Die internationale Wirtschaftspresse blickt voller Sorge in die USA, nachdem Standard & Poor’s den Ausblick für die Bonitätsbewertung britischer Staatsschulden von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt hat. BusinessWeek porträtiert Roland Berger als Geburtshelfer einer historischen Fusion. Die NYT berichtet über die Einigung von GM mit der Autogewerkschaft UAW über die Milliardenschulden des Autobauers. Fundstück: Hass auf Korruption eingeimpft.
Großbritannien fürchtet die Herabstufung seiner Bonitätsnote, nachdem die Rating-Agentur Standard & Poor’s den Ausblick für die Bonitätsbewertung britischer Staatsschulden von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt hat – erstmals bei einem Land mit einer so großen Wirtschaft in der Finanzkrise. Aus Sicht der Financial Times ist die Herabstufung neben dem Spesen-Skandal im britischen Parlament eine weitere „Anklage der britischen Politik“. Dabei sei das dramatische S&P-Urteil gar nicht neu. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) habe Anfang der Woche eine ähnliche Analyse vorgelegt. „S&P und der IWF sind zu Recht besorgt. Parlamentswahlen müssen innerhalb eines Jahres einberufen werden; dies hat eine Glaubwürdigkeitslücke entstehen lassen. Die Geldgeber möchten wissen, wie die nächste Regierung den Haushalt ordnen wird“, erklärt das Blatt. Aktuell traue sich aber keine Partei zu offenbaren, wie sie die Steuerzahler dazu bewegen will, mehr Geld für weniger Service zu bezahlen.
Das Wall Street Journal warnt davor, dass den USA ein ähnliches Schicksal blüht wie Großbritannien. Während der britische Finanzminister Alistair Darling zuletzt eine Verschuldung von 79 des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis zum Jahr 2014 angekündigt habe, gehe S&P sogar von einer Schuldenlast von beinahe 100 Prozent aus. Zwar sorgten sich die Ratingagenturen zu sehr um die Verschuldung und zu wenig um das Wirtschaftswachstum, meint das WSJ. Gleichwohl setzten Politiker in Großbritannien und den USA die Ausgaben der Regierung mit Wachstum gleich. Die Annahme der US-Regierung, dass der Schuldenstand bis 2011 rund 70 Prozent erreichen werde, beruhe auf rosigen Annahmen zum Wirtschaftswachstum. „Der Status des Dollars als Reservewährung der Welt schützt die USA davor, ihr AAA-Rating zu verlieren. Aber die Gläubiger weltweit fällen ihr eigenes Urteil zur fiskalischen Glaubwürdigkeit der USA auf einer täglichen Basis, und diese Urteile werden sich im Wert des Dollars und den Erträgen bei Staatsanleihen niederschlagen.“
Auch der Wirtschaftsdienst Bloomberg zieht eine Herabstufung der US-Bonitätsstufe in Betracht. Mehrere Schritte der US-Politiker hätten dazu geführt, dass Investoren der Regierung nicht mehr vertrauen und daher ihr Geld nicht mehr zur Verfügung stellten, darunter der Druck, den der Staat auf die Bank of America ausgeübt habe, um Merrill Lynch zu übernehmen, sowie die Bevorzugung der Chrysler-Gewerkschaften gegenüber den Gläubigern. Das größte Problem bestehe darin, dass ausländische Investoren – besonders aus China – einen weitaus höheren Einsatz im „Dollar-Spiel“ als bei Euros, Yen oder Pfund gewagt hätten. Ergo sei die US-Währung der wahrscheinlichste Kandidat, den das „Hackebeil“ in einer Krise der Glaubwürdigkeit hinsichtlich der Post-Krisen-Regierungsfinanzen treffen werde. Demgegenüber wäre selbst eine Herabstufung auf AA nur eine „Sanktion der Nuancen“: von einer „extrem starken“ auf eine „sehr starke“ Tilgungskraft. Hinzu komme, dass es gute Gründe dafür gebe, dass keine einzige Regierung im aktuellen Klima der Finanzkrise in den Genuss der Top-Bonitätsstufe kommen dürfe.
GM einigt sich mit Gewerkschaft
Die New York Times berichtet über die Einigung der Opel-Mutter GM mit der US-Autogewerkschaft UAW über die Milliardenschulden des Autobauers. Zwar wolle sich die Gewerkschaft zu den Details der Einigung nicht äußern, bevor ihre 61.000 Mitglieder über den Plan abstimmten. Nach Recherchen der Zeitung ist der Kern der Einigung, dass GM die Hälfte seiner Schulden gegenüber dem Pensionsfonds der Gewerkschaft – also 10 der insgesamt rund 20 Milliarden Dollar – mit Aktien begleichen kann. Jetzt komme es für den Autobauer, der nur noch bis zum 1. Juni Zeit habe, einen Plan für die Umstrukturierung seiner Schulden vorzulegen und so ein Insolvenzverfahren zu umschiffen, darauf an, auch Tausende Aktionäre davon zu überzeugen, ihre Forderungen in GM-Aktien (225 Aktien für 1000 Dollar Schulden) umzutauschen.
Edel-Hebamme Roland Berger
BusinessWeek porträtiert den Unternehmensberater Roland Berger, der seine Rolle im Fiat-Opel-Chrysler-Deal herunterspielen wolle, dessen „legendäre Kontakte“ jedoch am Ende den Ausschlag geben könnten. Für den 71-Jährigen, der einst selbst Kanzlerkandidaten verschiedener Parteien gleichzeitig beraten habe, sei dies die einmalige Gelegenheit, seine Verbindungen zu Politik und Wirtschaft auszuspielen, um sich als „Geburtshelfer“ einer „historischen Fusion“ zu profilieren. Bergers Celebrity-Status führe dazu, dass kaum einer seine Telefon-Anrufe ablehnen könne – er sei beispielsweise ein Vertrauter von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und Siemens-Boss Peter Löscher. Ein Kratzer in der Erfolgsbilanz von Berger sei seine Rolle bei der Restrukturierung des Bauunternehmens Philipp Holzmann gewesen; nach Einschätzung von Wettbewerbern sei Berger außerdem weniger erfolgreich als McKinsey oder BCG darin, Aufträge von international operierenden Unternehmen zu erhalten.
Spanische Sparkassen sind die Hauptverlierer
Auf brüchigem Boden bewegten sich die spanischen Sparkassen, meint die Gaceta de los Negocios. Ungewissheit bestimme deren Situation und auch die Zukunft verspreche kaum besser zu werden. Da helfe es wenig, dass selbst Regierungspräsident José Luis Zapatero in den Sparkassen die Hauptverlierer der Krise sehe. Neben dem erwarteten Gewinneinbruch von über 20 Prozent treffe auch die stark zugenommene Zahlungsunfähigkeit ihrer Kreditnehmer die Kredithäuser hart. Abhilfe könnten Fusionen schaffen. Ein Schritt, vor dem sich die Sparkassen jedoch zierten, moniert die Zeitung.
Historische Iberdrola-Windanlage in Schottland
Durch die Einweihung des bisher größten auf dem Festland gebauten Windparks in Schottland stärke Iberdrola seinen Anteil am europäischen Windenergiemarkt, applaudiert die Gaceta de los Negocios in einem weiteren Artikel. 140 Turbinen generierten in der Nähe von Glasgow 322 Megawatt Strom – genug für die Versorgung von 180.000 Haushalten. Zusätzlich reduziere die 55 Quadratkilometer große Anlage pro Jahre den CO2-Ausstoß um eine halbe Million Tonnen. Sánchez Galán, Präsident von Iberdrola, sehe in der Windkraftanlage sogar einen Wendepunkt in der Geschichte Schottlands. Nicht nur den besten Windpark Europas, sondern auch eine der besten Anlagen der Welt habe Iberdrola gebaut, zitiert ihn das Blatt.
Keine Staatsgarantien für Arcandor
Nach Einschätzung der Börsen-Zeitung will die Metro weder Arcandor noch Karstadt im Zuge einer Warenhausallianz retten, sondern ausschließlich den Arcandor-Antrag auf Staatsgarantien – und somit den Eingriff in den Wettbewerb – verhindern. Zu Recht, meint das Blatt, denn wer jetzt der Bitte um Staatsgarantien zu schnell nachgebe, der verkenne, dass es Arcandor, auch als das Unternehmen noch KarstadtQuelle hieß, versäumt habe, die eigenen Probleme zu lösen. Während die Metro-Tochter Kaufhof seit längerem wieder ihre Kapitalkosten verdiene, seien viele Karstadt-Häuser seit Jahren in einem beklagenswerten Zustand, und die Weiterentwicklung des Warenhauskonzepts sei in den fünfziger Jahren stehen geblieben. Shoppingcenter wie das „Frankfurt Hoch Vier“ mitten auf der Frankfurter Zeil besäßen heute den Status, den die Warenhäuser einst gehabt und verloren hätten. „Hätten sie nicht selbst ihre 1-a-Lagen nutzen und die Warenhäuser in Shoppingcenter integrieren können?“, fragt die Börsen-Zeitung mit Blick auf Karstadt.
Fundstück: Anti-Korruptionsimpfung für die Russen
Ein großer Teil der Russen sei daran interessiert, das korrupte Wirtschaftssystem mit den alltäglichen Schmiergeldzahlungen zu erhalten, meldet RBCdaily. Laut einer Umfrage plädierten 25 Prozent der Russen für Korruption, in der Realität dürfte die zu Zahl jedoch noch höher ausfallen, fürchtet das Blatt. Justizminister Alexander Konovalov wolle daher den Russen Hass auf Korruption „einimpfen“. „Das Justizministerium will den Bürgern zum Beispiel erklären, dass Korruption etwa zu Flugzeugabstürzen führen kann, verursacht durch schlechte Ersatzteile“, schreibt das Blatt. Das alles sei ein großes Stück Arbeit, so die Worte des Ministers. Nach einer Studie des staatlichen Nationalen Antikorruptions-Komitees könne kein russisches Großunternehmen ohne Korruption eine Ausschreibung für sich entscheiden.
Mitarbeit: Florian Käfer, Maxim Kireev.
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