Da kam jetzt per Newsletter ein lustiges Ding von der Bundesagentur für Arbeit: Die erklärt in einem Pressetext, warum der Deutsche Gewerkschaftsbund nicht recht hat. Und schießt ein klassisches Eigentor.
“DGB-Berechnungen sind nicht zutreffend und interpretieren Statistiken falsch. Nach Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gehen über ein Viertel aller neuen Arbeitslosen aus der Erwerbstätigkeit direkt in Hartz IV”, heißt es da. Auf diese fesche Einleitung folgt ein Stück Behördenlyrik, das man in seiner bizarren Schönheit ruhig mal auf sich wirken lassen sollte.
Wer dabei genug Zeit und Geduld aufbringt, kann inhaltlich immerhin herauslesen, dass die Interpretation des DGB so fernliegend nicht ist, denn: “In den ersten vier Monaten 2009 gab es insgesamt 1,585 Millionen Zugänge aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit, davon 1,328 Millionen aus Beschäftigungen am ersten Arbeitsmarkt. Im Rechtskreis des SGB II waren es 443.000 Zugänge in Arbeitslosigkeit aus Erwerbstätigkeit.”
Warum die Interpretation der Gewerkschaften trotzdem falsch ist, erklärt der Text sodann aber damit, dass ein ziemlich großer Teil der “Zugänge aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit” aus kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen kam. Und das, so dürfen wir wohl schließen, sind eigentlich keine “neuen” Arbeitslosen, sondern sozusagen gebrauchte Arbeitslose.
Und was lernen wir daraus? Aus der Statistik waren offenbar vorher ein Haufen Leute verschwunden, für die das Problem Arbeitslosigkeit eigentlich überhaupt nicht gelöst war. Und so hinterlässt uns dieser Text mit der Erkenntnis, dass die Zahlenfuchser der BA wohl Recht haben. Aber die Laune des Publikums hebt nicht unbedingt, was sie uns da vorrechnen.
Insbesondere in einer Woche, in der die BA uns eine “Frühjahrsbelebung” und “einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit” verkauft, ist dieses Vorführen statistischer Raffinesse nicht angetan, die Begeisterung über die vermeintlich frohe Kunde aus Nürnberg anzufachen. Wahrscheinlich hören wir von den Jongleuren der BA demnächst, man dürfe auch “Zugänge aus dem Leistungsbezug bei Kurzarbeit in die Arbeitslosigkeit” nicht als “neue” Arbeitslose rechnen.
Die Statistik mag durch so etwas schöner werden. Die zugrundeliegende Wirklichkeit wird es nicht.



0 Kommentare zu “Wirtschaftswache: Gebrauchte Arbeitslose”