Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die jüngste Entscheidung der US-Regierung zu Rettungsmaßnahmen für General Motors und Chrysler. Les Echos erklärt, wie Italien der Krise trotzt. Die WirtschaftsWoche kommentiert den Rücktritt von Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Die Economic Times macht zaghafte Zeichen der Wiederbelebung aus. Fundstück: Madonna sieht alt aus.
“Das ist eine deutliche Botschaft: Präsentiert einen besseren Plan, oder es gibt keine Steuergelder mehr”, zollt BusinessWeek der US-Regierung Respekt. Denn nachdem das Team um Barack Obama die Pläne der Autobauer General Motors (GM) und Chrysler geprüft habe, sei es zum Schluss gekommen, dass diese nicht ausreichten, um beide Firmen wieder fit zu machen – und habe ihnen nun klar gemacht, dass sie weiter gehen müssen als noch die Bush-Regierung von ihnen gefordert habe. “Obama hat beide erneut vor dem Untergang bewahrt, aber er zeigt, dass er nicht länger willens ist, Geld in zwei Firmen zu pumpen, die sich von einer Krise zur nächsten geschleppt und immer weiter an Boden verloren haben gegenüber der Konkurrenz in Korea und Japan.” Nun müssten beide tiefe Einschnitte vornehmen, um nachzuweisen, dass sie überlebensfähig sind. “Die US-Regierung fährt eine harte Linie. Und es gibt keine Garantien, dass sie GM und Chrysler am Ende rettet.”
GM: Die Chronik eines Niedergangs
Eine neuerliche Galgenfrist hätten GM und Chrysler erhalten, doch ob die Zeit ausreiche, um die Firmen zu retten, bezweifelt der Economist : “Ein rascher Tod erspart Leid, sagt man. Der in Zeitlupe ablaufende Supercrash aber hält die Patienten GM und Chrysler in einem äußerst kritischen Zustand.” Denn GM weitere 60 Tage Zeit einzuräumen, sei kaum als Vertrauensakt zu werten. Und auch für Chrysler stehe fest, dass innerhalb von 30 Tagen ein Deal mit Fiat gelingen müsse, oder der Konzern gehe unter. “Den Druck auf beide Unternehmen zu erhöhen mag helfen, doch letztlich stehen beide vor der Aufgabe, chronische Krankheiten, die sich in Jahrzehnten herausgebildet haben, innerhalb von wenigen Wochen in den Griff zu bekommen.” Die Alternative wäre ein strukturierter Bankrott, Schulden könnten getilgt und die Gläubiger “sauber herausgetrennt” werden – und am Ende stünden zwei rundum gesunde Unternehmen. “Warum also nicht gleich eine solche Operation? Offenbar hat man in den USA Angst, dass der Patient dann trotzdem nicht durchkommt.”
Pontiac: Vom “Muscle Car” zum hässlichsten Auto der Welt
Eine Gratwanderung sei Barack Obama mit seinem jüngsten Rettungsplan für die Autoindustrie gelungen, kommentiert das Wall Street Journal. Längst bewege sich der US-Präsident zwischen zwei politischen Kräften: Die einen fordern, kein Steuergeld mehr für Rettungspakete zu verschwenden, die anderen, den dramatischen Verlust an Arbeitsplätzen zu stoppen. “Obama hat sich für und gegen die Autoindustrie entschieden: Zum einen gewährt er GM Kapital im Wert von 60 Tagen und stellt Chrysler sechs Milliarden Dollar in Aussicht, wenn diese mit Fiat zusammengehen. Zum anderen macht Obama deutlich, dass sowohl GM als auch Chrysler bankrott gehe könnten, und GM-CEO Wagoner muss gehen.” Beide Seiten dieser Entscheidung seien mit Risiken verbunden: Wagoner zu entlassen, sei populistisch, zumal die CEOs von Citigroup oder der Bank of America bleiben durften. Auch sei fraglich, warum Obama AIG gerettet hat, aber Chrysler opfern würde. Andererseits sei Obamas Haltung nachvollziehbar, denn beim Untergang der beiden Autoriesen würden nicht weltweit Vertragspartner und langjährige Geschäftsbeziehungen mitgerissen werden, wie vielleicht beim Untergang von AIG. Und schließlich habe die US-Regierung nicht unbegrenzt Geld zur Verfügung – und wolle schon gar nicht zum Autobauer werden.
Italiens Archaismus ist das Mittel gegen die Krise
“Italien trotzt der Krise”, stellt Les Echos aus Frankreich beim Blick über die Grenze fest. Obwohl Kurzarbeit in italienischen Unternehmen zunehme und die Gewerkschaft Confindustria einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 3,5 Prozent und den Verlust von 500.000 Arbeitsplätzen bis 2010 voraussage, kenne das Nachbarland keine Streiks wie aktuell Frankreich. “Die Italiener beißen die Zähne zusammen und üben sich in Geduld.” Zurückzuführen sei dies, so habe eine Studie gezeigt, auf die einst archaische Gesellschaft: Italienische Haushalte hielten zusammen, Familien zeigten sich solidarisch. Viele besäßen ihr Haus, seien nicht so hoch verschuldet und würden arbeitslosen Familienmitgliedern helfen. “Diese Solidarität erstreckt sich bis in die Firmen, wo oft noch eine andere Bindung zwischen Unternehmer und Arbeiter herrscht.” Die Kehrseite: Die Löhne in Italien seien extrem niedrig, besonders im Vergleich zu den anderen OECD-Staaten. Dennoch änderten die Italiener ihr Verhalten kaum – und konsumierten weiter. Und zusätzliche Anreize wie die Hilfen beim Kauf von Autos, die Senkung der Energiepreise und die Reduzierung der Zinsen für Immobilienkredite stärkten die Wirtschaft. “Wenn die Krise nicht mehr lange dauert, könnten die Italiener ohne großen Schaden davonkommen.”
Deutsche Bahn braucht einen neuen Mehdorn
Nach dem Rücktritt von Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn lauscht die WirtschaftsWoche den Champagnerkorken, die in der ganzen Republik knallen – und rekapituliert dessen Amtszeit. Selbstüberhebung und die Unfähigkeit, Fehler zuzugeben, hätten Mehdorn zu Fall gebracht. Er habe aus der maroden Staatsbahn ein kapitalmarktfähiges Unternehmen geschustert, gleichzeitig aber die Monopolmacht im Schienennetz gnadenlos zum eigenen Konzernvorteil genutzt. Er habe die Qualität auf der Schiene mit den ICE-Zügen nach oben gesetzt, gleichzeitig aber sei die Auslastung der ICEs im internationalen Maßstab zu gering und die Preise zu hoch. Er habe mehr als zwei Milliarden Euro Gewinn präsentiert, gleichzeitig aber verschwiegen, dass die Investitionen in das Schienennetz der Steuerzahler übernimmt. Die Suche nach einem Nachfolger sei dennoch schwer, denn dieser müsse es verstehen, sich im politischen Wirrwarr der unterschiedlichsten Bahnkonzepte – Börsengang ja oder nein – durchzuschlängeln. Dann könnten Geberqualitäten à la Mehdorn plötzlich wieder en vogue sein: “Die Bahn braucht einen Chef, der anecken kann und auch entsprechende Nehmerqualitäten besitzt. Die Bahn braucht einen neuen Mehdorn, aber mit mehr Gespür für Diplomatie, Kommunikation und Selbsteinschätzung.”
Spaniens Regierung greift Sparkasse unter die Arme
Durch den Einstieg der Banco de España in die Geschäfte der angeschlagenen Caja Castilla la Mancha ebne die spanische Regierung den Weg für weitere Bankenrettungen, kommentiert die Gaceta de los Negocios. Die Caja Castilla la Mancha (CCM) komme in die zweifelhafte Ehre, als erste Sparkasse von der Staatsbank aufgefangen zu werden. Schon habe die Regierung die Verwaltung der Bank übernommen und eine Finanzgarantie von über neun Milliarden Euro beschlossen. Seit Monaten habe das “Gespenst” der Refinanzierung die Geschäfte der Sparkasse überschattet. Diese leide neben der allgemein schwierigen Kreditgewinnung besonders unter dem zunehmenden Zahlungsverzug ihrer Kreditnehmer. Dabei habe man die Einmischung durch den Staat bis zuletzt durch eine Fusion der angeschlagenen CCM mit Unicaja verhindern wollen. Letztere habe nach vermehrten Gerüchten über den Ernst der Lage bei der CCM aber schnell wieder abgewunken.
Smartphones gehört die Zukunft
Smartphones als neuer Wachstumsmotor für die Handybranche? Nicht wirklich, findet das portugiesische Jornal de Negócios. In Wahrheit habe der Sektor von den 700 Milliarden Euro Umsatz weltweit 2008 nur neun Prozent durch Handy-Internetzugänge verdient. 40 Prozent dieses Umsatzes kämen wiederum aus einem einzigen Land: Japan. Auch wenn die Umsätze mit Smartphones momentan weltweit zunähmen, würden die Verkäufe doch auf einem niedrigen Niveau liegen. Eine Studie habe jüngst berechnet, dass das Gewinnwachstum von Mobilfunkanbietern zwischen 2010 und 2013 von sechs auf zwei Prozent fallen wird. Die Smartphones seien zwar die Zukunft des Sektors, meint das Blatt. Für die Unternehmen liege die Herausforderung aber darin, sich besser auf die Kunden einzustellen. Für junge Leute seien Smartphones beispielsweise noch viel zu teuer. Das Angebot an Geräten und Netzzugängen sei sehr fragmentiert und unübersichtlich. Wer den Wettbewerbskampf jetzt gewinne, könne eine solide Marktposition erobern und große Gewinne einfahren.
Zaghafte Zeichen einer Wiederbelebung
“Die globalen Märkte erholen sich wieder”, gibt sich die Economic Times aus Indien optimistisch. So sei der indische Aktienindex Sensex im März von 8.000 auf 10.000 Punkte gestiegen. Die Gretchenfrage sei zwar, ob die Marktbelebung anhalten werde, aber man könne tatsächlich einige Indikatoren für einen Aufschwung ausmachen: Die amerikanischen Verbraucher gäben wieder mehr Geld aus, die Verkäufe von Häusern stiegen leicht an. In Indien seien die Stahl- und Zementproduzenten mit Aufträgen voll ausgelastet. Was diesen ersten zaghaften Zeichen einer Wiederbelebung noch mehr Gewicht verleihe sei, dass die Finanzministerien in vielen Ländern eine Unmenge an Maßnahmen ergriffen hätten, um größere Schäden zu vermeiden. “Aber ausschlaggebend ist der Plan der USA, die giftigen Wertpapiere aufzukaufen.” Ende März werde man sehen, ob die Bilanzen des ersten Quartals 2009 positiv ausfallen – das sei dann der erste Test für dieses “Feigenblatt der Märkte”.
Fundstück: Madonna sieht alt aus
“Vergessen Sie getrost Madonnas quälende Übungen und strikte Diäten, der Schlüssel zu einem jüngeren Aussehen ist ein gesunder Appetit”, jubelt die Daily Mail . Wissenschaftler hätten herausgefunden, dass ein paar Pfunde mehr Frauen ab 40 Jahren ein jüngeres Gesicht verleihen. Bei der Studie seien 200 Zwillingspaare verglichen worden: Der Zwilling, der einen Body Mass Index (BMI) von mindestens vier Punkten mehr besaß, wurde von Testpersonen als jünger angesehen. “In manchen Fällen wurden Frauen, die weniger als zehn Pfund mehr wogen als ihre Zwillingsschwester bis zu vier Jahre jünger geschätzt als diese.” Das Fazit der Wissenschaftler: “Wenn es um das Gesicht geht, ist es tatsächlich möglich, die biologische Uhr auszutricksen.”
Mitarbeit: Charlotte Bartels, Kerstin Herrn, Florian Käfer.
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.




0 Kommentare zu “GM/Chrysler: Der Supercrash in Zeitlupe”