Seit rund einer Woche ist WolframAlpha online, ein Portal,das Antworten aus den im Internet verfügbaren Informationen berechnet, statt nur auf die Quellen zu verweisen wie etwa Google. Im Interview mit ecolot.de zieht Jörg Wurzer, Gründer der auf semantische Internetsuchen spezialisierten Schweizer Firma Iqser, eine erste Bilanz.
Herr Wolfram verspricht ein „neues Paradigma zur Nutzung von Computern und des Web“. Wie lautet Ihre Einschätzung?
Der Ansatz ist nicht neu: Seit den 80er Jahren gibt es Expertensysteme und bereits in den 70er Jahren wurde die Programmiersprache Prolog entwickelt, die eine Definition von Fakten und Regel und darauf aufbauend logisches Schließen ermöglicht. Suchanfragen nicht mit Treffern, sondern mit einem dynamisch zusammengestellten Inhalt zu beantworten, mag in vielen Fällen hilfreich sein, so wie Wikipedia seinen Zweck erfüllt. Aber es wird nicht zu einem neuen Paradigma.
Wird WolframAlpha das Monopol von Google eindämmen?
Ich bin sicher, dass das nicht der Fall ist. Google deckt einen anderen Bedarf ab: Dort finde ich Informationsquellen zu beliebigen Themen, während Wolfram Alpha sowohl thematisch als auch von den Quellen her beschränkt ist. Um die inhaltliche Qualität zu sichern, wird Wolfram Alpha auch in Zukunft die Quellen beschränken und vor allem auf Fakten und statistische Daten fokussiert sein. Denn auf letzteres ist die Technologie ausgelegt.
Was muss aus heutiger Sicht (da z.B. Yahoo abgeschlagen ist) passieren, dass Google eingeholt werden kann?
Ich glaube nicht, dass Google eingeholt werden kann. Das ist daran zu erkennen, dass Google auch neue Entwicklungen wie das Semantic Web mühelos adaptiert und Startups in den Schatten stellt. Im vergangenen Jahr hat Google seinen Marktanteil sogar erhöht, obwohl hochgelobte Suchmaschinen wie Cuil und Hakia gestartet sind.
Google bekommt nicht durch Suchmaschinen, sondern allenfalls durch neue Wege zur Erschließung von Information Konkurrenz. Wir verfolgen ein Paradigma, das die bisherige Suche auf dem Kopf stellt: Ähnlich wie Location Based Services bringen wir die Informationen zum Menschen, ohne dass dieser suchen muss. Der Kontext ist jedoch nicht geographischer, sondern inhaltlicher Natur.



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