Die internationale Wirtschaftspresse entwirft das Szenario der US-Autoindustrie nach einem GM-Insolvenzverfahren und untersucht, was für deutsche Politiker im Wahljahr auf dem Spiel steht. Bloomberg verfolgt zwei Fälle von Insiderhandel bei der US-Börsenaufsicht. El Economista sieht Hansenet kurz vor der Übernahme durch Telefónica. Fundstück: Pillenposse um Heino.
Die britische Financial Times gibt ein Update zum Schicksal von GM in den USA: Am heutigen Freitag treffe das Board des Autobauers zusammen, um den Eintritt ins Insolvenzverfahren zu finalisieren. Zuvor hätten die Anleihegläubiger dem neuen GM-Angebot zugestimmt, einen Anteil von 25 statt 10 Prozent am restrukturierten Konzern zu erhalten – die Grundlage dafür, dass GM nur kurz unter Chapter 11-Schutz verweilen müsse. Die US-Regierung habe eingewilligt, zusätzliche 30 Milliarden Dollar bereitzustellen, um das operative Geschäft von GM während des Insolvenzverfahrens zu sichern.
Das Wall Street Journal erweitert den Fokus und entwirft das Szenario der US-Autoindustrie nach der große Krise. „Statt den Crash zu verhindern, besteht die Herausforderung darin, vorne zu bleiben in einem Rennen mit verschärftem Wettbewerb“, rät das Blatt. Zwar würden ausländische Autobauer, unbefleckt durch Insolvenzverfahren und ausgestattet mit mehr energieeffizienten Modellen, Marktanteile gewinnen. Andererseits werde ihr Kosten-Vorteil aufgrund niedrigerem gewerkschaftlichen Organisationsgrad größtenteils verschwinden. Auch die Zulieferer profitierten von einer schlankeren Autoindustrie, da die Hersteller weniger Druck verspürten, diese „auszuquetschen“.
Aus Sicht der Börsen-Zeitung machen die deutschen Opel-Matadoren – Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Finanzminister Peer Steinbrück und Hessens Ministerpräsident Roland Koch – keine gute Figur. Sie hätten sich von der amerikanischen Seite, General Motors und US-Finanzministerium, vorführen lassen. „Da hat man in Berlin ,Deadlines’ gesetzt, und aus den Staaten werden Emissäre ohne Entscheidungskompetenz geschickt. Ein Gespräch auf Augenhöhe sieht anders aus!“ Vor diesem Hintergrund sei fragwürdig, ob die neue, letzte Frist aus Berlin bis heute 14 Uhr Eindruck mache. „Das heißt keineswegs, dass GM und der US-Regierung das Schicksal von Opel & Co. gleichgültig ist. Ganz im Gegenteil. Wenn GM in neuer Gestalt eine Zukunft in Eigenständigkeit haben soll, ist Zugriff auf das europäische Know-how unabdingbar.“
Das Wirtschaftsblatt aus Österreich rückt in seinem Leitartikel die Fallhöhe der deutschen Politiker in den Blick. Für die deutsche Bundesregierung gehe es ums eigene Überleben – eine Regierungspartei, die den Opel-Deal verbocke und zigtausend Arbeitsplätze in den Opel-Werken den Bach runtergehen lasse, brauche im Herbst zu den Bundestags wahlen gar nicht mehr anzutreten. Anders als für die Koalition gehe es für GM um kaum noch etwas: Am Montag werde wohl Gläubigerschutz beantragt, zum Schaden von Lieferanten, Gläubigern, Belegschaft und Staat, die zwecks Entschuldung zur Kasse gebeten werden. „GM ist also fein raus, den Europäern droht im schlimmsten Fall ein Desaster: Wenn die Deutschen schlecht verhandeln, geht ein Großteil der Opel-Arbeitsplätze den Bach runter. Verhandeln sie zu gut, könnte Opel samt Übernehmer in ein paar Monaten oder Jahren GM in die Insolvenz folgen. Und dann ist Opel wirklich tot. Eine echte Lose-Lose-Situation.“
Super-Gau bei den Kontrolleuren
Noch ein Fall von Insiderhandel, diesmal jedoch nicht bei einem privatwirtschaftlichen Unternehmen, sondern ausgerechnet bei der US-Börsenausicht SEC: Zwei Anwälte sollen mit Aktien von Unternehmen gehandelt haben, gegen die die SEC ermittelt hat, berichtet der Wirtschaftsdienst Bloomberg. Ein entsprechender Report habe den Skandal bereits im März enthüllt, doch die Börsenaufsicht habe den Fall gegenüber der Öffentlichkeit verheimlichen wollen – schließlich habe der US-Senator Chuck Grassley den Bericht auf seiner Homepage veröffentlicht. Jetzt hilft der SEC nur, offen mit der eigenen schmutzigen Wäsche umzugehen, kommentiert Bloomberg.
Berühmter Short-Seller knüpft sich Moody’s vor
Während Moody’s gestern ThyssenKrupp eine Klatsche verpasst und die Bonität heruntergestuft hat, bekam die Ratingagentur im Heimatland USA einen weitaus heftigeren Schlag ins Gesicht: Hedge-Fonds-Manager David Einhorn (Greenlight Capital), der dadurch berühmt wurde, dass er rechtzeitig auf die Lehman-Pleite gewettet hatte, nimmt als Short-Seller Moody’s ins Visier, berichtet die New York Times – die Ratingagentur habe zu oft bei ihren Prognosen danebengelegen, so eine Begründung vo Einhorn. „Stellen Sie sich vor, Sie wären vor zehn Jahren Moody’s-Chef gewesen. Wenn Ihr Ziel gewesen wäre, die Marke zu zerstören, hätten Sie sich anders verhalten?“, zitiert die Financial Times den Hedge-Fonds-Manager.
New York Times Financial Times
Telefónica kurz vor Hansenet-Übernahme
El Economista sieht den Internetanbieter Hansenet mit seiner Marke Alice kurz vor der Übernahme durch Telefónica. Konkurrent United Internet sei nach der Übernahme von Freenet für 123 Millionen Euro kaum mehr an Hansenet interessiert. Bleibe nur noch Vodafone, das unter dem Druck stehe, seinen Zugang zum Internetgeschäft in Deutschland zu verlieren. Übernehme Telefónica nun wie geplant Alice, so rücke das spanische Unternehmen auf Platz zwei im Ranking der Internetanbieter in Deutschland auf. Lediglich der ehemalige Monopolist, die Deutsche Telekom, sei Telefónica bei der Anzahl der Kunden weiterhin ein ordentliches Stück voraus.
Baltische Eiszeit
Die Wahrscheinlichkeit einer Währungsabwertung im baltischen Lettland wird immer größer, schreibt das schwedische Wirtschaftsmagazin Väckans Affärer. Nach Ansicht das Blattes dient der von der schwedischen Zentralbank aufgenommene Milliardenkredit allein einem Zweck: Den dn Lettland stark exponierten Banken Svedbank und SEB Liquidität zuzuführen, sollte es zu einer Abwertung kommen. Ein weiteres Indiz sei die innerhalb der nächsten Wochen zu treffende Entscheidung des IWF, die zweite Tranche des Kredits an Lettland auszubezahlen. Dem lettischen Staat sei es bislang nicht gelungen, die erforderlichen Auflagen zu erfüllen. Ohne weitere Lohngarantien durch den IWF ist eine Abwertung des lettischen Lats aber unausweichlich, folgert das Blatt.
Russische Gleise für Europa
Die Russische Eisenbahn nimmt Kurs auf Wien, schreibt Kommersant im Bezug auf Pläne, eine Gleisstrecke mit der breiteren russischen Spurweite bis in die österreichische Hauptstadt zu bauen. Ein Gemeinschaftsunternehmen der Bahngesellschaften Österreichs, der Slowakei, der Ukraine und Russlands habe seine Arbeit aufgenommen. Ein Jahr sollen die Planungsarbeiten für das bis zu 14 Milliarden Dollar teure Projekt dauern, dessen Realisierung schließlich binnen fünf Jahren abgeschlossen werden soll. „Die neue Strecke wird den Warenstrom zwischen Europa und Südostasien erhöhen“, schreibt das Blatt. Experten beurteilten das Projekt als aussichtsreich. Allerdings werde es nicht einfach, Investoren für das Vorhaben zu finden. Durch den Neubau würde das Umlegen der Waggons auf das schmalere europäische Gleis im slowakischen Kosice entfallen.
Gute Zeiten für indische Hauskäufer
Die weltweit sinkenden Immobilienpreise haben einen Nachfrage-Boom der indischen Investoren nach Häusern im Ausland ausgelöst, schreibt die India Times. In Städten wie Mumbai und Delhi habe sich die Zahl der Käufer ausländischer Häuser verdoppelt. Die Zeiten seien günstig, denn viele Immobilien etwa in den USA, Südafrika oder am Golf seien mittlerweile billiger als in Indien selber. In vielen Ländern seien die Preise um mehr als ein Drittel gesunken. Sogar als rein spekulatives Investment seien ausländische Immobilien lukrativ. „Die meisten Investitionen ziehen dabei die Golfstaaten Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate an“, schreibt das Blatt. Dort müssten ausländische Investoren nämlich keine Steuern zahlen.
Fundstück: Pillenposse um Heino
Schlagerbarde Heino kämpft gegen den Versicherer Gothaer. Im Zentrum der gerichtlichen Fehde: eine Ausfallversicherung, die der Musiker abgeschlossen hat – doch nach der wegen Krankheit ausgefallenen Tournee 2007 weigerte sich die Versicherung, den Schaden in Höhe von 3,2 Millionen Euro zu übernehmen, berichtet die Financial Times Deutschland. Grund: Heino habe sich beim Abschluss der Police als gesund bezeichnet, sei in zwei Jahren aber de facto 120 Mal beim Arzt gewesen und habe sich 600 Schlaftabletten verschreiben lassen. Heinos Erklärung: Er habe die Pillen an Gattin Hannelore und Bandmitglieder weitergegeben.
Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer, Maxim Kireev, Fridolin Pöschl.




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