriums halte. “Doch es gibt auch politische Hürden: Die USA würden sich dagegen wehren, weil der Verlust des Reservewährungsstatus des Dollars die Kosten für die Finanzierung des Haushalts und des aktuellen Defizits hochtreiben würde.” Schließlich habe der Chef der People?s Bank of China selbst John Maynard Keynes? Vorschlag für eine internationale Währung aus 1940 zitiert. “Dieser beinhaltet auch, dass Länder, die große Devisenreserven anhäufen, mit einer Steuer belegt werden, um die Binnennachfrage anzukurbeln.”
Der Business Standard aus Indien wirft China vor, das “Dollar-Dilemma” selbst mit verursacht zu haben: “Asien ist ein Negativbeispiel dafür, wie Reichtum vernichtet wird. Die China Investment Corporation (CIC), die massiv in Anleihen des US-Finanzministeriums investiert hat, wird zurecht kritisiert, hat sie doch große Verluste gemacht.” Doch nicht der Wert des Dollars sei das eigentliche Problem, sondern die Sicherheit der erworbenen Wertpapiere. “Chinas Exportindustrie hat bereits 20 Millionen Arbeitsplätze verloren, und das Land kann keine weitere Aufwertung des Yuan verkraften. Klar, dass sich China Sorgen macht wegen seiner Abhängigkeit von Dollar-Wertpapieren.” Doch verkaufen komme nicht in Frage: Würde China seine Devisenreserven in Dollar ab- und in anderen Währungen wieder aufbauen, würde der Dollar abstürzen. “Außerdem brauchen die USA die Importe aus China und die Investitionen, um ihre Inflation und ihre Zinssätze niedrig zu halten.” Die Lösung könne die Beseitigung des Ungleichgewichts beim Sparen bzw. Anlegen sein: “Die Amerikaner müssen mehr Geld sparen, und die Chinesen müssen mehr konsumieren. Nur so kann das globale Ungleichgewicht auf ein verträgliches Niveau gebracht werden. Alles andere wird unweigerlich dazu führen, dass China große Verluste bei seinen Devisenreserven macht.”
Barack Obama ruft zu Geschlossenheit auf
Am Vorabend des G20-Gipfels in London hat die Financial Times mit US-Präsidenten Barack Obama über Erwartungen und mögliche Ergebnisse gesprochen. “In allen Ländern, die Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft ergriffen haben, gibt es die verständliche Sorge, dass diese Maßnahmen nicht nur teuer sind, sondern auch auf Kosten der Steuerzahler gehen, insbesondere, wenn das Geld auch an Jene geht, die vielleicht zur Krise beigetragen haben.” Obama gab zu, dass es vor diesem Hintergrund schwer für ihn werden könne, in den USA weiteres Geld für Rettungs- und Stimulierungsmaßnahmen einzuwerben: “Wenn die Wähler den Eindruck bekommen, dass es eine Einbahnstraße ist, dass Finanzinstitute immer nur Geld bekommen, aber nichts zurückgeben, wird es natürlich schwierig, weitere staatliche Eingriffe zu begründen.” Die G20-Staaten müssten jedoch Geschlossenheit demonstrieren, um Handel und Wachstum weiter zu ermöglichen. “Die wichtigste Aufgabe für uns alle ist, eine starke Botschaft der Einheit angesichts der Krise abzugeben”, so Obama gegenüber der Zeitung.
Spanien profitiert von Finanzspritzen der Nachbarländer
Expansión zieht Zwischenbilanz im spanischen Automobilgeschäft. Die europäischen Hilfen brächten ordentlich Feuer in die spanischen Fabriken. Diese profitierten nun am meisten von den direkten, staatlichen Zuschüssen zum Autokauf in Deutschland, Frankreich oder Italien. Paradox sei das, biete doch Spanien als das europäische Land mit dem stärksten Umsatzeinsturz beim Autoverkauf selbst keinerlei staatliche Zuschüsse an. Dank der großzügigen Finanzspritzen aus den Nachbarländern erhole sich so der spanische Automarkt etwas. Insbesondere verbrauchsarme Kleinwagen seien sehr gefragt. Allein Volkswagen habe in Navarra 24.000 zusätzliche Autos vom Typ Polo verkauft und auch Seat bzw. Renault berichteten von steigenden Absatzzahlen. Was geschehe, sobald es keine Zuschüsse mehr gebe, sei aber völlig ungewiss, schreibt das Blatt.
Italienische Banken trotzen der Krise
Die Entwicklung der italienischen Banken, von der goldenen Cash Cow zum Barzahler, kommentiert der Wirtschaftstitel Ilsole24ore – und spielt dabei auf die nach dem Wirtschaftsminister Tremonti benannten Anleihen mit einer Verzinsung von 7,5 bis acht 8 Prozent an. Zwar gehe die internationale Finanzkrise auch an heimischen Banken nicht spurlos vorbei, aber immerhin hätten die Banken des Bel Paese 2008 noch Gewinne erwirtschaftet. Über deren Verteilung entschieden sie ganz unterschiedlich: Die Unicredit sprach eine Scrip Dividende aus, die toskanische Monte die Paschi di Siena zahle nur einen Teil über die Dividende aus und andere überlegten noch, wie sie verfahren sollen, wie die Intesa Sanpaolo, die allerdings den höchsten Gewinn verzeichne. Trotz Gewinn stärkten diese Banken über Tremonti-Anleihen ihre Bilanz. Doch hätten die Banken außer durch diese Anleihen keine realistische Chance, ihre Finanzmittel zu erhöhen, eine Nationalisierung wie in den angelsächsischen Ländern hätte gravierende Auswirkungen auf den italienischen Haushalt.
Gazprom sichert sich Aserbaidschan
Der Energieriese Gazprom will bis 2010 das gesamte verfügbare Erdgas auf dem postsowjetischen Raum kontrollieren, schreibt Vedomosti. Am Freitag habe Gazprom mit Aserbaidschan ein Abkommen unterzeichnet, wonach ab dem kommen Januar das Gas aus der Kaukasusrepublik nach Russland strömen soll. Ähnliche Abkommen bestünden auch mit den zentralasiatischen GUS-Staaten. Aserbaidschan sei die letzte ehemalige Sowjetrepublik gewesen, die ihre Exporte nicht über Gazprom abgewickelt habe. “Die EU hat etwa bei den Plänen für ihre Nabucco-Pipeline auf die Gasvorkommen in dem Land gesetzt. Diese Alternative zu russischen Energielieferungen hat Gazprom nun Europa genommen”, schreibt das Blatt. Experten bemängelten allerdings, dass Gazproms Expansionspläne auf Kosten von Investitionen im Inland gehen, immerhin zahle Gazprom einen ähnlich hohen Preis wie die Europäer, nur um an das Gas zu kommen.
Japaner kaufen weniger Handys
Die Zeiten müssten hart sein, wenn Japaner weniger Mobiltelefone kaufen, stellt die Japan Times fest. Japan sei oft als “Versuchsgelände” für neue Handy-Technologien bezeichnet worden – immerhin 87 Prozent der Bevölkerung nutzen Mobilfunktelefone. Doch die Handy-Industrie gehe schwierigen Zeiten entgegen. Die Anzahl der erworbenen Handys sei seit 2008 um die Hälfte gesunken; 1,8 Millionen neue Telefone seien verschickt worden, die japanischen Verbraucher passten sich offenbar an die angespannte Finanzlage an. Das Ministerium für Telekommunikation schätze, dass 2007 etwa eine Billion Yen mit Mobiltelefonen umgesetzt wurden, inzwischen zeige der Pfeil deutlich nach unten. Zwar werde Japan noch keine Kommunikations-Rezession erleben, die Handy-Industrie jedoch sei bei ihrem Sturmlauf in Richtung Zukunft, genau wie andere Industriezweige, erst einmal ordentlich ausgebremst worden.
Fundstück: Das passende Baby zum BILLY-Regal
Eine Alternative zum kürzlich von der kalifornischen Klinik Fertility Institutes vorgestellten 18.000-Dollar-Designerbaby hat das US-Portal The Daily Beast entdeckt: das Ikea-Baby. Eine New Yorker Mathematikerin habe das Kind aus Spaß für eine schwangere Freundin kreiert, doch erfreue sich der getreu nach Ikea-Muster erstellte “Bauplan” großer Beliebtheit in Internetforen. “Babies als Accessoires zu sehen, passend zur Rattanottomane und zur schicken Halogenlampe, scheint einen Nerv getroffen zu haben.” Ob das auf den Namen BAB getaufte Ikea-Baby eine Zukunft habe, sei aber fraglich: “Die Scheidungsrate bei Paaren, die gern Ikea-Möbel zusammenbauen, ist hoch”, gibt das Portal zu bedenken. Auch sei der Name BAB nicht ausgefallen und anspruchsvoll genug, um mit dem allgegenwärtigen BILLY-Regal oder dem ASPUDDEN-Schrank mithalten zu können. Dennoch: “Zu den Designerbabys von Fertility Institutes könnte das populistischere Ikea-Baby vielleicht eine Alternative bieten”, witzelt das Portal.
Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Kerstin Herrn, Florian Käfer, Maxim Kireev.
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.



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