Wie lange kriselt die Krise noch? Wann ist die Talsohle erreicht? Wann wird auch langfristig der Bären- zum Bullenmarkt? Wie lange müssen wir noch die Metaphern vom Licht am Ende des Tunnels und Silberstreif am Horizont anhören? Alles berechtigte Fragen, auf die selbst die klügsten Finanzmarkttheoretiker, die schon bei ihrer Krisenprognose und -diagnostik versagt haben, keine verlässlichen Antworten geben können. Vor diesem Hintergrund ist das Bestreben der Medien, die Komplexität der Krise mit einfachen Schaubildern zu reduzieren, verständlich. Doch die Grenze zwischen „Krise für Dummies“ und Kollektivverdummung ist leider fließend, wie das „Krisen-Barometer“ des ZDF-heute journal zeigt.
Auf der falschen Seite steht aktuell leider das ZDF-heute journal, das dem Zuschauer seit Wochen mit einem „Krisen-Barometer“ ein bisschen Orientierung verschaffen will. Das Prinzip ist so einfach wie blöd: Nachrichten wie z.B. die jüngste Opel-Offensive oder die allerjüngsten Konjunktur-Schätzungen (um nicht zu sagen -Spekulationen) werden abschließend in Tortenstücke eines roten (schlechte Nachrichten) oder grünen (Hoffnung) Kuchens verwandelt, schweben dann als Einzelteile zu einem Balkendiagramm, das den Stand der Krise für den jeweiligen Tag und im Verlauf der Woche anzeigt.
So weit, so unklar: Warum lastet die Kritik an der Bankenaufsicht so schwer (fast ein Drittel des Krisen-Kuchens), während der Opel-Optimismus nur ein bisschen Grün einbringt? Was sind die Kriterien für Hoch Claus oder Tief Marietta? Sind sich Kleber, Slomka und Co. im Klaren, dass sie selbst durch die Auswahl der paar Wirtschaftsmeldungen aus dem riesigen Agentur-Pool ihr hübsches Barometer bestimmen? Dass eine halbwegs profunde Diagnose zur Frage, wie lange die Krise noch kriselt, natürlich so nicht möglich ist. Und dass der Erkenntnisgewinn des Zuschauers so groß ist wie nach dem Verzehr eines Stücks Sacher-Torte?




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