„Insolvenz wäre das Beste für Opel”

Die internationale Wirtschaftspresse lotet die Perspektiven einer Insolvenz von Opel und GM aus: Dies ermögliche einen Neuanfang ohne Altlasten und Trost für Tausende Juristen. Expansión applaudiert dem Tod von Abbey, Alliance & Leicester und Bradford & Bingley. Der Business Spectator lobt Australiens Wirtschaft. Fundstück: (VW) Rettet die Händler.

Auch nach dem Nacht-Gipfel zur Rettung von Opel zeichnet sich noch keine Lösung für den deutschen Autobauer ab. Während General Motors in die Pleite rast, ist es der Bundesregierung nicht gelungen, eine Brückenfinanzierung hinzubekommen. Gleichwohl ist der erste Schritt gestern getan worden: General Motors hat die europäischen Werke, Patente und den Zugriff auf Technologien schuldenfrei auf die Adam Opel GmbH übertragen.

Die Financial Times berichtet von der wachsenden Angst, dass Deutschland eine zu große Rolle bei der Entscheidung zum Schicksal von GM Europa spielen könnte – in Deutschland sei rund die Hälfte des europäischen GM-Zweigs angesiedelt. Vor diesem Hintergrund habe die EU-Kommission ein Treffen aller Minister von EU-Ländern, die ein eigenes Interesse an der Zukunft von Opel und Vauxhall haben, angesetzt. Der belgische Premier Herman van Rompuy habe in einem Brief an die EU-Kommission davor gewarnt, eine auf nur ein Land fokussierte Lösung für das europäische Unternehmen zu wählen. Wer auch immer am Ende den Zuschlag für den Kauf der Opel- und Vauxhall-Betriebe bekomme, müsse sich auf große Verluste in diesem Jahr einstellen, so die FT. Aus einem im April an die Kaufinteressenten verschickten Dokument gehe hervor, dass GM von einem Verlust vor Steuern und Zinsen von drei Milliarden Dollar in Europa ausgehe.

Die Neue Zürcher Zeitung glaubt, dass Opel, trotz aller Beschwichtigungen von Politikern, ohne staatliche Hilfe die Insolvenz drohe – die die Politiker in einem Wahljahr jedoch unter keinen Umständen zulassen wollten. Dies führe dazu, dass mögliche Interessenten sich ganz auf den Staat verlassen könnten und kaum eigenes Geld riskierten – und der Steuerzahler am Ende Milliarden verliere, falls der Opel-Umbau scheitere. Außerdem erinnert das Schweizer Blatt daran, dass Bundeskanzlerin Merkel noch Ende März gesagt habe, Opel sei für die Volkswirtschaft nicht „systemrelevant“. Und tatsächlich bräche Deutschland bei einer Opel-Insolvenz nicht zusammen. „Gestärkt würden stattdessen Marken wie VW. Opel erfüllt nicht einmal die weiche Bedingung des ,Deutschlandsfonds’.“

Im Kommentarteil des Wall Street Journal klagt ein pensionierter Arbeiter über die Art und Weise, wie GM und die US-Regierung mit den Besitzern von Unternehmensanleihen umgehe. Nachdem er selbst sich 2005 für 91.000 Dollar mit Anleihen eingedeckt habe, sei nun angesichts der Krise des Unternehmens sein Lebensstandard in Gefahr. Hinzu komme, dass die Anleiheinhaber nun als Wegbereiter und Ursache für die verhinderte Umstrukturierung an den Pranger gestellt würden. „Die US-Regierung hat Milliarden Dollar Steuergeld ausgegeben, um Firmen zu stabilisieren und das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen. Wie könnten die Investoren in dieser Situation zuversichtlich sein, wenn sie in Gefahr sind, am falschen Ende des Regierungs-Stocks zu enden?“ Verstörend sei besonders, dass die GM-Pensionäre bei den Restrukturierungsplänen der Regierung gegenüber den Bondholders bevorzugt würden. „Obwohl wir als Hürde gebrandmarkt wurden, sind wir die eigentliche Lösung. Unsere kontinuierlichen Investitionen bei US-Firmen sind entscheidend für eine wirtschaftliche Gesundung.“

Die Börsen-Zeitung schreibt, dass die absehbare Pleite von GM Trost für Abertausende Juristen in New York und weit darüber hinaus spende – ihnen winkten zig Millionen an Honoraren. Allein Bei Lehman habe Weil Gotshal für drei Monate Arbeit rund 55 Millionen Dollar in Rechnung gestellt. „Mit den weltweiten Aktivitäten von GM dürften genug Anwälte auf dem Globus ihr Stück vom Kuchen abbekommen. Alle Beteiligten – Staaten, Gläubiger, Distressed-Investoren, Beschäftigte, Händler etc. – benötigen Rechtsbeistand, wenn es um die Teilung in einen überlebensfähigen GM-Teil und einen zum Sterben verurteilten geht.“

Saab bewahrt Ruhe, Fiat klopft an

Trotz der Turbulenzen um den Eigentümer GM will Saab nach Plan weitermachen, berichtet die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri. „Wir sind auf dem besten Weg, Saab als eigenständiges Unternehmen mit einem neuen Besitzer zu positionieren“, kommentiert Saabs Pressesprecher Joe Oliver die jüngsten Entwicklungen. Zur Zeit könne Saab seine Verbindlichkeiten mit Hilfe eines 150 Millionen Dollar schweren Darlehens von GM noch bedienen. Von diesen Mitteln sei aber bereits ein Drittel aufgebraucht. Das Überleben des schwedischen Autobauers im Falle eines GM-Konkurses hänge, nach Ansicht beider Unternehmen, von einem Forderungsverzicht der Konzernmutter ab: Auf GM entfielen 90 Prozent der Gesamtschulden von 10,5 Milliarden Kronen (rund 1,3 Milliarden Dollar). Als vereinbart gelte die Rückzahlung von 25 Prozent innerhalb eines Jahres.

Das französische Journal des Finances meldet, dass Fiat neben Chrysler und Opel auch bei Saab um eine Übernahme kämpfe. Gestern habe die schwedische Regierung bestätigt, dass die Italiener zu den drei Kaufkandidaten gehörten. Im Februar hatte die Firmenmutter GM erklärt, Saab in diesem Jahr verkaufen zu wollen.

Spanier beerdigen Traditionsmarken

Santander vereinheitlicht ihre britischen Marken, und Expansión spendet Applaus. Die spanische Bank fühle sich stark genug, die in den letzten Jahren übernommenen britischen Banken Abbey, Alliance & Leicester und Bradford & Bingley unter der Deckmarke Santander zusammenzuschließen. Dass die 2004 in Großbritannien noch völlig unbekannte und skeptisch beäugte Bank inzwischen anerkannt und akzeptiert werde, sei einerseits auf fehlerloses Management bei Abbey zurückzuführen, liege aber auch am Sponsoring des Formel 1-Rennstalls McLaren mit Pilot Louis Hamilton. Der wichtigste Faktor sei allerdings das solide und vertrauenswürdige Auftreten der Bank in der aktuellen Finanzmarktkrise – im Gegensatz zu den meisten anderen großen Banken des Landes.

Keine Sorge in Australien

Das wird eine ziemlich schöne Rezession für Australien, freut sich der Business Spectator. Das australische BIP sei gerade ein Mal um 0,5 Prozent geschrumpft, während in Japan die Wirtschaftsleistung um 10 sowie in Europa um 4,6 Prozent zurückgegangen sei. Außerdem sei die Arbeitslosigkeit nach neuesten Statistiken sogar gesunken. Ein wichtiger Grund für den positiven Trend sei, dass die Chinesen Rohstoffe horteten – und Australien an der Quelle sitze. So sei der Import von Kupfer und Aluminium um 10 beziehungsweise 17,5 Prozent gestiegen. Wegen Steuersenkungen und niedrigerer Benzinpreise sei das verfügbare Einkommen der Bürger spürbar gestiegen. Nicht verwunderlich sei deshalb, dass der Einzelhandel im letzten Monat wieder mehr verkauft habe.

Rettet die Händler

Börsenhändler mussten in den vergangenen Monaten viel Kritik einstecken. Doch jetzt naht Hilfe für die Sündenböcke der Nationen. Französische Musiker haben im legendären Studio Ferber, wo schon Serge Gainsbourg am Mikro stand, gemeinsam mit zwei Dutzend gebeutelter Händler das Lied „Save the Traders“ produziert, um den ramponierten Ruf zu retten (hier ist das Video zu sehen). Die CD soll Anfang Juni erscheinen, gleichzeitig startet eine Internetseite. PS: Die Internetseite zum Song wurde registriert von Volkswagen Frankreich… Mitleidsgeste oder kluges Guerilla-Marketing?

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer, Fridolin Pöschl.

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