Deutsche Bank: Der Zocker darf bleiben

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Quartalszahlen der Deutschen Bank und spekuliert über die Gründe für Josef Ackermanns Vertragsverlängerung. Das WSJ zieht für Barack Obama eine kritische Bilanz nach 100 Tagen im Amt. Vedomosti beschreibt ein neues Superimperium in Russland. Fundstück: die schlechtesten CEOs aller Zeiten.

Die Financial Times vermutet, dass keiner der Nachfolgekandidaten von Josef Ackermann bisher den Ansprüchen habe entsprechen können. Während die einen zu stark mit dem Investment-Banking verbunden seien, fehle anderen eben jene Expertise auf diesem Gebiet – oder sie seien „zu wenig Deutsch“. Nach Einschätzung von Insidern bei der Bank sei die Finanzkrise ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung Ackermanns gewesen: Er sei einer der besten „Netzwerk-Banker“ der Welt und profitiere davon, während die neue regulatorische Landschaft aufgebaut werde. Bis zum Wachwechsel bei der Deutschen Bank drohten nun die Kandidaten aus der zweiten Reihe abtrünnig zu werden, außerdem müsse das Institut seine beiden Säulen Investment-Banking und Privatkundengeschäft in Einklang bringen.

Die Financial News widerspricht der Annahme, die Verlängerung des Vertrags von Josef Ackermann für den Chefposten bei der Deutschen Bank um drei Jahre sei darin begründet, dass die möglichen Nachfolgekandidaten – Anshu Jain, Michael Cohrs, Rainer Neske und Jürgen Fitschen – die großen Fußstapfen des Schweizers nicht hätten ausfüllen können. Tatsächlich sei die überraschende Entscheidung darin begründet, dass die Bank einerseits Kontinuität und Stabilität inmitten eines unruhigen Marktumfeldes vermitteln wolle und andererseits die Finanzkrise die Nachfolgefrage überschattet habe. Schließlich werde die Entscheidung schließlich Jain und Cohrs, den Vertretern aus dem Investment-Banking-Bereich, in die Hand spielen – in zwei bis drei Jahren, vermutet die Financial News, könnten die Manager wieder in einer guten Ausgangsposition sein, um zu übernehmen.

„Wieder alles paletti? Dürfen wir mit Herrn Ackermann das Ende der Krise ausrufen?“, fragt das Wirtschaftsblatt aus Österreich, um ein „kleines Problem“ anzumelden: Ackermann verdiene sein Geld nur mit Investmentbanking, während das Privatkundengeschäft dramatisch eingebrochen sei. Mit Ackermann dürfe ein Manager weitermachen, der bei der Entstehung der Krise nicht nur dabei war, sondern sie wesentlich mitverursacht habe. „Die Deutsche Bank war mittendrin in den Spekulationsgeschäften, Kreditverkäufen etc. etc.“ Fazit: Jeder Banker, jeder Unternehmer und Manager, der in der Vergangenheit nicht fröhlich mitgezockt habe, um die Profite hochzupeitschen und stattdessen sozusagen konservativ seine Geschäfte betrieben habe, müsse sich jetzt fragen, „ob er nicht irgendwie ganz schön der Dumme ist“.

Aus Sicht der Wirtschaftswoche ist Ackermanns überraschende Vertragsverlängerung das Beste, was der Deutschen Bank habe passieren können. Der Schweizer sei die Integrationsfigur zwischen den unterschiedlichen Kulturen sowie das weltweit anerkannte Gesicht von Deutschlands größter Bank. Unter seiner Führung sei es gelungen, respektabel durch die Krise zu manövrieren. Bis zu seinem endgültigen Abschied müsse Ackermann in vielen Bereichen jenseits des Investmentbanking größere Umbauarbeiten einfädeln, darunter der Vermögensverwaltung, die erneut ein enttäuschendes Ergebnis abgeliefert habe. „Einen grundlegenden Strategiewandel wird es unter Ackermann allerdings nicht geben. Er wird am Konzept einer Investmentbank mit starkem Privatkundengeschäft festhalten“, ahnt das Blatt.

Obamas teurer Kurs

100 Tage ist Barack Obama Präsident der Vereinigten Staaten. Das Wall Street Journal zieht eine gemischte Bilanz. Obama selbst sei beliebter als seine Politik, und bevor beide Seiten früher oder später vereint würden, bleibe festzuhalten, dass die USA von einer ungebremsten liberalen Regierung geführt würden. Anders als seinerzeit Bill Clinton habe Obama jede Sorge wegen der Verschuldung des Staates beiseite geschoben, in der Hoffnung, dass seine Defizit-Ausgaben plus eine lockere Geldpolitik zum Motor des Wohlstands werden. „Sollte dies falsch sein, muss sich Obama der Politik der Stagflation widmen“, warnt das WSJ. Noch gefährlicher sei Obamas Sprung in mehrere große US-Industrien durch die Verstaatlichung von GM und Chrysler sowie die Eingriffe auf dem Finanzmarkt. Je tiefer sich die Regierung in diese Industrien eingraben werde, desto schwieriger werde es, wieder auszusteigen. Fazit: Der Tag der Abrechnung werde kommen, wenn die Amerikaner entdeckten, wie viel Obamas liberales Regieren koste.

Daimler drohen trotz Sparkurs rote Zahlen

Die Börsen-Zeitung wundert sich darüber, dass die von Daimler für 2009 angestrebten Sparmaßnahmen von vier Milliarden Euro – trotz operativem Quartalsverlust von 1,4 Miliarden Euro – die Kursschwäche der Daimler-Aktie nicht lindern konnten. „Herrschen unter den Investoren deutliche Zweifel, ob es Konzernlenker Dieter Zetsche gelingt, den Premiumhersteller möglichst unbeschädigt durch die Krise zu führen? Oder gibt es Bedenken, dass die Marke mit dem Stern den Spagat zwischen Premium und Ökologie nur mit finanziell sehr hohen Anstrengungen bewältigen kann und insofern wesentliche Herausforderungen nicht enden, ist die Krise erst einmal Vergangenheit?“, spekuliert das Blatt. Unstrittig sei, dass weitere „liquiditätsabsorbierende Monate“ nicht ausgeschlossen werden könnten und rote Zahlen in den wichtigsten Konzernsparten trotz Sparbemühungen kaum zu vermeiden seien.

VW: Vorsprung durch Technik

Forbes räumt Volkswagen gute Chancen ein, bis 2018 zum größten Autobauer der Welt aufzusteigen. „Möglicherweise werden die Chinesen irgendwann die Herausforderung aufnehmen. Vielleicht wird auch Ford eines Tages wieder mitmischen. Aber noch führt Toyota, während sich der ehrgeizige Volkswagen an die Fersen geheftet hat.“ Im Gegensatz zu den Japanern, die in Zukunft verstärkt auf den Hybrid-Antrieb setzen wollten, verfolge VW die Strategie, Diesel- und Benzinmotoren zu verbessern. „Das klingt abenteuerlich, auf praktischer Seite hat VW aber einen Vorteil. In wenigen Jahren werden die kleinen VW-Modelle 50 Meilen oder noch weiter mit einer Gallone kommen, außerdem findet das von VW eingeführte Doppelkupplungsgetriebe (…) weltweit Nachahmer“, beschreibt das US-Magazin die technologischen Vorteile der Wolfsburger.

Das neue Superimperium Russlands

Vedomosti aus Russland beobachtet die Entstehung eines wirtschaftlichen Superimperiums durch die Allianz der staatlichen Banken Sberbank, VTB und Gazprombank mit der ebenfalls staatlichen Holding Russian Technologies (RT). Laut einer Vereinbarung solle RT nicht nur günstige Kredite für ihre zahlreichen Tochterunternehmen, sondern auch noch die Aktien von Firmen erhalten, die bei den drei Banken verpfändet sind. „Da die Finanzhäuser – infolge der der Krise – in den Besitz vieler Unternehmen gelangen werden, hat Russian Technologies bald eine riesige Auswahl an Expansionsmöglichkeiten“, schreibt das Blatt. Zwar sei noch nicht geregelt, wie viel die Banken dafür bekämen, allerdings sei RT-Chef Sergej Tschemesow gut darin, „Sonderkonditionen“ auszuhandeln. Die jetzigen Oligarchen hätten von so einem Imperium nur träumen können.

Ferrovial ringt um Gatwick-Lösung

An die „Milde“ der Stadt London werde Ferrovial appellieren, um den Flughafen Gatwick nicht verscherbeln zu müssen, kommentiert El Economista aus Spanien. Die schlimmsten Befürchtungen Ferrovials seien eingetreten, nachdem die für den von der Konzerntochter BAA betriebenen Flughafen Gatwick abgegebenen Kaufangebote unter allen Erwartungen ausgefallen seien. Einige Angebote reichten noch nicht einmal an den von den britischen Behörden geschätzten Wert des Flughafens von 1,6 Milliarden britischen Pfund. Jetzt wolle Ferrovial mit der britischen Wettbewerbsbehörde verhandeln, um eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden – und um Zeit zu gewinnen.

Fundstück: die schlimmsten CEOs aller Zeiten

Portfolio kürt die besten und schlechtesten CEOs aller Zeiten. Während das US-Wirtschaftsmagazin bei Henry Ford („Fahrt, sagte er, und Amerika folgte“), J.P. Morgan (rettete zwei Mal das US-Finanzministerium mit seinem Geld) und Sam Walton (noch heute fragten sich Wal-Mart-Manager in kniffligen Situationen, was Sam tun würde) mit dem Daumen nach oben zeigt, steht Ex-Lehman-Chef Dick Fuld an der Spitze der größten Versager. Seine Hybris habe zu einer „nationalen Finanzpanik“ geführt; obwohl er für den größten Bankrott in der Geschichte der USA verantwortlich sei (613 Milliarden Dollar Schulden), zeige sich Fuld weiterhin streitlustig und uneinsichtig. „Selbst Bernie Madoff hat sein Handeln bedauert“, vergleicht das Blatt.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Florian Käfer, Maxim Kireev.

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